Anmerkungen zum Satanismus 
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Der leicht ironische Stil des Buches gefällt mir. Als neutrales Sachbuch darf man es jedoch nicht verstehen, denn spätestens nach der 3. Seite merkt der Leser, dass es sich beim Autor dieses Buches um jemanden handelt, der den Satanismus verabscheut und gern das Schlechte daran sieht (kein Wunder, er ist schließlich Pfarrer). LaVey wird erwähnt als derjenige, der Aleister Crowleys "tue, was du willst" zu einem "noch platteren" "mach was dir gefällt" ummünzt. Madame Blavatsky schrieb damit, dass sie den Teufel als eine "schöpferische Kraft zum Guten als auch zum Bösen" bezeichnete, nur ab, was ihr Eliphas Levi vorgeplappert hat. Die Scientology-Kirche darf natürlich nicht fehlen und deren Kurse zu Exorzismen seien nur "Satans Nepp und Nippes, sozusagen".

Um auch gleich als das alleinseligmachende äh alleininformative Werk zum Thema da zu stehen, wird schon auf den ersten Seiten das Buch "Satanismus" von Josef Dvorak als Zeugnis dessen "narbenreicher Biografie" diffamiert. Das Werk diene lediglich der Eigentherapie des Autors.

Ein recht nettes Zitat dagegen ist allerdings:

Am handgreiflichsten aber haben sich in der Vernebelung über Satanismus neben den hauptamtlichen Gegnern aus christlichen Extremgruppen jene Individuen verdient gemacht, die im Stile von "Ich war eine Satanshexe" oder "Ich war der Oberste der Satanspriester" ihre angeblich eigenen Erlebnisse schauermärchenhaft aber gewinnbringend vermarktet haben.

Im folgenden unterscheidet der Autor 3 Arten von Satanismus, nämlich den "Macho-Satanismus" von Jugendlichen, die im Grunde keinerlei Ahnung von der Substanz haben, "kalifornischen Rocker-Satanismus" und den "Privat-Satanismus".

Der "Dabbler"-Satanismus fällt unter die erste Gruppierung: "Wilde" Satanisten versuchen das zu imitieren, was sie über die Medien von organisierten Satanssekten zu erfahren meinen.

Wenn der Ordens- und "Kirchen"-Satanismus seine besondere Gefahr hat, dann ist das nicht die seiner praktizierten Rituale und formulierten Lehren, sondern die seiner gerüchtehaften Ausstrahlung und der, oft erst durch die Darstellung in den Medien gegebene, Power-, Sex- und Crime-Bezogenheit.

Man will es den "großen und geheimen Brüdern" nachtun und lässt dabei seine Phantasie walten, oft geschärft an Skandalpresse-Berichten und, neuerdings immer häufiger, an Horror-Videos.


Mit einigen schlimmen Berichten aus den 1980er Jahren von Selbstmorden und Jugendlichenschicksalen wird der "Macho-Satanismus" veranschaulicht. Satanische Gruppierungen mit großspurigen Bezeichnungen wie "Satan's Children of the damned" entspringen oft nur der Wichtigtuerei. Rituale werden veranstaltet, die nicht der Gewinnung magischer Kraft, sondern dem Grusel- und Powersymbolismus dienen. Black Metal spielt dabei eine große Rolle.

Diese Form des Satanismus nimmt nach Ansicht des Autors den breitesten Raum im derzeitigen Satanismus ein.

Der "kalifornische Rocker-Satanismus" drückt sich in Verbänden wie den Hells Angels aus und ist die Vorform des "Macho-Satanismus".

Der "Privat-Satanismus" ist gegeben, wenn sich einzelne Personen ohne Bezug zu einer Sekte dem Satanismus zuwenden. Als Motivation hierzu wird bei den privaten Satanisten soziale Isolation, emotionale Dissatisfaktion und moralische Ambivalenz angegeben.

Die privaten Satanisten pflegen angeblich gerne Teufelspakte zu schließen und Schwurtexte zu verfassen. Ein entsprechender mittelalterlicher Teufelspakt, unterschrieben vom Rat der Dämonen, ist in voller Länge zitiert.

Unter dem Thema "Aufklärung über Satanismus" kursieren größtenteils reißerische Abhandlungen als sachliche Information oder brauchbare Hilfe für Betroffene.

Man kann bei einigen dieser Publikationen, vor allem, den Serien-Berichten in der überregionalen Tagespresse, regelrecht von Aufklärungs-Pornografie sprechen. Allzu deutlich ist das Motiv, neugierige und Gruselfakten-geile Leser anzuziehen.

und ferner:

Zudem gibt es inzwischen Fälle, in denen solche Aufklärungs-Pornos mit ihren z.T. erfundenen und überaus detaillierten Handlungsbeschreibungen als Handlungsvorlage für dann echte Fälle dienen.

Ein geschichtlicher Abriss über dem Illuminaten-Orden klärt, dass dieser nie etwas mit dem Satanismus zu tun hatte und Verschwörungstheorien in dieser Hinsicht Verleumdung und Erfindung sind. Weltverschwörungswahn-Literatur wie "Satans neues Testament" und andere düstere Texte breiteten sich nur aus, weil fundamentalistische Christen, rechtsradikale Hetzer und Schwindel-Journalisten die Illuminaten und Freimaurer zu verteufeln trachteten.

Es folgen eine Reihe Informationen über das Leben und Wirken des Aleister Crowley und des Theodor Reuß, sowie eine ausführliche Beschreibung des O.T.O. Den O.T.O. möchte der Autor "als satanisch bezeichnen", er ist aber nicht die satanische Hauptorganisation und es wird in ihm "kein blanker Satanismus gelehrt". Dass im O.T.O. nicht Satan sondern der Mensch im Mittelpunkt steht, wird hier als Neo-Satanismus verstanden. Plagiate hiervon seien die Fraternitas Saturni und der Temple of Set. Die Church of Satan wird nur kurz behandelt, der Temple of Set etwas mehr. Es folgt eine Auflistung von kleinen, amerikanischen Splittergruppen.

Das Thema "Satanismus in der Rockmusik" selbst wird nur kurz angeschnitten. Jedoch kritisiert der Autor stark die zahlreiche, christliche Metal-Warnungs-Literatur mit Bekehrmotiv, insbesondere "wir wollen nur deine Seele" von U.Bäumer. Dieses Buch strotze nur so von Sachunkenntnis, oberflächlichen Recherchen und unbewiesenen Behauptungen. So heißt es zu Bäumers Buch:

Derlei Blödsinn zeugt ausschließlich von der Sachunkenntnis und Okkultgläubigkeit des Autors.

und

Für einen betonten Christen, der ja wohl auch die Zehn Gebote kennt, ist derlei Falschinformation erstaunlich.

Ja, dem kann ich nur beipflichten: Man kann sich oft nur wundern über die Christenheit.

Obwohl es lt. Autor Haack anscheinend kein Buch gibt, das vernünftig über Satanismus informiert außer sein eigenes - was ein etwas selbstherrliches und unschönes Bild auf ihn wirft - beweist er doch eine vernünftige Haltung zum Thema:

Immer wieder kann man erstaunliche Schauernachrichten lesen, denen zufolge "die Satanisten" dieses und jenes getan hätten. Um es gleich vorweg zu sagen: Satanisten sind von Hause aus alles andere als Unschuldslämmer. Sie haben eine Ethik, die durchaus nicht jedermanns Sache ist und die durchaus auch in vielen Fällen Probleme für den Rest der Welt schafft.

Doch es bringt wenig, ja bestenfalls eine Erhöhung der Auflagen von Horror-Kolportagen und im schlimmsten Falle eine allgemeine Stimmung, die selber zum erheblichen sozialen Problem werden kann, wenn alle möglichen Verbrechen und Schandtaten irgendwelchen "Satanisten" zugeschrieben werden.


Mit Anschaungsbeispielen von Berichten über Kirchenbilder-Frevel und Kindermorde wird dies belegt:

Zwar tritt am 20.08. endlich Super-Zeugin (und Maulsatanistin) Ricarda S., die schon ein dümmliches und marktschreierisches, aber inhaltlich recht belangloses Buch über ihren angeblichen Satanismus veröffentlicht hatte, wieder auf...

Schön wird dargestellt, dass die angeblich massenhaften Baby- und Kindermorde durch Satanisten unlogische und unbewiesene Horrormeldungen, sogar zuweilen bewusste Falschmeldungen sind.

Im Kapitel "Menschenbild des Satanismus" stellt der Autor richtig fest, dass "der einzig wahre und höchste Gott des Satanismus der jeweilige, individuelle, sich nur an sich selbst orientierende Mensch" ist. Die Ethik ist "sich durchzusetzen und die nieder zu machen, die sich dem entgegen stellen". Nun: gut auf den Punkt gebracht! Was dies allerdings mit der zwischen diesen Zeilen zitierten Scientology-Church zu tun hat, entzieht sich meinem Verständnis.

Die gelegentlich im Rahmen von Verbrechen durch die Medien geisternden Psychopathen nennt der Autor "Maul-Satanisten". Zuweilen schreiben sie auch Bücher wie "Ich war die Königin der schwarzen Hexen", die zwar noch als rationalen Hintergrund kommerzielle Absichten aufweisen, inhaltlich jedoch eher ein Fall für den Psychiater sind.

Kurz wird am Ende noch die Gefahr beim Übertreiben von Dungeon&Dragons- sowie Fantasy-Rollen-Spielen erwähnt und anschließend eine Liste von Adressen abgedruckt, wo Hilfe zu finden sei - allen voran natürlich kirchliche Einrichtungen.

Auch wenn Haack natürlich eine gegnerische Haltung zum Satanismus einnimmt, kommt das Buch doch möglichst ohne direkte Wertung aus und ist gar nicht so schlecht. Hab schon (wesentlich) Mieseres zum Thema gelesen. 


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