Biblische Schlangen 
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Die Schlange ist wohl aufgrund ihrer Giftigkeit und ihrer gespaltenen Zunge in vielen Mythen und Legenden ein zwielichtes Geschöpf. Auch in Mesopotamien herrschte die Vorstellung von allerlei seltsamen Schlangen: Tiamat erschuf riesige Seeschlangen (und auch den großen roten Drachen, der sich auch später in der Offenbarung des Johannes wiederfindet), auch wurde Tiamat selbst als schlangenartiges Untier gedacht (denn ihr Schwanz bildet um den Ozean herum einen Wall, auf den sich die Himmel stützen, den Damm der Himmel), am Ischtartor tummelten sich auf Lapislazuli-Mosaiken Schlangenungeheuer, usw...

Die in der Bibel verwendeten Bezeichnungen und Begriffe in der Bedeutung "Schlange" sind folgende:

Levijatan, eine meist als mythologisches Wesen verstandene Wasserschlange, Krokodil
interessant: Schlangenkult (aufgrund einer Schlangenplage) bei Mose
Sorop, HaSorop, die Brandnatter
Schepiypon, die Viper
Sepai, der Basilisk
Tanniyn, ein meist im Wasser befindlicher Schlangendrache
Nehasch, HaNehasch, die Schlange als solches, die Bezeichnung für die Schlange des Sündenfalls

Levijatan

לויתן [liwjatan], Leviathan, der Begriff stammt von "gewunden", eine Schöpfung der mythologischen Volksvorstellung: Schlange, Krokodil.

Siehe hierzu auch:
Enuma Elish

Beim Leviathan handelt es sich um eines der elf Ungeheuer, die die Tiamat erschuf, noch bevor die Welt geordnet oder gar die Menschen gemacht waren (manche Theorien sehen Leviathan auch als das hebräische Wort für die sumerische Tiamat). Die elf Ungeheuer waren fürchterliche Bestien mit scharfen Reißzähnen, mit brachialen Kräften, ihr Blut war Gift und sie galten als Tiamats Armee, um unter der Führung des Gottes Kingu die anderen Götter zu töten. Da dieser Plan der Chaos-Mutter nicht gelang und sie Marduk unterlag, darf man annehmen, dass auch ihre Ungeheuer besiegt und getötet worden waren. Mit dem Tod dachte man sich im babylonischen Weltverständnis die Dinge durchaus noch nicht gelaufen, denn die Toten, auch die toten Götter, existierten weiter im Totenreich. So galt Tiamat und wohl auch ihre Ungeheuer, einschließlich des Leviathans, noch immer als im Totenreich existent. Tiamat wurde sogar zur Königin des Totenreichs.

Bisweilen wird der Begriff Leviathan allerdings auch verstanden als ein herkömmliches Krokodil. Womöglich dachte man sich in der Urzeit tatsächlich das gewöhnliche Krokodil als ein Seeungeheuer, das wir nur heute als ein mythologisches Wesen interpretieren und dem wir dementsprechend fantastische Vorstellungen andichten. Es zeigt sich aber häufig in vorzeitlichen oder antiken Mythen, dass es sich bei mancher Gottheit oder manchem Dämon um ein ganz irdisches Tier handelt und man einen Gott oder Dämon keinesfalls als ein geistiges Ding bzw. ein überirdisches Wesen mit wundersamen Zauberkräften verstand.

Der Begriff Leviathan erscheint an folgenden Stellen:

Jes 27,1

Hier ist Leviathan gleich alles in einem: gewunden, flüchtig, Seeungeheuer.
Die Passage erinnert stark an Marduk, der kampfbesessen mal wieder über Tiamat oder ihre Seeungeheuer herfällt.

Dem Kommentar der Elberfelder-Bibelübersetzung ist zu entnehmen, dass es sich an dieser Stelle um ein Gleichnis auf Ägypten handelt.

Somit kann Leviathan hier als eine gewaltige (militärische) Streitmacht betrachtet werden.

Mit der Tötung derselben ist es wohl nicht weit her gewesen, denn Ägypten existiert als Staat noch heute, auch wenn bez. Status und Herrschaft mittlerweile andere Staaten die Vorderhand haben. Von einem Untergang Ägyptens kann man aber keinesfalls sprechen: Mit dieser Prophezeiung war es also nichts.

Ps 74,13-14

ים = yom = das Meer
תחים = tehowm = Tiamat

In diesem Psalm wird wieder durchgehend für die Gottheit die Bezeichnung Elohim gebraucht statt Jhwh: eindeutig liegt hier wieder ein Text aus der Marduk-Religion vor. Allein die "Spaltung des Meeres" ist eine wesentliche Komponente daraus: Marduk spaltet bekanntlich den Urozean Tiamat wie eine Muschel.

Leviathan wird hier auch ganz in seiner eigentlichen Bedeutung verstanden, nämlich als eines der elf Seeungeheuer, vermutlich mehrköpfig (zerschmetterte Köpfe im Plural), das Tiamat gebar, um einst die Götter zu töten. Dem Text ist zu entnehmen, dass Marduk bereits siegreich war und Leviathan getötet wurde, wobei sein Leichnam den Wüstentieren übergeben wurde.

Die "Wüstentiere", ein Synonym für Dschinns und mythologische Wesen der unheimlichen Sorte, sind hier als Ghoule zu verstehen, dämonenartige Aasfresser, Gestalten, die dem Totenreich zuzuordnen sind. Wie die Marduk-Religion lehrt, ist Leviathan tot.

Ps 104,24 (interlinear)

Ps. 104, 24 (lesbarer Klartext)

Deutlich handelt es sich beim genannten Leviathan an dieser Stelle um ein gewöhnliches Tier, vermutlich ein Krokodil. Es gibt keinerlei Anlass, im hier erwähnten Leviathan eine widergöttliche, mythologische Gestalt zu sehen, denn ausdrücklich handelt es sich hier um ein Geschöpf Gottes, das von diesem auch noch ernährt wird.
Hiob flucht in einem verzweifelten Redeschwall dem Tag seiner Geburt. Hiob wünscht seinem Geburtstag, dass er in Finsternis untergehen soll und keine Gottheit (eloha, der Singular von elohim = die Gottheit, elohim: kann im Plural und im Singular verwendet werden = die Götter, Götterkollektiv, der Höchste der Götter, Herr der Heerscharen) diesen Tages je mehr gedenke. Im Rahmen dessen sagt Hiob auch:

Hi. 3,8

Offenbar sind gewisse Schwarzmagier oder düstere Zauberer gemeint, die fähig sind, Tage zu verfluchen und den Leviathan zu beschwören.

Große Teile des Buches Ijob stammen aus der sumerischen Literatur, in der im Gegensatz zu den Juden düsterer Zauber und schwarze Magie zwar verboten war, aber durchaus praktiziert wurde.

Im Buch Hiob ist allerdings der Satan חשטן [HaSatan] auch direkt erwähnt und zwar getrennt vom Leviathan.

Klar wird, dass der Leviathan - mag er ein Ungeheuer sein, eine Seeschlange oder was auch immer - nichts mit dem Satan zu tun hat, denn dieser ist von ganz anderem Wesen:

Während der Leviathan bei Hiob offenbar sehr tierisch im Meer Chaos veranstaltet und mehr einer geistlos tobenden Bestie ähnelt, beratschlagt sich HaSatan, der Widersacher, im selben Buch höchst gepflegt und intelligent mit Jhwh-Elohim im Kreis dessen Söhne (der Götter).

Es geht aus dieser Stelle nicht klar hervor, ob HaSatan ebenfalls als Sohn des Jhwh-Elohim gilt, es heißt nur, dass er unter diesen Söhnen gewesen sei. Im Buch Hiob wird für Gott sowohl Jhwh als auch Elohim verwendet.

Obwohl es sich bei der Hiob-Geschichte größtenteils um sumerische Erzählungen handelt, dürfte es sich bei (Ha)Satan (so wie bei Jhwh) um nicht-sumerische, mythologische Wesen handeln, die der Geschichte nachträglich eingeflochten wurden.

Hiob 40,24-25

Unter vorangegangener Darstellung der brachialen Kraft und Gewalt des Nilpferdes (Behemoth) beschreibt Hiob die Macht Gottes als derart allgewaltig, so dass er selbst mit Leichtigkeit den Leviathan bändigen könnte. Da der Behemoth durchaus als gewöhnliches Nilpferd verstanden werden kann (die Beschreibung seiner Leibesfülle und der Stärke seiner Beine weist eindeutig darauf hin), darf auch der Leviathan hier als ein gewöhnliches Krokodil interpretiert werden.
Insgesamt ist der Leviathan lediglich als sumerisches, mythologisches Wesen interessant, nämlich im Gefolge der Tiamat. Als Seeungeheuer und gewaltige Giftschlange wurde er vom Urozean, dem Chaosmeer, Tiamat geboren, um die Götter zu bekämpfen. Der Kampf der Chaosmächte, denen der Leviathan angehörte, wurde allerdings bereits vor der Erschaffung der Menschheit in der Vorzeit zugunsten Marduks und dessen Ordnung entschieden.

Die giftige Seeschlange Leviathan ist tot.

Schlangenkult

4. Mo. 21,6-9

Auf das Anraten des Gottes Jhwh schmiedete Mose einst eine kupferne Schlange. Wie Jhwh erklärt hatte, heilte ein Blick auf diese Kupferschlange Schlangenbisse, so dass dadurch gebissene Menschen eine soeben vorherrschende Giftschlangeninvasion überlebten. Die wundersame Kupferschlange genoss offenbar alsbald hohen Rang, so dass man ihr sogar opferte.

König Hiskia, ein erklärter Feind un-Jhwh'schen Kults, zerstörte die mosaische Kupferschlange (2. Kön 18,4). Da die Kupferschlange ein von Gott angewiesenes Instrument war, ist der Grund für ihre Zerstörung reichlich dubios und unverständlich.
Insgesamt aber kann man hier keine Hinweise für die Schlange als mythologisches, dämonisches Wesen feststellen.

Sorop, HaSorop

שרף [sorop], Brandnatter, offenbar eine bestimmte Schlangenart

5. Mo. 8,15, 4. Mo. 21,6

Schepiypon

1. Mo. 49,16-17

שפיפן [schepiypon] die Viper, ebenfalls eine bestimmte Schlangenart

Sepai

צפע [sepai] eine besonders giftige, afrikanische Schlangenart, angeblich ein Basilisk

Rein zoologisch handelt es sich beim Basilisk um eine ungiftige Echse.
Es haben sich aber bis heute Legenden um ein Ungeheuer namens Basilisk gehalten. Die Fabelgestalt ist als Mischung aus Schlange, Hahn und Kröte oder als geflügelter Drache mit Hahnenkopf gedacht. Sie ist im Besitz des "bösen Blicks" und kann mit demselben ihre Feinde töten oder versteinern. Durch das Entgegenhalten eines Spiegels konnte man diesen Blick zurückwerfen, so dass es das Ungeheuer selbst traf. Die Legende erinnert stark an die Medusa. Die Fabeln um das Basilisk-Ungeheuer sind allerdings erst in nachbiblischer Zeit entstanden.

Tanniyn

תנין [tanniyn] großer Seefisch, Walfisch, Haifisch und dgl., (Gift-)Schlange, Drache, Seeungeheuer, auch Wasserhose
 assyrisch: danninu=Erde

großer Seefisch, Walfisch, Haifisch und dgl.

1. Mo. 1,21

Aus der sumerischen Literatur wissen wir, dass es nicht Marduk-Elohim sondern Tiamat-Elohim war, der/die die großen Seeungeheuer schuf. Es war der Schoß des Meeres, aus dem die Großfische geboren wurden. Im Monotheisierungsprozess wurde die Schöpfergottheit hier offensichtlich vereinheitlicht.

Deutlich klar wird auch, dass man keinen Unterschied machte zwischen einem Seeungeheuer und einem Wal oder Hai. Einen riesigen Wal verstand der steinzeitliche Sumerer ganz offensichtlich als eine Streitmacht eines Gottes (der Götter) - so wie auch andere kraftstrotzenden Tiere in der sumerischen Mythologie den Göttern zugeordnet wurden, z.B. der Himmelsstier (ein durchaus irdisches Tier, das lt. einem Epos vom König Gilgamesch, einem Menschen, getötet wurde).

Ps. 148,7

Da bereits von Jhwh-Elohim gesprochen wird, scheint der Schreiber ein Jude zu sein, der allerdings noch stark von sumerischer Weltanschauung geprägt ist: die besiegte Tiamat [tehomowt, tehowm] und ihre Seeungeheuer haben den Sieger, Marduk, ihren Herrn, zu preisen.

Schlange, Giftschlange:

2. Mo. 7.10

An dieser Stelle steht das Wort [letanniyn] für Schlange. Während sich Mose's Stab einige Sätze vorher in ein nehasch verwandelt, verwandelt sich Aarons Stab, aber auch die Stäbe der ägyptischen Zauberer und Magier in ein letanniyn.

Ps. 91,13

Der Satz gilt als Versprechen für denjenigen, der sich unter den Schutz "des Höchsten" ['eleyown] begibt: Offenbar wird hier der Drache als Schlange verstanden, da der zweite Satzteil nur eine Wiederholung des ersten ist: der Junglöwe wird als Löwe bekräftigt, die Kobra als "Drache" (Schlange)

'eleyown, der Höchste, versteht sich als der Oberste der 'Elohiym, der Götter(welt): Bei der polytheistischen Götterwelt, über die 'eleyown der Höchste ist, kann es sich nur um die sumerische handeln.

5. Mo. 32,33

hamat tanniynim=Schlangengift
Drache:

Jer 51,34

Eine Stelle von vielen, an denen der gehasste Babelkönig mit dem Drachen verglichen wird, als Drache dargestellt wird.
das mythische Seeungeheuer (vgl. Rachab, Leviathan):

Jes 51,9

Auch hier ist wieder der Leviathan im Spiel, vgl.o.: das Gleichnis für Ägypten. Mythologisch ist tanniyn also eindeutig wieder eine Komponente aus der sumerischen Marduk-Weltanschauung.

Noch klarer und deutlicher stellt sich die Perspektive der Marduk-Religion in den folgenden Sätzen dar:

Ps 74,13, Hi. 7,12, Hes 29,3, Hes 32,2

[tanniyn], Drache, Seeungeheuer, Großfisch - was auch immer - ist, sofern es nicht als völlig irdisches normales Tier (Schlange, Wal, Hai) gedacht ist, bestenfalls ein mythologisches Wesen (meist eine tierische Bestie, Chaosgewalt) aus der sumerischen Religion.

HaNehasch, Nehasch, Nachasch, Nagasch

נחש [nehasch], Schlange, lt. den Stellen, wo der Begriff verwendet wird, eine völlig gewöhnliche, irdische Schlange, verwendete Bezeichnung für die Schlange, die den Sündenfall einleitet.

Ps. 140,4, Pr. 23,32, Spr. 10,8,11, Jer 8,17 ...und viele weitere Stellen.

Interessant zum Begriff nehasch ist nur noch folgender Sachverhalt: In Indien gibt es sogenannte "Naga" - der Begriff ist linguistisch verwandt mit dem hebräischen nehasch und bedeutet "Schlange". Auch kommt der Begriff in der Bedeutung von dämonenartige Schlangenwesen vor, die mehrere Köpfe besitzen, meist fünf bis sieben.

Die Naga werden gerne als Zwitterwesen zwischen Schlange und Mensch dargestellt. Bekannte Naga sind mit Namen Ananta, Shesha, Vasuki. Sie werden auch als Fruchtbarkeitsträger verehrt. Der Herr der Nagas ist Nagaraja, der König der Schlangen, ein Beiname der Nachtgottheit Varuna, der einst der Gegenspieler des Lichtgottes Mithras gewesen war.

Zwischen Indien und Israel und damit auch zwischen Buddhismus, Hinduismus und Judentum bestehen engere Zusammenhänge, als gemeinhin angenommen wird. Geographisch liegen die Länder auch nicht so weit entfernt, dass sie nicht auch bereits in der Antike oder Vorzeit erreicht werden konnten. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass zumindest mythologisch und religiös eine enge Verbindung zw. den Indern und den Juden bestand.

Schlangen über Schlangen:

Jes. 65,25, Mi 7,17



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