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Rafa's Homepage

Frustriert von dieser Gesellschaft und den Zukunftsaussichten, verlor ich mich Anfang der 80er in fantastischen Jugendträumen. Aus meinen Memoiren von 1983:

Im Frühjahr 1981, wieder mal in einer Beziehung mit irgendeinem Laschkopf, langweilte mich die ganze Welt.

Ich überdachte so den Lauf der Dinge:

ICH wollte Abenteuer erleben! Aber dazu sah ich keine Möglichkeit in einem solchen Leben... und genau betrachtet gab es Leute (und das waren die große Mehrheit!), die so dermaßen langweilig lebten (sie arbeiteten und schauten fern...), dass mein ödes Leben dagegen das reinste Abenteuer darstellte!

Nein, das durfte nicht wahr sein!
Nein, es konnte nicht alles sein!
Nein, es musste noch was anderes geben! Jenseits der irdischen Langeweile...

Irgendwo auf der Welt, oder im Weltall, oder irgendwo musste ein "Dimensionstor" sein, wodurch diese lahme Welt zu verlassen war.
Das "Überirdische" war die einzige Möglichkeit, hier davon zu kommen... und die Möglichkeit passte mir gut in meinen Kram.

Ich begann, mich für alles zu interessieren, was mir auf der Suche nach dem "Dimensionstor" helfen könnte. Da ich jedoch keine Ahnung hatte, wie ich auf diesem Weg weiterkommen könnte, tat ich nicht viel. Im täglichen Leben begegnet einem wenig, was nach "Dimensionstoren", oder Wegweisern nach solchen aussah...

1981 - Higgy und ich fotografierten uns
für ein Plattencover von der Band, die wir
erst noch gründen wollten... *g*
Alles, was ich vorerst in Dingen "Magie" und "Überirdisches" tun konnte, war, mir darüber Gedanken zu machen und meine Logik einzusetzen.
Der alte Traum des Vampirs wurde wieder wach...:
Wer will denn beweisen, dass es jenseits unserer Welt nicht noch mehr Welten gab?...auf einem anderen Stern? ...vielleicht auf unserer Erde, nur in einer anderen Dimension? Und wer wagte, dagegen zu sprechen, dass es in einer solchen Dimension nicht Vampire und Dämonen geben könnte? ... und wer dagegen sprach, der konnte es doch nicht beweisen! Warum sollte es nicht möglich sein, dass mein Traum Wirklichkeit werden konnte?

Seit Urzeiten glaubten die Menschen an Überirdisches. Nur im 20. Jahrhundert, da meinen sie, ach wie gescheit sie doch sind (das haben sie zwar auch schon in Urzeiten gedacht... ) und sie meinen, im "Atom-Zeitalter" und im "Computer-Zeitalter" oder im "Raumfahrt-Zeitalter" (ach, wie futuristisch...), da wäre es eine Schande, an sowas zu glauben, da wär der Mensch mittlerweile viel zu gescheit dazu... Sind wir Menschen ja schon bis zum Mond gekommen, weit über den Himmel und kein Engel war unserer Rakete im Weg gestanden, nicht wahr? Und genauso sind unsere Radargeräte in die Tiefen der Erde gedrungen, ohne dass sie einen Teufel geortet hätten. Wie wir Dank unserer Technik heute wissen, besteht der Erdmittelpunkt aus allen möglichen Schwermetallen und nicht aus Hölle.

Die aus früheren Zeiten waren schon immer Vollidioten. Sie waren unterentwickelt und ihre Wissenschaften waren ja so primitiv... Aber heute ist es out, an solche Dinge zu glauben: Wir können uns Dank der Wissenschaft unseres Genius' alles irdisch erklären und falls nicht, so werden wir das bestimmt in späteren Zeiten können und was selbst dann noch unerklärlich sein wird, das war dann eben Zufall. Nein, heute gilt es als anachronistisch, an Überirdisches zu glauben.
(P.S.: Mittlerweile ist es wieder in und nun glauben wieder alle; zumindestens, dass da schon was sein könnte... Wenn der Boom dann rum ist, sind wir wieder alle Atheisten.)

So. Aber ICH drehte den Spieß der Erklärungen um - mein Motto war:
Es gibt viel Irdisches. Das ist logisch erklärbar. Was nicht einwandfrei erklärbar ist, konnte ja vielleicht überirdisch sein. Was unerklärbar ist, ist noch viel wahrscheinlicher überirdisch. Letzte beiden Fälle mussten unbedingt einer Prüfung unterzogen werden.

In meinem Hang zum Heroismus wollte ich mich als Held sehen. Meine Mutter erklärte das mit "krampfhafter Geltungssucht". Menschsein und dieses öde Leben leben, das fand ich einfach schwach: Nix war los, gar nix Tolles konnte man vollbringen! Die Menschen sind so richtige Laschköpfe und wenn ich nicht aussteig, werd ich ihr Los teilen müssen. Deswegen wollte ich nicht besser sein, als andere, oder mich verherrlichen. Gerne hätte ich ein paar Leute mitgenommen und wär mit ihnen ausgerissen in eine "Märchenwelt"; dorthin, wo es noch was "Starkes" zu erleben gab, da wo es geile Action gab, da wo ich für meine Ideale leben konnte, mich ausleben konnte...

Ich wollte gern Dämon werden. Oder Vampir und vor dem Teufel als Held stehen, Ich wollte Errungenschaften für die Hölle erkämpfen.
Ich wollte auch endlich stolz herabschauen auf alle "laschen Leute", auf Muttersöhnchen, Feiglinge, Strebsäue (in der Schule), auf Schleimscheißer und Arschkriecher - eben auf alle Sorten von Leuten, die ich verachtete. Ich wollte in einer Gruppe von Leuten leben, die in meinen Augen "etwas" darstellte und einer von ihnen sein.
Ich wollte den Teufel beschwören und ihn bitten, mich mitzunehmen - nur fort von hier...
 

Ich machte mir Gedanken über Gott und Teufel - über das "Gute " und das "Böse", was beide angeblich verkörperten. Als ich zu dem Schluss gekommen war, dass beides relativ ist, begnügte ich mich vorerst.

Da ich keine Ahnung hatte, was ich für mein Ziel tun konnte, legte ich die Aktivitäten beiseite und begann, mir zu "malen", was ich mir da wünschte. Bald fing ich an, Comix zu malen. Ich war die "Hauptperson". Ich schwelgte darin und erlebte meine Sehnsüchte auf dem Papier. Es ging um Vampire und jede Menge Action.



1982 - Helmut
Noch im Jahr 1982 lernte ich Helmut kennen. Helmut war in meinen Augen der "stärkste" Typ aus der Disco Dröhnland. In Helmut war ich total verknallt.

Als mich Helmut dann einmachen wollte und wir zu ihm nach Hause gingen... stand in seinem Bücherregal das "6. und 7. Buch Mose's"! Aus war's mit'm Sex!

Helmut war auf dem selben Trip wie ich und wir beschlossen an diesem Abend, einander durch's Dimensionstor mitzunehmen. Helmut und ich hatten uns gefunden und wir sahen das beide als überirdisches Zeichen und Wunder. Wir waren überzeugt, durch eine übernatürliche Kraft zusammengefunden zu haben, da wir uns, jeder den anderen, auf seinem "magischen" Weg einander zu brauchen meinten.

Der größte Pimmel konnte mich nicht reizen, solange dieses Buch ungelesen in Helmut's Regal stand. Helmut geduldete sich bereitwillig und hatte dafür Verständnis. So, wie ich in meinen Comix meine Sehnsüchte malte, so tippte Helmut auf der Schreibmaschine rum: Er schrieb einen Roman über sein zukünftiges Leben als "Weißmagier". Das ideale Paar... *lol*

Die "beste" Stelle in dem Buch war die Beschwörung des Teufels... "Ich werde es tun!" sagte ich, aber Helmut meinte, ich soll warten, es ist zu gefährlich. "Nein, ich werde Astaroth beschwören!" Helmut versuchte, es mir auszureden und ich gab dann kurz Ruhe. Aber schon eine Stunde später schreckte ich aus dem Buch hoch und rief: "Ich werde Astaroth beschwören!!!" Damit gab sich Helmut, der "Weißmagier", geschlagen; da ich es jetzt nun an einem Tag 3 x stur geäußert hatte, so war es wohl mein fester Wille, gegen den sich Helmut machtlos sah. Jawohl!

Als wir an diesem Abend ins Bett gingen, d.h. wir schliefen...
Mitten in der Nacht wurde ich wach. Es war stockfinster, aber... ich war von irgendwas geweckt worden! Es musste ein Licht gewesen sein. Im Aufwachen glaubte ich, auch einen Krach gehört zu haben, als wenn ein schwerer Gegenstand 3 x dumpf auf den Boden fallen würde. Helmut lag nicht neben mir im Bett - er war hellwach, schweißgebadet und stand in der Nähe der Tür.
Entgeistert glotzte ich ihn an.

"Astaroth" flüsterte Helmut ... "Bitte was?" motzte ich verschlafen. "Was ist'n los?" fragte ich wieder, als von Helmut's schockiertem Gesicht keine Antwort kam. "Ich weiß nicht..." stammelte Helmut ganz durcheinander "Ich war aufgewacht und zündete mir eine Zigarette an. Die hatte ich halb geraucht, da kam unter dem Bett eine verschrumpfte Krallenhand vor und tastete sich vorwärts. Ich sprang sofort aus dem Bett zur Tür, dabei ließ ich die Zigarette fallen. Die Hand tastete sich über das Bettlaken in Deine Richtung, da streckte ich meine Hand aus und aus meinem Ring..." (Helmut trug einen goldenen Siegelring mit einem Bernstein, der in seinem Roman als ein starkes magisches Instrument gegen Dämonen vorkam) "... kam ein Blitz und alles war fort!"

"Mensch! Mach das Licht an...!" sagte ich. "Die Zigarette!...Die Zigarette muss doch noch irgendwo liegen, die Du verloren hast, wenn die Story grad nicht ein Traum von Dir gewesen ist!" Helmut knipste das Licht an. Sein Gesicht zeigte einen zutiefst entsetzten Ausdruck, während ich nach der Zigarette suchte.
Ich war bis ins Letzte aufgeregt: Astaroth! ...ob real oder im Traum offenbart...
Irgendwo hatte ich Angst, das alles zu glauben. Denn wenn ich es glaubte..., und es nicht wahr war..., dann war es nur eines: Wahnsinn! ... und davor fürchtete ich mich. Ich wollte etwas erreichen und nicht wahnsinnig werden!
Die Zigarette fand sich nicht. Das war sehr unschön... Es war also bloß noch, dass ich mich durch ein Licht geweckt wusste... der "Blitz" aus Helmut's "magischem" Ring, wie dieser steif und fest behauptete.

Es konnte aber auch ein Auto gewesen sein, dessen Lichtkegel das Schlafzimmerfenster streifte. Nur, Helmut wohnte in einer Wohnsiedlung und vor dem Fenster befand sich ein Sandkasten und eine Wiese, danach der nächste Wohnblock ... weit ab davon die Straße.
"Zieh Dich an!" fauchte ich "Da hast Du die Autoschlüssel! Du fährst jetzt mit der Ente die Straße rauf und wieder runter und ich bleib hier und beobachte das Licht ..." (Helmut hatte zwar seinen Führerschein bereits vor 1 ½ Jahren bei einem Alkoholtest eingebüßt, aber das störte mich nicht.) Helmut dröhnte also im Schlafanzug die Sackgasse rauf und düste wieder her, aber das Licht des Wagens war kaum merklich. Unmöglich konnte es das Licht eines Autos gewesen sein, selbst wenn dieses mit Halogenscheinwerfern ausgerüstet sein sollte.
Schließlich legten wir uns wieder schlafen, weil wir nichts Weiteres fanden...

Am nächsten Nachmittag tippte Helmut an seinem Roman, ich las das "6. & 7. Buch Mose's". Helmut's Mutter, die streitsüchtige Frau M. werkelte draußen in der Küche rum, wobei sie unablässig vor sich hin schimpfte.
"So eine Sauerei!" hörten wir Frau M. schimpfen, aber wir gaben nichts drauf, denn das war normal..."Solcherne Drecksäu, ihr..." Frau M. lauschte. Als sie kein Contra bekam, quasselte sie weiter. "Bist ganz schön laut, Rafa! Ich hab heut nacht gar nicht schlafen können vor lauter Gestöhn!" Augenaufschlag - leiser Seufzer - aber weder Helmut noch ich conterten. Frau M. motzte also weiter: "Ihr Arschlöcher! Ihr Drecksäue... eine Schweinerei ist das! Das Bettzeug ist ganz feucht!" ... "Schon gut..." ärgerte sich nun endlich Helmut im 'leck-mich-am-Arsch-Ton'. "So eine Sauerei" ereiferte sich nun Frau M., als sie langsam Aussichten auf den ersehnten Streit hatte. "... igitt! Und da liegt eine Zigarette im Bett!"
"WAS LIEGT DA ???" riefen Helmut und ich aus einer Kehle. Ganz verdattert glotzte uns Frau M. an, als wir sofort ins Schlafzimmer stachen.

Eine Zigarette Helmut's Marke lag da und ein Schwelfleck.

Ab diesem Zeitpunkt nahm ich die Sache ernst. Das "6. & 7. Buch Mose's" schreibt einiges vor, was zur Beschwörung notwendig ist, unter anderem folgende Utensilien:
1 Blutstein, 1 junges Rehkitz zum Opfer, 1 Girlande, 1 grünes Band, 1 Klinge aus reinstem Eisen, weißgebleichtes Holz für ein Feuer, 1 Glas, etc. und ....1 Haselnussgerte von einem wild gewachsenem Haselstrauch, der aber noch nie Früchte getragen hat und in dessen Zweigen nie ein Vogel genistet hat, ... usw.

Wichtiger Bestandteil der Beschwörung sind 4 goldene Nägel eines Kindersarges.

"Zufälliger" Weise wurde ich in den nächsten Tagen von einem sehr laschen Kerl angemacht, für den ich aber plötzlich "reges Interesse" zeigte, als er sagte, er wäre von Beruf Totengräber...!
Ich bestellte 4 goldene Sargnägel und der Mann versprach, mir diese zu besorgen.

Das wär ja alles ganz "einfach" gewesen, wenn es nicht einige große Probleme bezüglich meiner Geisteshaltung gegeben hätte...
Das "6. & 7. Buch Mose's" ist eine Sammlung mittelalterlicher Zaubersprüche, teilweise sehr idiotischer, z.B. auch gegen Behextwerden an Mensch und Tier, gegen die Pest und weitere zeitgemäße "Gefahren"...

Beispiel, Seite 193:
"Mittel gegen Zahnweh: Man beschneide alle Freitage seine Nägel an Händen und Füßen, so wird man vor Zahnweh bewahrt und verliert dasselbe, wenn man damit behaftet ist."

Im Vorwort weist der Verleger darauf hin, dass dieses Buch lediglich den Leser mit dem Geist und der Denkweise des Mittelalters bekannt machen soll und dass ausdrücklich vor dem Gebrauch der beschriebenen Mittel gewarnt wird, besonders bei ernsthaften Krankheiten, wo man besser einen erfahrenen Arzt zu Rate ziehen sollte... Der Verleger übernimmt keine Haftung. Das Buch stammt (angeblich) aus dem Jahr 1522.

Das wesentliche Denken des Mittelalters galt dem Gott und der Kirche und so wird auch bei der Beschwörung des Teufels zur Bedingung gemacht, in diversen Gebeten und während der Darreichung von Opfern klarzustellen und zu beschwören, dass die Seele des Beschwörers eindeutig dem Gott gehören soll.

Eindeutig allerdings - wollte ich genau das Gegenteil!

Der nächste Scherz ala Mittelalter war jenes, dass man schließlich dem erschienenen Luzifer, bzw. seinem Stellvertreter, dem Erzdämon Astaroth (die beide ganz sicher erscheinen, so viel steht schon mal fest!) seinen Wunsch äußern sollte, zu dessen Erfüllung man die Beschwörung zelebrierte (in meinem Fall war der Wunsch: "Ich möchte gern Dämon werden."). Man muss unter Einhaltung einiger Rituale also dann dem erschienenen Teufel "befehlen", einem den nächstbesten SCHATZ zu zeigen! In Klammern steht noch toleranter Weise, dass man auch einen anderen Wunsch äußern kann.
Der Materialismus in der Sache ekelte mich sehr an.

Da soll ich den Teufel beschwören und wenn er dann tatsächlich kommt, nichts weiters von ihm wollen, als einen lächerlichen Schatz? Zu diesem Zweck hätte ich besser die Lotto-Fee beschwören sollen...! Es ärgerte mich extrem: Mein Heiligtum sollte zur Schatzsuche dienen!!! Oh, Ihr Arschlöcher! Da steht ein allmächtiges Gottwesen vor einem, von dem man sich die ewige Jugend, Gesundheit, Schönheit, Klugheit, Weisheit, etc., eben alle Dinge, die man sich NICHT kaufen kann, wünschen kann und da kommen die mit einem Schatz daher...!

Von o.g. beiden Faktoren verstimmt, schrumpfte meine Lust an der Beschwörung.

Stand doch eindeutig da, dass man seine Seele dem Gott versprechen musste - und als Einleitung, dass jeder Punkt genauestens befolgt werden soll. Es bereitete mir Kopfzerbrechen und ich verschob die Aktion auf ein unbestimmtes Datum.

Ich überlegte. Es irritierte mich noch etwas: Mit der bereits erwähnten Haselnussgerte und einigen Ritualen bin ich, lt. Buch. im Besitz der Macht, den Teufel, falls dieser nicht kommen will, zu zwingen unter Anwendung der sogenannten "Höllenzwänge". Dieses alles ist jedoch absolut von der Haselnussgerte abhängig, denn sobald diese einem z.B. aus der Hand fällt, ist der Zwang zunichte und im wahrsten Sinne des Wortes (angeblich) der Teufel los und kann mit einem tun und lassen, was er will (, worauf er auch die ganze Zeit lang gierig wartet, haha).

Und ich dachte so darüber nach. Angeblich ist der Teufel Gottes gefallener, oberster Erzengel, der fast so stark sein soll, wie Gott selbst. Angeblich hat Gott alles erschaffen, also das gigantische Weltall in allen Einzelheiten; die "lumpige" Erde, und die Erschaffung der Haselnusssträucher wird er wohl einem Unterengel als Bagatelle zur Arbeit gegeben haben. Jedenfalls ist ein Haselnussstrauch im Gegensatz zum Rest der Welt nichts Gravierendes.

Der Teufel mag vielleicht bei der Erschaffung der Welt mitgewirkt haben und wer weiß, welcher Planet, welches Sonnensystem, oder gar welche Galaxie aus seiner Produktion stammte? Hat er sich da sehr anstrengen müssen, wo er doch fast so stark wie Gott sein soll? Schließlich gilt er auch als Gegner Gottes, ebenso als intellegent. Er muss also Gott das Wasser reichen können, wenn er beide Behauptungen unter einem Hut beweisen wollte...
Und da steh nun ich kleiner, sterblicher Mensch, kann überhaupt nichts erschaffen, mit meiner lächerlichen Haselnussgerte und soll damit über den Teufel, dieses Gottwesen und Machtbündel Zwänge ausüben können? Das ist geradezu lächerlich!

Nächstens: Der Teufel ist mein Heiligtum! Er ist mein Gott und ich konnte es mit meiner Moral nicht in Einklang bringen, meinem Gott etwas aufzuerlegen, was er nicht will! Der Teufel ist mein Gott und Herr, ich respektierte ihn als solches und es war mir ein Gräuel, ihn zu zwingen! Eigentlich hätt ich MICH für IHN zwingen wollen...!
So verlief sich die Sache mit der Beschwörung.

Das "6. & 7. Buch Mose's" ist nichts für Satanisten.

Einen Schluss zog ich noch aus der Buch-Mose's-Sache: Wenn einer so einen starken Willen und Glauben hat, dass er alle die beschriebenen Dinge befolgt, sowie sich auch an die reichlich zur Bedingung gemachten Kasteiungen hält, so wird ihm ganz sicher etwas erscheinen. Derjenige ist nämlich im fortgeschrittenen Stadium eines schlimmen Wahnsinns, denn nur durch einen Wahn kann einer dieses Durchhaltevermögen entwickeln, und es werden genügend Erscheinungen aus seiner krankhaften Einbildung entspringen!

Also hatte ich diesen Teil des Buch Mose's als Humbug durchschaut.
Schuld daran war meine Logik. Von Natur aus dachte ich schon immer erst alles logisch durch. Das vermieste mir in diesem Fall die Seligkeit des Wahnsinnigwerdens.

So malte ich weiter an meinem Comix und Helmut tippte seinen Roman.



Die Teufeleien indes konnten wir nicht lassen. Ständig trieb ich Helmut an, mit mir irgendwas zu unternehmen.

Es war im Sommer 1983. Helmut und ich hatten beschlossen, Kirchen zu schänden. Heute war es St. Andreas, Pfarrer Volzens Kirche, die dran glauben sollte.
Bereits vor einigen Tagen hatte ich des Nachts mit Kreide "Bannzeichen" an die Tür Pfarrer Volzens Kirche gemalt, die ganze Tür voll und ein paar Stellen der Mauern. Von Schnörkseln und Krakeln, Runen der kleinen Arkana bis zu Parolen wie "LUCIFER REX" waren alle satanischen Sprüche vorhanden, die ich kannte, sowohl als auch - quer über die Tür gemalt - das Wappen des Teufels. Wohlweislich hatte ich dazu die Nacht von Samstag auf Sonntag gewählt, damit es am Sonntagmorgen gleich alle Kirchgänger sehen konnten.

Zu diesem Zweck stand ich Sonntags gleich vor der Kirche, aber der alte Depp musse die Sache entdeckt haben und die ganze War' war weggeputzt! Diese Sau!

Helmut und ich hatten uns vorbereitet: Wir kleideten uns in schwarze Umhänge, die ich selbst genäht hatte, von Kopf bis Fuß schwarz angezogen, mit schwarzen Stirnbändern. Helmut hatte mir zum Geburtstag ein kleines silbernes Pentagramm geschenkt, das ich natürlich ständig bei mir trug (um einen 5-zackigen Stern zu kriegen, klapperte er tagelang sämtliche Juweliere in der Stadt ab: Judensterne gab es genug, aber von Pentagrammen wusste noch keiner, was das überhaupt sein soll). Behängt und beklunkert mit sämtlichen "magisch geweihten" Schmuckgegenständen, begannen wir uns beide "böse Blicke" hinzuschminken. Wir puderten uns noch blasser, als wir sowieso schon waren und Helmut malte sich mit Kajalstift noch ein Kreuz auf die Stirn, natürlich ein auf dem Kopf stehendes. (Heutzutage stylt sich ja schon jeder Depp krasser, aber damals war so ein Aufzug noch echt seltsam)

Schon seit Wochen hatten wir uns die notwendigen Utensilien beschafft, darunter eine tote Maus, die bereits stark verweste, ein paar faule Eier, einige Dinge aus der Mülltüte meiner Küche, einige gebrauchte Tampons, sowie ein paar Haufen von Frau M.'s Katzen. Mit Gummihandschuhen hatten wir dies alles in Aluminiumfolie gepackt und in den Kofferraum der Ente gelegt, da wir den Gestank im Cockpit nicht ertragen hätten. Nur mit zugehaltener Nase war es einem möglich, meinen Kofferraum zu öffnen.

Mit o.g. Outfit ausgestattet, bestiegen wir mit finsteren Blicken nach eingehenden Zeremonien meinen 2CV6. Wir fuhren los. An den roten Ampeln musterten wir die Insassen der neben uns auf grün wartenden Autos mit verächtlichen Mienen (wow, waren wir gefährlich!)... Wir bogen ein in die Kilianstraße...

Wir waren bereits sehr in unser "boshaftes" Vorhaben hineingesteigert, als uns ein Wagen rasant überholte und die rote Kelle zum Fenster hinausgeschwenkt wurde.
Ich bremste und hielt mein Vehikel am Straßenrand an. Die Polizisten stiegen aus und setzten sich ihre Mützen auf, während sie behäbig cool auf uns zu kamen. "Guten Abend" grüßte der Polizist, als er dann in seiner Rede etwas stockte und mich recht wunderlich ansah (damals gabs noch keine Gothics: Leute in so einem Aufzug wie wir hatte man im Allgemeinen noch nie gesehen). Mit satanischem Grinsen überreichte ich ihm die Fahrzeugpapiere.

1982 - Geschenk zum Fachabi
von meinen Eltern: mein erstes Auto
"Ist was?" fragte ich schnippisch.
"Ihr Rücklicht geht nicht." antwortete der Polizist, der sich schon wieder etwas in der Gewalt hatte
"So?" sagte Helmut mit grausig tiefer Stimme und öffnete die Autotür. Als er ausstieg, wehte sein schwarzer Satin-Umhang im Abendwind. Mit gespenstisch-eleganten Schritten begab er sich zum Heck der Ente, beugte sich dann über den hinteren Kotflügel und erwiderte schnippisch: "Tatsächlich. Es ist kaputt." Der Beifahrer-Polizist, auf Helmut's Seite, sah ihn mit seltsamer Mimik im Gesicht an.
"Natürlich ist es kaputt. Schon seit einem halben Jahr" dachte ich und sagte: "Ehrlich?"
"Ja" meinte Helmut, herablassend lächelnd.
"Tja, dann werden wir es wohl reparieren lassen müssen ..." erwähnte ich cool und schwitzte mir einen ab, nach dem Motto: "Hoffentlich wollen sie nicht den Verbandskasten und das Warndreieck... im KOFFERRAUM sehen!?" *stink*

Ich bekam meine Papiere und eine weiße Mängelanzeige ausgehändigt, dann kehrten sich die Herren Beamten wieder ihrem Wagen zu. Helmut winkte ihnen lässig nach.

Dessen ungeachtet setzten wir unsere Fahrt zu Pfarrer Volzens Kirche fort. Dort parkten wir mein Vehikel mit etwas Abstand, um nicht evtl. per Autokennzeichen identifiziert zu werden, falls uns jemand beobachtete.
Die Türe der Kirche stand weit offen. Das wunderte uns sehr! Wir schlichen uns an und forschten, ob die Luft rein war und dann packten wir das Aluminiumfolienpaket und "eroberten" die Kirche. Aber leider Gottes war darin noch eine 2. Tür zur eigentlichen Kirche und wir kamen nur in den Windfang.
Helmut hielt Wache und ich verteilte und verschmierte sämtliche mitgebrachten Sauereien auf Wände, Böden und Türen, während Helmut draußen die Tür beschmierte.
"Fertig!" sagte ich und wir schlichen uns in der Dunkelheit davon zum Auto.

"Leider" passierte nie etwas auf solche Aktivitäten. Weder verfolgten uns Pfarrer, noch Christen und auch kein Engel erschien, um uns zu verfluchen, ebenfalls bekamen wir keinen "höllischen Orden". Höchstens die Putzfrau hätte uns gern geteert und gefedert... Und da wir also auf solcherlei Unternehmungen nie eine "Antwort" bekamen, sowohl als dass es nie irgendwelche Folgen hatte, wurde uns das Spielchen langweilig.

Es passierte einfach nichts und ich kam keinen Schritt weiter.

Nur meine Comix...das war die einzige "Dimension", in welcher etwas passierte...die Notlösung, weil's vorerst nichts anderes gab...

die Ente fand sogar Einzug in meine Comix


Luzifers Wappen aus
dem 6. & 7. Buch Mose's
Eines langweiligen Abends, Helmut und ich wussten nicht, was wir treiben sollten, malte ich das Wappen Luzifer's aus dem Buch Mose's auf ein Pergament ab, malte meines (das ich mir selber ausgedacht hatte!) ebenfalls auf ein anderes Stück Pergament und wickelte es in das Luzifer's ein. Diesen Papierkram stopfte ich in ein kleines selbstgenähtes Lederbeutelchen und hing mir dieses um den Hals, denn es hieß, das bringe Glück (lt. Buch Mose's).

Am nächsten Tag besuchte ich mal ausnahmsweise wieder die Hochschule, mal so, um zu sehen, ob sie noch stand, ähehe ... Da ich keinen freien Parkplatz fand, sondern nur eine Feuerwehreinfahrt, stellte ich mein Auto eben da hin. Schließlich hatte ich unter die Windschutzscheibe geschrieben: "Bitte keine Strafzettel, bin Student" und hoffte, dass nun damit alle wussten, dass ich keine Geld hatte.

Die Hochschule 'faszinierte' mich wie immer nahezu 'bis zur Ekstase', so verließ ich sie bald wieder. Schon von weitem sah ich in der Nähe meines Autos die Polizei handwerken (Strafzettel verteilen). Ich beeilte mich, ihnen zuvor zu kommen, denn mein Beispiel hatte Schule gemacht und die Feuerwehreinfahrt stand nun ziemlich voll mit Fiat 500, VW-Käfer und weiteren typischen Studentengefährten. Bis auf 2 Autos waren sie bereits an meine Ente rangekommen, aber ich errettete diese noch rechtzeitig und lächelte die Beamten freundlich an, als ich davondüste.

Ich fuhr nicht weit, denn ich wollte noch in eine Apotheke (meine Pille war ausgegangen). Weil ich wieder keinen Parkplatz fand, stellte ich mein Auto eben mitten auf die Straße vor einer großen Kreuzung - ich kam ja gleich wieder und ein Kinderwagen kam schon noch durch ... Als ich die Apotheke verließ, sah ich noch auf der Schwelle schon wieder die Polizei in der Nähe meines Autos! Eilends lief ich denen entgegen: Sie waren bereits im Begriff, auszusteigen und meine Ente mit Strafzettel zu schmücken.

Ich war schneller, sprang mit einem Satz hinters Steuer und fuhr los. Ich drehte mich noch um und grinste abermals freundlich (es waren dieselben Polizisten wie zuvor), während ich den Fuß voll am Gas hatte. Es gab auf einmal ein mächtiges Gehupe von allen Seiten: Ich war vor lauter Aufregung voll bei Rot über die Ampel gebraust! Unfall gab es keinen und auch die Polizisten, die das ja alles hautnah mit ansahen, nahmen keine Verfolgung auf. Ich schwitzte ganz, als mir all das bewusst wurde!
"Um Himmels Willen!" ging es mir durch den Kopf "3 x hintereinander bin ich ihnen jetzt entgangen!" Und da das äußerst ungewöhnlich war, fiel mir so ein, dass heute wohl mein Glückstag sein musste.

...und dann fiel mir ein, was ich um den Hals hängen hatte und was davon versprochen wird: Das Wappen Luzifer's bringt Glück!
Und obwohl die Polizisten-Sache eigentlich nicht überzubewerten war, so galt doch genaugenommen, was ich empfand, nämlich ein großes Glücksgefühl!

Ich trug deshalb das Wappen des Teufels Jahre lang.


1981 - ich (an der Wand, 2. von links), noch in der FOS
Es war noch Spätsommer, da besuchte ich wieder einmal die Hochschule. Heute hatten wir Zeichnen. Mit Malblock und Palette kam ich also vor unserem Klassenzimmer an, an dessen Türe ein Zettel hing: "Wir sind am Steinbruch beim Tiergarten und malen Steine."

Als eifrig fehlender Student, war ich noch nie am Steinbruch beim Tiergarten gewesen und wusste also gar nicht, wo dieser lag, dennoch stieg ich in die Ente, fuhr quer durch die ganze Stadt, bis ich am Tiergarten parkte. Mein Malzeug ließ ich im Auto, denn ich wollte mich erst mal auf die Suche nach dem Steinbruch machen, wer weiß, welche Wanderungen ich da hinlegen musste und das wollte ich möglichst ohne Ballast tun.

Ich lief also querfeldein in den Wald und hielt Ausschau, ob es irgendwo nach einem Steinbruch aussehen könnte, fand aber selbst nach längerer Zeit nichts dergleichen. Zwei ältere Spaziergängerinnen kamen mir entgegen und ich hielt sie an und fragte sie nach meinem Ziel. Aber auch sie wussten nicht, dass es hier überhaupt einen Steinbruch geben könnte. Nun gut, ich wollte auf eigene Faust noch ein bisschen weitersuchen, da riefen mich die beiden älteren Damen zurück. Ich hoffte, es wäre ihnen der richtige Weg zum Steinbruch doch noch eingefallen, aber sie stellten mir dann aus heiterem Himmel eine unerwartete Frage, nämlich: "Sagen Sie mal, haben Sie den Herrn Jesus Christus im Herzen?" "Bitte?!" empörte ich mich, und erklärte dann recht sachlich, dass ich Lord Satan im Herzen hätte und dass mir da auch niemand anderes reinkommt. Die Damen hörten sich das an und dann sagte die eine: "Kehren Sie um! Heute ist Ihre letzte Chance!" "Die spinnt!" dachte ich und ließ die beiden stehen, um mich meinem Steinbruch zuzuwenden.

Aber in meinem Hirn saß die Sache fest: Wieso sollte heute meine letzte Chance sein? Noch nie hatte ein Christ so einen Senf erzählt. Kein Zeuge Jehova's, kein Mormone und auch sonst kein fanatischer Christ hatte je von einer "letzten Chance" gesprochen, zurück zu Gott zu finden! Alle, mit denen ich bereits darüber geredet hatte, laberten vom Jüngsten Gericht und dass ich noch Zeit hätte. Aber nie setzte mir jemand eine letzte Frist von nur einem Tag!

Als ich durch den Wald lief, überfiel mich eine seltsame Stimmung. Weil es noch früher Vormittag war, standen zwischen den Bäumen noch Nebelschwaden. Kaum ein Vogel pfiff und weit und breit fand sich keine Menschenseele - außer mir ... und mir wurde es ganz unheimlich. Schließlich war ich soweit, dass ich es bei dem Vorfall nicht belassen wollte und ich rannte die Strecke zurück bis zu der Stelle, wo ich die Damen getroffen hatte, in der Hoffnung, sie vielleicht noch zu finden, aber sie waren schon fort.

Ich lief zurück zum Auto und fuhr heim.

Am nächsten Tag kreuzte ich gegen Mittag mal an der Hochschule vorbei und weil ich gerade schon da war, ging ich auch gleich rauf ins Klassenzimmer, um vielleicht, falls sich nichts besseres ergab, an einer Vorlesung teilzunehmen. Johannes, ein Kommilitone, mit dem ich mich gut verstand, war auch da und ich fragte ihn, wie es denn gestern beim Steine malen so zugegangen war. "Wieso?" fragte Johannes. "Ja, ihr wart doch gestern im Steinbruch am Tiergarten und habt Steine gemalt, oder? Es stand doch ein Zettel an der Zimmertür..." sagte ich, aber Johannes meinte, das ganze Semester wäre gestern hier gewesen und hätten Körperstudien gezeichnet.

Wie kam der Zettel an die Tür? Wie kam es dazu, dass sich ausgerechnet in dem Moment, wo ich vor der Tür stand, kein Mensch drinnen unterhielt und kein Geräusch nach draußen kam? Warum hat der Dozent nichts erzählt? Das hätte ich doch dann hören müssen! Warum war niemand, wie sonst immer, auf dem Gang draußen gestanden, um eine zu rauchen? Warum hatte Anette ausgerechnet gestern gefehlt, so dass ihr Auto nicht vor der Schule stand? Das hätte ich doch gesehen! Warum, überhaupt, lass ich mich alleine von einem Zettel zum Tiergarten schicken, ohne wenigsten mal die Tür aufzumachen, um in den Raum zu schauen, ob nicht doch wer drin war?

Ich fragte mehrere Mitstudenten, aber alle bestätigten mir, dass sie gestern alle im Klassenzimmer gesessen hatten und Körperstudien gezeichnet hatten. Sie zeigten mir sogar ihre Zeichnungen - tatsächlich. Ich verstand nichts mehr.

Trotz aller Aufregung, blieb die Frage nach meiner Entscheidung, die natürlich für Lord Satan ausfiel.

Dabei blieb es dann an Ereignissen eine Zeit lang.

RAFA, 11/1983

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