Die Katakomben von Nürnberg 
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Am Albrecht-Dürer-Platz hinter dem Albrecht-Dürer-Denkmal befindet sich ein unscheinbarer Treppenabgang. Durch eine Eisentür geht es hier in die Keller des Burgbergs, durch die alle 2 Stunden Führungen statt finden.

Felsengänge Nürnberg
oder hier: historische Felsengänge

Auch anderswo in Franken gibt es Katakomben:
Felsengänge Bayreuth

 

Zuerst noch steigt man über moderne Betonschächte in die Tiefe, dann führt ein langer, niederer, aus dem Gestein gemeiselter Zugang in die Gewölbe.

Während ich noch aufrecht gehen kann, muss der "kleine Oli" ganz schön den Kopf einziehen



Ein Plan der nördlichen Altstadt zeigt, wie die Keller- und Rohrschächte verlaufen
Im Krieg wurde dieser Keller als Bunker ausgebaut. Ca. 40.000 Leute verkrochen sich in den Bombennächten in diesen Kellern und lebten sogar eine Weile darin, als Alt-Nürnberg schließlich zu 90% zerstört war.

Im Treppenabgang hängt zur Deko eine Bombe aus dem WKII und Tafeln mit Bildern und Berichten zum Krieg sind angebracht

 

Zeitzeugen erzählten noch, wie unter dem Beschuss der Stadt die Wände und Decken hier unten stark vibrierten, aber sie hielten (meistens).

Über solche Träger waren die Stromkabel gezogen
Aus Angst vor Giftgasangriffen verschloss man die direkten Luftschächte zu den Kellern und versorgte die Räumlichkeiten mittels einer Belüftungsanlage mit Frischluft. Diese reichte bei einer derartigen Anzahl Leuten nur knapp aus.

Nazi-Parolen stehen noch an der Wand
Damit man in der Stresssituation nicht auf unerwünschte Gedanken kam und schon gar nicht diese dann an andere Leute weitergeben wollte, waren an den Wänden Hinweise angebracht, was man denken und sagen durfte.

Die ältesten Keller sind die erste Etage gleich unter dem Erdboden. Sie wurden offiziell das erste Mal 1380 urkundlich erwähnt, sind vermutlich aber schon älter. Im Mittelalter lebten die einfachen Leute in Holzhütten. Nur die Besseren, die Kaufleute, konnten sich Steinhäuser leisten. Im Erdgeschoss dieser Kaufmannshäuser befand sich das Warenlager und die Ställe für Pferde und Nutztiere. Man begann nun, unter dem Haus erst einzelne Gruben und schließlich noch eine Etage tiefer die Keller zu graben. Auf der Sonnenseite des Hauses brachte man einen Luftschacht an und ebenfalls einen auf der Schattenseite. Durch Auf- und Abstieg warmer und kalter Luft entstand so eine gute Zirkulation.

Eine Eisgrube befindet sich ebenfalls in den Kellern. Eine Brauerei ließ dort über 3 Etagen eine Grube graben, die im Winter mit Eis aus den Weihern und Bächen der Umgebung gefüllt wurde. Mit großen Zangen holten die Männer Eisschollen aus dem Wasser, die dann mit Pferdekarren zur Brauerei transportiert und in die Grube gekippt wurden. Zwischen den Eisschichten legte man immer etwas Stroh, damit das Eis nicht vollends zusammen pappte. Das Schmelzwasser versickerte unten im Sandstein und man brauchte nicht einmal einen Abfluss.

In den Kellern hat es konstant 7-10 Grad (im überheißen Hitzesommer 2003 sollen es ausnahmsweise mal 13 Grad gewesen sein). Die Eismenge, die vom Sandstein auch noch gegen Wärme isoliert wurde, hielt sich so den ganzen Sommer durch. Man lagerte darin Bier, Wein und Lebensmittel.

Als die Keller nicht mehr ausreichten, untergrub man die Häuser der Nachbarn. Als man nicht weiter in die Breite gehen konnte, weil diese erschöpft war, grub man unter dem Keller eine weitere Etage. So kommt es, dass die Keller jünger sind, je tiefer sie angelegt sind. Es sind 3 Etagen an Kellern.

Der gesamte Burgberg besteht aus sog. Burgsandstein, eine sehr feste Sandsteinart. Zwischen den Sandsteinschichten befinden sich allerdings auch Lehmschichten, oft bis zu 1m tief. Da das Sandgestein für Wasser sehr gut durchlässig ist, die Lehmschicht jedoch wasserdicht ist, tritt das Wasser an den Übergangsstellen aus. Diese Wasserquelle wusste man im Mittelalter zu nutzen, so dass diverse Brunnenschächte und Sickergruben angelegt wurden. Bei Belagerungen war so die Wasserversorgung garantiert. Damit so wenig Leute (und Feinde) wie möglich von den Wasserschächten wussten und diese nicht gefährdet wurden, gaben die Rohrmeister das Geheimnis ihrer Lage nur immer an den nachfolgenden Rohrmeister weiter. So wollte man vermeiden, dass Feinde das Wasser vergifteten oder die Schächte zerstörten.

Als nun im Krieg die Lüftungsschächte größtenteils verschlossen wurden und andererseits auch durch Abriss und Neubau von Häusern manche Lüftungsschächte einfach verbaut wurden, gab es schwere Schäden an den Kellern: Der Sandstein wurde mit Sickerwasser überladen, da er mangels Luftzirkulation nicht mehr trocknen konnte, und ganze Brocken stürzten aufgrund ihres Eigengewichts aus den Decken und Säulen. Erst als ein Haus einsturzgefährdet geworden war, begann man, die Keller mit Bergbaumitteln, Stützen und Holzverkeilungen zu stabilisieren, mit Beton auszuspritzen und zu sanieren. Stahlträger und Stahlkorsetts wurden in die Wände getrieben. Da die heutigen Häuser viel schwerer sind als die Fachwerkbauten von früher, sind die Keller bis auf die unterste Etage und ihren festen Felsengrund mit Stahlbetonsäulen durchbaut, worauf ein Hotel mit einer Tiefgarage steht.

Die oberste Etage der Keller wurde noch recht lange gewerblich genutzt. Die Lebensmittel-Firma Harrer lagerte dort unten vor allem Gurken. In einer Ecke steht noch eines der Gurkenfässer. Als man es Leid war, die Gurken von oben runterzuschleppen, wurde ein Rohr nach unten verlegt, wo man oben die Gurken kurzerhand hinein warf und sie unten mit einem Leinentuch auffing, um sie weiter zu verarbeiten. Lt. der heutigen Führung (03.04.2004) soll die Firma Harrer bis in die 70er Jahre dort ihr Gurkenlager in Betrieb gehabt haben und Arbeiter dort tätig gewesen sein. Dieser Job war so unangenehm, dass er von Eltern als Kinderschreck benutzt wurde und die Erziehungsmethode lautete: "Wenn du nicht lernst, wirst du mal beim Harrer arbeiten müssen". Da ich nun auch ein Nürnberger Kind der 60er bin, hätte ich das doch wissen müssen, habe davon aber noch nie etwas gehört.

Außer den Kellergewölben, die hier zu besichtigen sind, gibt es noch im ganzen nördlichen Teil Alt-Nürnbergs derartige Keller. Einer der größten ist im nordöstlichen Teil der Tucher-Keller, der bis in die 90er noch als Bierlager gewerblich genutzt worden sein soll.

Die verschiedenen Keller sowie die Wasserschächte sind angeblich nicht miteinander verbunden. Zumindest konnten keine Verbindungen bis heute festgestellt werden. Auf einer Karte wurden uns die verschiedenen Keller- und Schächtesysteme vorgestellt, die sich allesamt nur über den Burgberg und den nördlichen Teil Alt-Nürnbergs erstreckten. Angeblich gibt es außerdem keine weiteren Keller.

Ich hatte schon Anfang der 90er Jahre einmal an einer Führung durch die Gewölbe Teil genommen. Was damals erklärt wurde, unterscheidet sich etwas vom heutigen Vortrag. Ich meine auch, dass ich damals einen anderen Teil der Keller besichtigt habe - allerdings durch denselben Zugang. Ich krame aus meiner Erinnerung, was man mir damals erzählt hat:

Lüftungsschacht

Die Gurkenfirma hatte in den Kellern bis kurz vor dem Krieg ihren Firmensitz. Sie lagerten dort tonnenweise Gurkenfässer und auch ein Büro war daneben in einem der Keller. Im Krieg wurde die Firma offensichtlich fluchtartig verlassen, die Eingänge verschüttet und die Keller vergessen. Sie dümpelten also 40 Jahre vergessen vor sich hin, bis man sie in den 80ern wieder entdeckte. Ich kann mich erinnern, dass ein großes Gesumse und Geheimnisgetue um die Keller gemacht wurde, als man sie da wieder fand. Von der Gurkenfirma waren noch die Gurken in den Fässern (40 Jahre alte, konservierte Gurken!) und Arbeiter mit Gasmasken entsorgten den ganzen Krempel auf die Sondermülldeponie. Von den Fässern lagen noch verstreut ein paar Planken im Keller rum, ansonsten waren es nur leere Gewölbe. Das anschließende Büro im Keller war mit Strom versorgt. Eine 25V-Leitung war von oben nach unten gezogen, blankes, unisoliertes Kupfer auf dem Gestein. In dem Büro brannte eine Funzel und eine Tippse hockte da 12 Stunden am Tag unten und erledigte den Bürokram. Die Blankokupferdrähte waren mittlerweile fast vollends verrottet und waren nur noch als Kupferschatten und kupferrote Verfärbungen im Sandstein erkenntlich.

Die Kellerschächte zogen sich scheinbar unendlich in die Tiefe und Weite (nach wenigen Metern war es stockdunkel, man sah null - aber man fühlte den Luftzug und den weiten Raum, der nur durch meterdicke, stützende Sandsteinsäulen unterbrochen war). Die Wege für die Besichtigungen waren natürlich hell ausgeleuchtet und mit Kordeln eingefasst. Man durfte die Wege nicht verlassen, weil die Gefahr groß war, dass man nicht mehr zurück fand (das erschien wirklich plausibel!). Außerdem sollten die Keller teilweise nicht begehbar sein und auch eingestürzte Schächte haben. Drum wurden wir zu Beginn und am Ende der Besichtigung auch abgezählt, damit keiner da unten verloren ging.

Es hieß damals, dass nur dieser kleine Teil (Gurkenfirma) von den Kellern ergründet worden sein soll, weil eben viele Teile ziemlich unbegehbar seien. Es liefen da schon einige Gerüchte, weil die Entdeckung zwar publik gemacht worden war, die nähere Untersuchung aber dann relativ schweigsam vor sich ging; man hörte da (außer das mit der Gurkenfirma) kaum mehr was davon. Natürlich gingen in den 80ern ein paar Gerüchte rum, dass man da bestimmt Leichen gefunden hätte oder mittelalterliches Zeug, vielleicht Folterkeller, Verliese, Gräber oder Bomben und Waffenlager aus dem WKII... aber das verlief alles irgendwie im Sand.

Ich meine jedoch, dass sich die Keller viel weiter erstrecken, als man uns das bei der Besichtigung erklärte.

Karsten im Burggraben

Um die Burg führt der Burggraben. Der soll heute um ein Vielfaches tiefer sein als ursprünglich und ist wirklich ganz schön breit (da sind Kleingärten unten drin, auch ein kleiner Sportplatz, also der Graben ist wirklich relativ breit und tief). Von unten ist mit großen, klotzigen Sandsteinquadern die Burgmauer hochgezogen und ganz unten im Burggraben sind in der Burgmauer Lüftungsschächte. Die Öffnungen sind so groß, dass locker ein Mann rein passt, aber sie sind natürlich zugeschüttet und auch scheinbar von Anfang an mit steinernen Streben versehen, so dass eben KEIN Mann reinkrabbeln kann. Überall in Alt-Nürnberg findet man an alten Gemäuern solche verschütteten "Zugänge" oder Lüftungsschächte zu unterirdischen Gängen und Katakomben.

Was mir auch noch aufgefallen ist, dass es einerseits heißt, dass die Keller angeblich nur den Burgberg unterhöhlen. Andere Quellen sagen, sie liefen bis runter zur Pegnitz, dort hörten sie durch den Fluss begrenzt auf. Wenn man aber weiter läuft bis rauf in die City zum Shoppen, führt noch ein Stück weiter eine Gasse in die City und an der ist ein ganz unscheinbares Verkehrsschild, das mir allerdings erst letztes Jahr richtig aufgefallen ist, nämlich dieses:


Jemand schrieb mir im Februar 2008:

Mir hat, Ende der 70iger ein damals schon recht alter Nachbar, der sich gut mit der Geschichte Nürnbergs auskannte, erzählt, dass es aus den Felsenkellern heraus Fluchtgänge gab, die außerhalb der Burgmauern geendet haben.

Einer dieser Fluchtgänge soll (angeblich noch heute) bis zum Volkspark Dutzendteich gehen und zwar dorthin, wo früher mal der Nürnberger Tiergarten war (von 1912-1939). Ein weiterer soll im Luitpoldhain enden. Dort gibt es übrigens auch ein paar „Bunkereingänge“ und komische Luftschächte, die also durchaus zum Felsenkellersystem gehören können.

Felsengänge im Lauf der Zeit

Im April 2010 besuchte ich die Felsengänge noch einmal und machte dabei folgende Bilder:

Die Wände sind nun nicht mehr aus Sandstein, sondern mit Spritzbeton überputzt.

Der Boden ist weitgehend saniert.

In den Gängen finden regelmäßig Bierproben statt, daher stehen dort nun Tische, Bänke und Kerzenleuchter.
Touristengerechte und stimmungsvolle Lampen wurden angebracht.
Ein Künstler betätigte sich an den Betonpfeilern, malte sie mit kupferner Farbe an, klebte Laub auf die Wandstabilisatoren und stellte Steinskulpturen in die Gänge.
Leuchttafeln mit historischen Daten und Erklärungen hängen an den Wänden.




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