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| Seite geändert am: 20.02.2003 | ||||

In Ägypten gab es dagegen erste dualistische Gedanken. Der Pharao Echnaton (Regierungszeit: 1372-1355 v.u.Z.), dessen ägyptischer Name Achanjati "Heilswirksam für den Aton" bedeutet, teilte die Welt ein in wahr und falsch (true und false). Es versteht sich, dass es meistens nur 1 richtige bzw. wahre Sache und dafür viele falsche Irrdinge geben konnte. Wesentliches Produkt Echnatons Philosophie des "wahr und falsch" ist demnach der Monotheismus und die eine, allumfassende Gottheit - der "einzig wahre Gott". Echnaton verwarf somit die gesamte polytheistische Religionstradition Ägyptens und führte einen neuen, einzig wahren Gott ein - Aton, der in der Sonnenscheibe verehrt wurde. Die alten Götter wurden verboten; diese Verbot wurde jedoch nur in der Hauptstadt Amarna, die Echnaton gründete, wirklich auch umgesetzt. Im Lande frönte man - illegal - weiterhin den alten Göttern und Kulten.
Durch den Monotheismus und die Darstellung eines einzigen, wahren Gottes postuliert der irdische Vertreter dieses Gottes folgerichtig seine Überzeugung als die einzig wahre und alle anderen (ihm widersprechenden) Stimmen als falsch und verwerflich. Der Monotheismus ist daher die Reinform der Diktatur und legitimiert einen göttlichen oder gottgesandten Herrscher, seine Überzeugung als die einzig wahre Überzeugung darzustellen. Sämtliche anderen Strömungen (und deren Hab und Gut) konnten so unter diesem Herrscher assimiliert und freundschaftlich-versklavt werden oder als der (eigenen) Wahrheit feindliche "Unwahrheit" offen bekämpft werden - und somit auf gewalttätige Weise versklavt werden. Es kommt demnach niemand anders mehr zu Potte als der einzig wahre, vom einzig wahren Gott legitimierte Herrscher und alle anderen können nur noch seine Sklaven sein.
Es versteht sich, dass diese Regelung in den Oberschichten, der Priesterkaste und der politischen Gesellschaft nicht sehr beliebt war und das ganze Land Ägypten tief aufatmete, als Echnaton im Jahre 1355 v.u.Z. auf sterbliche Art und Weise endlich auf Nimmerwiedersehen zu seinem Gott Aton einging. Sofort blühte der alte Polytheismus um die vormaligen Götter Ägyptens wieder auf. Die von Echnaton gegründete Hauptstadt Amarna wurde gänzlich verlassen und verfiel unbewohnt in der Wüste. Der Name "Echnaton" wurde in der Hoffnung, auch sein Leben im Jenseits dadurch auszulöschen, aus sämtlichen Stelen und Inschriften herausgemeißelt. Man hasste diesen Mann und seine Philosophie. Seine paar Anhänger und Getreuen bewahrten jedoch sein Andenken unter seinem ersten Namen: Amenophis IV.
Man kann sich diesen Vorgang wohl einfacher vorstellen, wenn man an das Ende des 3. Reiches in Deutschland denkt: Wo noch vormals die Volksmassen dem Hitler zujubelten, verkehrte sich nun die ganze Euphorie ins Gegenteil, so dass Hitlers Philosophie/Politik verboten wurde und man überall das Hakenkreuz tilgte und das Geschehene am liebsten in Grund und Boten auf ewiges Vergessen einstampfen wollte.
Es ist etwas geschehen, was danach als übermäßig schrecklich empfunden wird und der Mensch - Einzelperson oder Kollektiv - möchte das Geschehene am besten nihilieren, vernichten, nicht mehr daran erinnert werden und vergräbt, verdrängt es daher aus dem Bewusstsein. Die Psychologie beschreibt so den Werdegang des...
Buchtipp: Sigmund Freud, "der Mann Moses und die monotheistische Religion", gesammelte Werke, Bd. XVI, 101-246. Bibliothek Suhrkamp, Bd. 131, Frankfurt 1964.
Das Volk hält angesichts der Schrecklichkeit den Atem an und verdrängt alsbald das Schreckliche aus dem Kollektivbewusstsein. Lt. Freud ist dieses Verdrängen jedoch eher eine Bewahrung statt eine Vernichtung und es ist nur eine Frage der Zeit, wann das Vergessengeglaubte aus dem Untergrund wieder an die Oberfläche durchsickert.
Die folgende ägyptische Legende aus hellenistischer Zeit taucht in weitem Raum in vielfach unterschiedlichen Fassungen auf, was auf eine verbreitete, teilweise mündliche und jedenfalls weit zurückreichende Tradition hindeutet. Der zitierte Text stammt von dem ägyptischen Priester Manetho, dessen Originaltext aus dem frühen 3. Jahrhundert v.u.Z. leider verloren ging, jedoch in der Schrift "Contra Apionem" von Josephus Flavius zitiert wird. Zitat aus "welt und umwelt der Bibel 4/2001", Aufsatz von Jan Assmann, Professor am ägyptologischen Institut der Universität Heidelberg:
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Manetho erzählt von einem ägyptischen Priester namens Osarsiph, der sich zu Zeiten Amenophis III (also des Vaters des aus den Königslisten gestrichenen Echnaton) zum Führer einer Gruppe Aussätziger macht. Der König hat diese Aussätzigen in Konzentrationslagern interniert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Eine Weissagung hat ihm mitgeteilt, die Aussätzigen würden das Land verunreinigen und dadurch verhindern, dass er, König Amenophis, die Götter schauen könne. Osarsiph verhandelt mit dem König und erreicht freien Abzug in die alte Hyksosstadt Avaris im Ostdelta. Dort organisiert er seine Aussätzigen in einer Leprakolonie und gibt ihnen Gesetze. Das erste Gebot befiehlt: Die Götter dürfen nicht angebetet werden. Das zweite befiehlt das Essen der heiligen Tiere und die Missachtung sonstiger Speisetabus. Das dritte verbietet den Umgang mit Außenstehenden. Zuletzt heißt es, nimmt Osarsiph den Namen "Moyses" an. So kommen bei ihm der verdrängte Ketzerkönig (Echnaton) und der jüdische Erzprophet zusammen. Des weiteren befestigte Osarsiph-Mose die Stadt, eroberte Ägypten und terrorisierte das Land 13 Jahre lang in der schlimmsten Weise. Die Aussätzigen verbrannten die Städte und Tempel, zerstörten die Götterbilder, verwandelten die Sanktuare in Küchen und brieten die heiligen Tiere am Spieß. 13 Jahre entspricht ungefähr der Besiedlungsdauer von El-Amarna (die Stadt Echnatons). Die Handlung spielt in der Amarna-Zeit. Offenkundig bewahrt diese Legende eine vage und verschobene Erinnerung an die monotheistische Episode der Amarna-Zeit, deren theoklastischen Charakter sie deutlich genug zum Ausdruck bringt.
Manetho beleuchtet die Unterscheidung zwischen wahr und falsch von der Gegenseite, die Seite der Heiden. Aus dem Gebot, keine anderen Götter anzubeten, wird bei ihm das Verbot, überhaupt Götter anzubeten. Aus dem Bilderverbot wird das Gebot, die Bilder zu zerstören und die heiligen Tiere zu schlachten. Aus der Exklusivität des Gesetzes wird bei ihm das Verbot des Verkehrs mit Außenstehenden. Vor allem stoßen wir hier erstmals auf die Sprache der Krankheit. Aus der Sicht der traditionellen Religion, die auf der Unterscheidung von rein und unrein beruht, erscheint die neue Religion mit ihrer Zerstörung der Götter und Bilder als die schlimmste Form von Unreinheit, als Aussatz. |
Weiterhin ein Zitat aus diesem Artikel, ein ägyptischer Text aus dem 3. Jahrhundert v.u.Z.:
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Denn die Gottheit wird von der Erde wieder zum Himmel aufsteigen und Ägypten verlassen. Dieses Land, einst der Sitz der Religion, wird nun der göttlichen Gegenwart beraubt sein. Fremde werden dieses Land bevölkern, und die alten Kulte werden nicht nur vernachlässigt, sondern, was schlimmer ist, gleichsam durch Gesetze werden unter Strafandrohung Religion, Frömmigkeit und Kult der Götter verboten.
Dann wird dieses allerheiligste Land, die Stätte von Heiligtümern und Tempeln, übervoll sein von Grabstätten und Toten. O Ägypten, Ägypten, allein die Erzählungen über deine religiösen Gebräuche werden übrig bleiben und sie werden deinen Nachkommen unglaubwürdig erscheinen, und allein Worte, in Steine gehauen, die von deinen frommen Taten berichten, werden übrig bleiben ... die Götter suchen wieder den Himmel auf; von ihnen verlassen, werden die Menschen alle sterben, und so wird Ägypten, der Menschen und Götter beraubt, wüst und leer sein... |
Hes 29,12
Und ich werde das Land Ägypten zu einer Wüste machen inmitten verwüsteter Länder, und seine Städte werden inmitten verödeter Städte eine Wüste sein, vierzig Jahre; und ich werde die Ägypter unter die Nationen versprengen und sie in die Länder zerstreuen.
Im Hebräischen bedeutet das Wort "masah" "herausziehen". Aus jüdischer Perspektive bedeutet das hebräische Wort "moscheh" (Mose) also "Herauszieher, Retter", wobei sich auch eine Ableitung zu Wasser herstellen lässt, also "aus dem Wasser Herausgezogener, Geretteter". Es besteht hier ein direkter Zusammenhang zwischen dem Namen "Mose" und der Geschichte der Rettung des Säuglings im Korbgeflecht aus den Fluten des Stromes. Die
Frage ist noch: Was war zuerst da? Die Geschichte oder das Wort?
Sich auf den großen Gottesmann Mose beziehend bedeutet das hebräische Wort "mowsija" Erlöser, Helfer.
Im Ägyptischen heißt das Wort "msw = mesu" Kind oder Sohn (z.B. Thut-moses, Ra-mses), vergleichbar mit dem Wort "Ben". Der Pharaonenname "Ramses", nämlich Ra-msw bzw. Ra-Moses, bedeutete damit Kind der Gottheit Ra, Sohn des Ra (Re).
Moses als solches bedeutete einfach nur "Kind", "keines bestimmten Vaters Sohn", "irgendwer", ein namenloses, stammloses Kind. Es konnte auch das Kind eines Vaters sein, der seinen Sohn "enterbte", ihn verstieß, ihn davon jagte, so dass der Vater im Namen des Sohnes nicht mehr vorkommen mochte und die Abstammungs-Linie trennte.
Der Mann Mose ist also der ägyptische Höfling ohne Stammbaum - ein Hurensohn, ein Findelkind, ein Enterbter und Verstoßener, ein Vater-loser.
Der Mann Mose bewies tatsächlich königlichen Charakter und ließ sich von dieser Vaterlosigkeit nicht unter kriegen. Er ging zu den Semiten, die im Ghetto bzw. Konzentrationslager Zwangsarbeit verrichteten und formierte diese zu einem Volk, einer Nation und machte sich zu deren Führerfigur. Mit dem neuen Volk im Rücken konnte das vaterlose, entwurzelte, heimatlose Kind sich nun eine neue (königliche) Existenz aufbauen.
Um im neuen Volk ein Nationalbewusstsein zu fördern, waren natürlich rein-semitische Stammbäume vonnöten. Einen solchen verpasste sich auch Moses mit der Geschichte vom ausgesetzten Hebräerkind. Damit war es ein Leichtes, sich als Nachkomme Sems (als Semite), Noahs und schließlich Adams darzustellen.
Wie die meisten Leute aus dem Religionsunterricht wissen, wurde Mose angeblich von seiner leiblichen Mutter in einem Körbchen in den Fluten des Nil ausgesetzt. Die Geschichte vom Baby im Körbchen auf den Fluten des Stromes war zu dieser Zeit ein beliebtes Thema, denn schon Sargon (etwa 2350-2294), der König von Akkad, erlitt dieses Schicksal:
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"Ich bin Sargon, der starke König, der König von Akkad...
Die Enitum, meine Mutter, empfing mich und gebar mich insgeheim. Legte mich in einen Binsenkorb, machte meinen Deckel mit Asphalt dicht (Und) setzte mich im Fluss aus, der mich nicht überspülte. Der Fluss trug mich zu Akki, dem Wasserschöpfer..." |
Es scheint so, als sei zuerst das ägyptische Wort "msw/moses" alias "Kind" gewesen, das dann aufgrund der hebräischen Mose-Geschichte ins Hebräische übernommen wurde und dort eine neue, "hebräische" Bedeutung zugewiesen bekam - wie übrigens so viele Worte! - nämlich "aus dem Wasser herausziehen".
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