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Seite erstellt/geändert am: 18.12.2003

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Zitat aus dem Buch "Satans Macht und Wirken" v. Pfarrer Sutter

Zwei Wegstunden südlich von Mühlhausen im Elsass liegt das Dorf Illfurt. Um das Jahr 1860 zählte der Ort ungefähr 1200 Einwohner, unter ihnen die arme, aber brave Familie Burner. Der Vater war Hausierer und handelte mit Zündhölzern und Zunder, die Mutter besorgte den kleinen Haushalt und erzog ihre fünf noch unmündigen Kinder. Der ältere Sohn, Theobald, wurde am 21. August 1855, und der zweite Sohn, Josef, am 29. April 1857 geboren. Vom achten Lebensjahr an besuchten sie die Volksschule. Beide waren stille, mittelmäßig begabte, etwas schwächliche Kinder. Im Herbst 1864 wurden sie von einer merkwürdigen Krankheit befallen. Ein zuerst herbeigerufener Arzt aus Altkirch konnte sich die Krankheit ebenso wenig erklären wie andere zu Rate gezogene Ärzte. Die von ihnen verschriebenen Arzneien hatten keinerlei Wirkung. Theobald wurde bald so mager, dass er nur mehr einem wandelnden Schatten glich.

Vom 25. September 1865 ab zeigten sich an beiden Knaben ganz abnorme Erscheinungen. Auf dem Rücken liegend drehten sie sich mit unheimlicher Schnelligkeit wie ein Kreisel. Dann begannen sie mit wuchtiger Kraft die Bettstellen und andere Möbel zu bearbeiten, ohne die geringste Müdigkeit zu verspüren, auch wenn es noch so lange dauerte. Sie nannten das "dreschen." Darauf wurden sie von Krämpfen und Zuckungen geschüttelt; dann bemächtigte sich ihrer eine solche Niedergeschlagenheit, dass sie stundenlang wie leblos dalagen.

Nicht selten wurden sie von einem wahren Wolfshunger befallen, den nichts zu stillen vermochte. Manchmal schwoll der Unterleib ganz unförmlich an und es schien den Kindern, als bewege sich etwas wie eine Kugel im Magen oder laufe auf und ab wie ein lebendes Wesen. Oft hielten sie die Beine gleich biegsamen Ruten fest zusammengewunden und kein Mensch vermochte sie zu trennen.

Theobald wurde von einem häßlichen Tier verfolgt; es hatte einen Entenschnabel und Hände mit Krallen, der Leib war mit schmutzigen Federn bedeckt. Sobald der Knabe diesen Unhold über seinem Bett schweben sah, schrie er erschreckt auf, denn das Gespenst drohte ihn zu erwürgen; in seiner Verzweiflung stürzte er sich darauf los und riss ihm Federn aus, wenigstens zwanzig bis dreißig Mal am hellichten Tage, oft in Gegenwart zahlreicher Personen aus allen Ständen. Diese Federn stanken abscheulich und hinterließen beim Verbrennen keine Asche.

Wenn die Kinder auf ihren Stühlen saßen, wurden sie mit diesen oft von unsichtbarer Hand in die Höhe gehoben; dann wurden die Knaben in eine Ecke geschleudert, während die Stühle in eine andere Ecke flogen. Andere Male wieder fühlten sie am ganzen Körper ein schmerzhaftes Prickeln und Stechen, und dann holten sie aus ihren Kleidern Unmengen von Federn und Seegras hervor, dass der ganze Boden damit bedeckt wurde. Mochte man auch noch so oft ihre Hemden und Kleider wechseln, immer wieder kamen Federn und das Seegras zum Vorschein. Diese Federn, die auf so unerklärliche Weise ihren Körper bedeckten, verbreiteten einen solchen Gestank, dass man sie schleunigst verbrennen musste.

Die schrecklichen Krämpfe und Misshandlungen aller Art setzten den Knaben derart zu, dass sie das Bett hüten mussten und ihr Leib unförmlich anschwoll. Brachte man zufällig einen geweihten Gegenstand - Kreuz, Medaille oder Rosenkranz in ihre Nähe, gerieten sie in heftige Wut. Sie beteten nicht mehr. Sprachen die Anwesenden die heiligen Namen Jesus, Maria, Josef aus, zitterten und bebten beide. Gespenster, die nur sie sahen, erfüllten sie mit Angst und Entsetzen. Aber auch die Eltern wurden von Furcht ergriffen, da sie diesen furchtbaren Dingen machtlos gegenüber standen. Die Nachbarn und die immer zahlreicheren Besucher aus nah und fern konnten sich nicht genug verwundern; denn die Sache wurde bald ruchbar und jedermann wollte die armen Kinder sehen. Was war wohl mit ihnen geschehen?

In Illfurt lebte eine alte, übel beleumundete Frau, die aus ihrem Heimatort wegen ihres schlechten Lebenswandels fortgejagt worden war. Von ihr sollen die Kinder einmal einen Apfel angenommen und gegessen haben. Das sei der Ursprung ihrer so auffallenden Krankheit gewesen. So wenigstens erzählten wiederholt die Geister, die in den Kindern hausten. Wie dem auch sei, bald stellte es sich auch heraus, welcher Art diese Geister waren, denn an den Früchten lässt sich der Baum leicht erkennen.

Oftmals lagen die Kinder stundenlang ruhig und teilnahmslos da. Plötzlich veränderte sich dann ihr Wesen. Sie wurden aufgeregt und gestikulierten und schrien in einem fort. Ihre Stimme war jedoch nicht die eines Kindes, sondern eine rauhe, heisere Männerstimme. Dabei hatten die Kinder den Mund meist geschlossen; es war offenbar, dass nicht sie selbst, sondern andere unsichtbare Wesen aus ihnen redeten. Stundenlang konnten sie ununterbrochen rufen: "Nudeln, Knödel, Wasserschlitten!" Es war nicht zum Aushalten, und die Eltern wussten sich nicht mehr zu hellen. Schließlich kam der Vater auf den glücklichen Gedanken, ihnen zu sagen: "Schreit, Kinder, schreit noch lauter zur Ehre Gottes!" Bei der ersten und zweiten Aufforderung wurde das Geschrei schon schwächer und bei der dritten verstummte es ganz. Als Herr Tresch den Knaben zurief: "Im Namen der heiligsten Dreifaltigkeit schreit noch lauter!" waren sie sofort ruhig.

Die leiseste Anspielung auf die heiligste Dreifaltigkeit jagte den Besessenen den größten Schrecken ein. Theobald begehrte einmal von der Schwester ein Glas Wasser. Sie reichte es ihm mit den Worten: "Trink, Theobald, aller guten Dinge sind drei!" Sofort wandte er sich ab und wollte um keinen Preis das Wasser trinken.

Ganz auffällig war die Angst der Kinder vor geweihten Gegenständen, ihr heftiger Widerwille gegen Kirche, Gebet und Gottesdienst, ihre häufigen entsetzlichen Flüche und unflätigen Reden, die den Kindern vorher völlig fremd gewesen waren. Auch redeten und antworteten sie in den verschiedensten Sprachen; sie sprachen geläufig Französisch, Latein und Englisch und verstanden auch die verschiedenen französischen und spanischen Dialekte. Kein Wunder, dass immer mehr Leute die bedauernswerten Knaben sehen wollten. Die geistliche und weltliche Obrigkeit sah sich genötigt, sich mit ihrem Schicksal zu befassen und die Sache aufs Gründlichste zu untersuchen.

Das Missgeschick der Familie Burner ging vor allem dem verehrten Ortspfarrer, Herrn Karl Brey, einem gottesfürchtigen und edlen Seelenhirten, sehr nahe. Er hatte bald herausgefunden, dass diese merkwürdigen Erscheinungen rein dämonischen Ursprungs waren und dass es sich hier um den allerdings sehr seltenen Fall von Besessenheit handelte. Auf eine andere Weise konnte man diese Vorfälle vernünftigerweise nicht erklären. Er sandte deshalb einen ausführlichen Bericht an die bischöfliche Behörde, die eine Kommission von drei Geistlichen zur amtlichen Untersuchung nach Illfurt sandte und später die kirchliche Beschwörung vornehmen ließ. Der Ortspfarrer wurde tatkräftig unterstützt von seinem braven und tief gläubigen Bürgermeister, Herrn Tresch, und den besten Familien des Ortes. Es gab zwar immer noch Zweifler, aber sie waren wenig zahlreich; mit ihnen waren die bösen Geister besonders zufrieden. Dagegen waren sie äußerst erbost gegen alle, die ihre Natur durchschauten, besonders gegen den Herrn Pfarrer und den Bürgermeister, sowie gegen den Bürgermeister von Schlettstadt, Herrn Ignaz Spies, und seinen Freund, Herrn Verwaltungsinspektor Martinot und den Professor Lachemann von St. Pilt aus der Kongregation der Marienbrüder. Diese drei waren eigens von weit hergekommen, um den Fall zu beobachten und genau zu prallen.

Die Teufel

In jedem der beiden Knaben hausten wenigstens zwei höllische Geister. Sie verschwiegen ihre Namen, solange sie nur konnten. P. Souquat forderte sie im Namen Jesu auf, sie zu nennen, und nun rückten sie mit der Sprache heraus. Theobald war von den Teufeln Orobas und Ypes besessen. Letzterer nannte sich einen höllischen Grafen, der über 71 Legionen herrsche. Einer der Teufel, die in Josef hausten, nannte sich Solalethiel, den Namen des anderen gelang es nicht in Erfahrung zu bringen. Dieser Solalethiel war verschmitzter und grausamer als die Teufel im älteren Bruder. Ypes war mit Taubheit geschlagen; solange er Theobald beherrschte, war dieser vollständig des Gehörs beraubt und zwar so, dass er auf eine dicht neben dem Ohr abgeschossene Pistole gar nicht reagierte. Erst im Augenblick seiner Befreiung erhielt der Knabe das Gehör wieder.

Eines Tages fragte Herr Martinot den Besessenen auf Latein: "Woher kommst du?" Dieser machte eine verächtliche Gebärde und sprach: "Du bist der Teufel!" - "Du auch," erwiderte Herr Martinot.

Noch zweimal nannte ihn der Besessene einen Teufel, ebenso den anwesenden Herrn Spies.

"Ich bin kein Teufel," protestierte Herr Martinot, "du selbst bist einer und vielleicht ein Anführer der Teufel."
Diese Äußerung schmeichelte seinem Stolz und er rief: "Jawohl, ich bin Führer über 71 Legionen."
"Nur von 70 Legionen bist du Anführer," erklärte der Angeredete.
"Nein, von 71 Legionen," wiederholte der Geist.
"Nun gut, von 71 Legionen; aber du armseliger Führer solltest dich schämen ob deiner Unwissenheit. Du kennst weder deinen noch meinen Namen."
"Doch, doch, ich kenne meinen und deinen Namen so gut wie du, aber ich sage ihn dir nicht. Wärst du ein Jude, wurde ich dir in allen Sprachen antworten."
Er sagte die Wahrheit, denn wenn er wollte, antwortete er in den verschiedenen Sprachen, besonders auf Englisch und Französisch. Am gleichen Tage unterhielt sich Theobald eine halbe Stunde lang in tadellosem Französisch, ebenso Josef, der noch kaum lesen könnte. Ja, als sie einmal allein waren und nur eine Nachbarin die Kinder beaufsichtigte, unterhielten sie sich den ganzen Tag in dieser Sprache.

Die bischöfliche Behörde beauftragte die zwei Niederbronner Schwestern Severa und Methula mit der Betreuung der Kinder. Als sie in Illfurt ankamen, waren der Bürgermeister und mehrere angesehene Bürger der Gemeinde am Bahnhof, um sie zu empfangen und zu den Kindern zu fuhren. Obschon diese die Schwestern nie gesehen hatten und sie ihnen gänzlich unbekannt waren, nannten die Knaben sie sofort beim Klosternamen und duzten sie. Der Schwester Severa, die aus Bayern stammte, nannten sie die Zahl ihrer Geschwister, sowie die Art ihrer Beschäftigung und enthüllten ihr mehrere Familiengeheimnisse. Die Schwestern kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Plötzlich sagte Josef zu Schwester Severa: "Du wurdest mir Freude machen, wenn du mir das blaue Fläschchen schenktest, das du in deinem Koffer hast."

Dieser Koffer stand noch am Bahnhof. Der Bürgermeister ließ ihn holen. Unterdessen fragte er die Schwester, was es mit diesem Fläschchen für eine Bewandtnis habe. Sie erklärte ihm, dass sie wirklich ein solches Fläschchen mit Äther für ihren persönlichen Gebrauch in ihrem Koffer habe. Alle Anwesenden staunten, ausgenommen der Lehrer Miklo, der weder an Gott noch an den Teufel glaubte.

Kurz darauf kamen zwei Niederbronner Schwestern von Altkirch auf Besuch. Sie unterhielten sich leise mit ihren Mitschwestern über die Besessenen und die merkwürdigen Vorkommnisse in der Familie Burner. Theobald, der ganz taub war und somit das Gespräch nicht hören konnte, lag auf dem Bett. Eine der Schwestern war jedoch von der Besessenheit nicht überzeugt; sie meinte, es handle sich lediglich um eine Nervenerkrankung. Als die beiden Altkirchner Schwestern sich gerade verabschieden wollten trat der Herr Pfarrer herein. Theobald erzählte diesem nun alles, was die Schwestern gesagt hatten, und fügte hinzu: "Das Prahlmadamle von Altkirch glaubt's nit."

Die Höllengeister hatten auch wieder ihre Vorgesetzten und Meister, vor denen sie zitterten. Ab und zu bekamen sie Besuch, der ihnen nicht sehr willkommen war. Einmal rief der eine der Knaben im Delirium: "Aha, jetzt kommt der Meister!" - "Welcher Meister?" fragte man ihn. - "Unser Anführer!" - "Ist er stärker als du?" - "Ja." - "Wie sieht er denn aus ?" "Er hat zwei Füße, einen langen Hals, einen Entenschnabel und Krallen an den Händen; sein Körper ist mit Federn bedeckt." Gleich darauf, schrie der Knabe: "Da ist er! Da ist er!"

Mit dem Meister kamen auch noch andere Teufel, seine Trabanten. "Wir sind ihrer viele" meldete dann der Besessene. Ab und zu erschien der Meister in Gestalt eines wilden Menschen, eines Hundes oder einer Schlange.*

Satan und die geweihten Gegenstände

Der dämonische Charakter der Besessenheit zeigte sich hauptsächlich, wenn man den Knaben mit Weihwasser, geweihten Rosenkränzen und Medaillen nahe kam. Dann fingen sie an heftig zu toben; der Schaum stand ihnen um den Mund und sie wehrten sich mit Leibeskräften gegen eine Berührung mit diesen Gegenständen. Mischte man, selbst ganz heimlich, einige Tropfen Weihwasser in die Speise, dann rührten sie diese nicht an. "Weg mit deinem Dreck, er ist vergiftet!" riefen sie alsdann. Wollte man ihnen die Nahrung mit Gewalt eingeben, dann schlugen sie wild um sich und bissen die Zähne mit aller Gewalt aufeinander. War aber kein Weihwasser in der Nahrung, dann verschlangen sie diese ganz gierig. Man musste die Knaben dazu anhalten, die Speisen mit drei Fingern der rechten Hand zum Mund zu fuhren, denn der Teufel hatte einmal erklärt: "Was das Hündlein - so nannte er den Knaben mit der linken Hand oder nur mit zwei Fingern der rechten Hand isst, ist für mich und nicht für ihn.

Eine Nachbarin, Frau Brobeck, hatte etwas Weihwasser in die Medizin getan, die für die Kinder bestimmt war. "Lieber nehmen wir alle Gütterlein aus der Apotheke als das geringste von der Familie Brobeck," erklärten sie. Ein andermal bot man ihnen Feigen an, die ein Priester gesegnet hatte. Da schrie der eine Besessene: "Weg mit deinen Rattenköpfen, der Pfaff hat Grimassen darüber gemacht!"

Herr Spies hielt einmal dem älteren Knaben eine kleine Reliquie des heiligen Gerhard Majella vor die Augen mit den Worten: "Schau, da ist einer, der manchen von eurer Sippschaft in die Flucht gejagt hat." Alsbald machte der Knabe eine Grimasse, blähte die Backen auf, biss gewaltsam die Zähne aufeinander und hielt die Lippen fest zusammengepresst. Da druckte ihm Herr Spies die Reliquie auf die Lippen. Der Besessene wehrte sich mit aller Kraft dagegen, drehte sich um und gebärdete sich wie ein Verzweifelter. Schließlich schrie er: "Pack dich los, Italiener!" Gerhard Majella war bekanntlich ein junger italienischer Redemptoristenbruder. Der Teufel fürchtete ganz besonders die geweihte Benediktusmedaille. Deshalb wollten fast alle Pfarrkinder von Illfurt solche Medaillen haben und trugen sie stets bei sich. Als Herr Tresch den beiden Knaben einmal aus einem Gebetbuch vorbetete, schrien sie: "Du brauchst nicht hierher zu kommen, um uns vom Narr am Hölzle' und von der großen Dame' zu sprechen." So nannten sie stets den gekreuzigten Heiland und seine Mutter.

Vor der allerseligsten Jungfrau hatten sie eine heillose Angst. Als Herr Tresch einmal dem besessenen Theobald eine Medaille U. L. Frau von der immerwährenden Hilfe ins Ohr steckte - der Kleine war taub - und dem Teufel befahl, aus dem Ohr auszufahren, rief er: "Ich kann nicht, denn dort ist Schwefel, Harz und Pech!"

Wenn ihm die Schwester etwas zu essen oder trinken brachte und sie hatte zuvor nur einen einzigen Tropfen Weihwasser hineingetan, nahm er nichts; gewöhnlich schleuderte er Teller oder Glas an die Wand, ohne dass sie zerbrochen. Einmal kam auch ein junger, 24-jähriger Mann aus Bilfurt ins Zimmer, um die Knaben zu sehen. Sie hatten gerade einen Anfall. Einer von ihnen fing an zu lachen und rief: "Aha, du hast das Geld gefunden, so viel im Wohnzimmer, so viel im Bett, so viel auf dem Speicher." Dabei nannte er verschiedene Summen. Auf Befragen des Bürgermeisters bestätigte der junge Mann, dass er vom Herrn Pfarrer den Auftrag erhalten habe" ihm die Summe, die seine kurz zuvor verstorbene Tante der Kirche vermacht hatte, zu überbringen. Um es vor den habgierigen Erben zu verbergen, hatte sie das Geld an verschiedenen Stellen versteckt, die nur ihm bekannt waren. Bevor er die Kinder verließ, riefen sie ihm noch nach: "Ja, ja, gut essen und trinken und ein schlechtes Leben führen, das bringt dich in den Himmel!"

Ganz erstaunt verließ der junge Mann das Haus. Ohne Zweifel wurde ihm diese Mahnung seitens der Besessenen sehr heilsam für sein ferneres Leben.

Bevor Herr Tresch weg ging, besprengte er das Bett der Kinder noch mit Weihwasser mit den Worten: "Der Name des Herrn sei gebenedeit!" "Nein, das soll nicht sein, das soll nicht sein!" knirschte der Teufel.

Ein Priester legte einmal einem der Knaben, als er schlief, eine geweihte Medaille auf das Ohr. Plötzlich fing das Ohr an zu zittern, bis die Medaille heruntergefallen war; dasselbe geschah, als er sie auf den Kopf legte. Gelang es dem Besessenen, einen geweihten Gegenstand zu verstecken, dann konnte er weidlich lachen und' sagte dann zu den Umstehenden: "Such deinen Dreck, er stinkt!"

Gegen Geistliche zeigte sich der Teufel stets hasserfüllt. Er hatte für sie immer nur Spott- und Schimpfnamen: "Schwarzkutte, Stinker, Pfaff!" Das waren noch die harmlosesten Namen. Herrn Superior Stumpf beehrte er mit ganz besonderem Hasse. "Jetzt gehe ich zum Stümpfle, dem Stinker, um ihn zu plagen." Nach einer Weile rief er frohlockend: "Ah! Ich habe ihm einen Streich gespielt, wenn er dabei nur draufgegangen wäre!"

Nachforschungen ergaben, dass der Herr Saperior tatsächlich zu derselben Zeit von einer unsichtbaren Macht in die Höhe gehoben wurde, sämtliche Bilder von der Wand herunterflogen und seine Möbel unter heillosem Lärm umgeworfen wurden. Erst als er das Zimmer mit Weihwasser besprengt und den höllischen Geistern befohlen hatte, ihn in Ruhe zu lassen, hörte der Spektakel auf. Der Teufel bekannte nachher selbst: "Der Stümpfle, der Elende, hat mir den Eingang versperrt, indem er sein Zimmer mit Unrat verschmiert hat."

Ihm waren Juden, Irrgläubige und besonders Freimaurer viel sympathischer. "Das sind brave Leute", sagte er zuweilen, "so sollten alle sein. Sie wollen die wahre Freiheit. Sie sparen unserm Meister viel Mühe und gewinnen ihm viele Leute. Aber die Dreckler (Katholiken) und die Schwarzkutten fügen ihm großen Schaden zu und entreißen ihm viele Seelen."

Vor dem Priester- und Ordenskleid hatte er großen Abscheu. Er duldete es nicht, dass man ihn damit berührte, dagegen ließ er es gerne geschehen, wenn ein Laie ihn mit seinem Überzieher oder sonst einem Kleidungsstück bedeckte. Ein starkes kupfernes Kreuz, das man Josef anlegte, verbog sich alsbald und nahm die Gestalt eines X an, bis man es wegnahm. Dies wiederholte sich jedesmal, wenn man ihm das Kreuz auflegte. Ein Skapulier, mit dem man ihn bekleidete, flog in hohem Bogen durch den Raum und fiel auf die Mütze des zufällig anwesenden Polizisten Werner, ohne dass der Knabe sieh nur im geringsten gerührt hatte.

Zu Herrn Tresch sagte er einmal: "Wenn ihr anderen in den Schweinestall" - so nannte er die Kirche - "geht, eure Hände erhebt und plärrt (betet), kommt ihr alle dort hinauf" und deutete zum Himmel empor. "Aber die es nicht so tun, kommen zu uns."

Eine Besucherin aus Bettendorf legte dem Knaben einmal einen geweihten Rosenkranz auf die Brust und hielt ihm die Hände fest. Da schrie er: "Wenn ich deine Geißenbollen erwischen reiße ich den Katzenschwanz in Stücke; aber das Bild der großen Dame, das daran hängt, darf ich nicht berühren." - "Was ist denn auf der Medaille?" fragte man darauf. - "Ein Knabe und ein Mädchen, die die große Dame beschützt." Als man nachschaute, war es tatsächlich eine Medaille U. L. Frau von La Salette mit einer Darstellung der Erscheinung.

Ein anwesender Mann betete fromm: "Von den Nachstellungen des Teufels erlöse uns, o Jesus." Da geriet der Besessene in furchtbare Wut und schrie: "Halt's Maul, du lügst, nein, nein!" Am schlimmsten gebärdete sich der Teufel gelegentlich einer Fronleichnamsprozession, als man die beiden Knaben in ein Haus gebracht hatte, vor dem ein Sakramentsaltar aufgeschlagen war. Der böse Geist schrie, lärmte und tobte, dass es kaum zum Aushalten war. Erst als die Prozession vorüber war, beruhigte er sich.

Die Frau des Polizisten Werner wollte den Kindern eine Freude machen und kaufte ihnen einen großen, Bilderbogen zum Ausschneiden, der eine ganze Fronleichnamsprozession darstellte. Da fehlte nichts, vom Kirchenschweizer bis zum Herrn Pfarrer mit der Monstranz; da waren Knaben und Mädchen, Jungmänner und Jungfrauen, ältere Leute und Fahnenträger, sogar ein Altar war dabei wie man ihn an Fronleichnam in jeder Ortschaft errichtet. Frau Werner schnitt nun die einzelnen Figuren aus, klebte sie auf dünnen Karton und befestigte sie auf einem Hölzchen zum Aufstellen. Für alle Figuren, verwendete sie gewöhnlichen Kleister, für den Schweizer, die schönste Figur, tat sie einige Tropfen Weihwasser in den Kleister, um die Besessenen auf die Probe in stellen.

Dann brachte sie die Figuren aufs Rathaus, wo die Kinder zeitweise untergebracht waren und von den zwei Niederbronner Schwestern gepflegt wurden. Herr Pfarrer Brey war gerade anwesend. Die Kinder waren entzückt über die schönen Figuren; so etwas hatten sie noch nie gesehen. Da sie gerade ruhig waren, stellte Herr Brey die Figuren auf den Tisch in Reih und Glied, zuerst den Altar, dann allen voran den Kirchenschweizer, die Jugend, die Geistlichkeit, zuletzt die Männer und Frauen. Theobald und Josef betrachteten aufmerksam und voll Interesse die Aufstellung. Nach einer Weile warf der Pfarrer die Figuren durcheinander und bat die Kinder, die Figuren, die nun ihnen gehörten, selbst ordnungsgemäß aufzustellen. Theobald machte sich voll Eifer an die Arbeit. Er begann mit den hintersten Figuren und stellte alles kunstgerecht auf.

Den Schweizer bekam er zuletzt in die Hände. Sobald er ihn berührt hatte, schleuderte er ihn mit wutverzerrtem Gesicht gegen die Tür. Josef, ganz erstaunt ob des merkwürdigen Gebarens seines Bruders, erhob sich sofort und holte die Figur zurück. Kaum hat er sie jedoch angefasst, geriet auch er in Zorn, zertrat sie und rief: "So jetzt hast's, Kirchaschnitzer!"

Die Anwesenden wussten nicht, was das zu bedeuten hatte, bis Frau Werner ihnen den ganzen Sachverhalt mitgeteilt hatte.

Die wohlhabenderen Familien von Illfurt sorgten abwechselnd den armen Kindern ein kräftiges Mittagessen. Eines Tages war die Reihe an Frau Niko, der Wirtin vom "Weißen Rössl." Sie sandte ihre Nichte, Fräulein Lina Meyer, mit einer ausgezeichneten Linsensuppe zu den Kindern; das war deren Lieblingsspeise. Sie freuten sich schon beim Anblick der duftenden Suppe und schickten sich an, sich ihren Teller damit zu fällen. Plötzlich stießen sie jedoch die Schüssel zurück und schrien: "Fort, schnell fort mit deinem Dreck!" ohne die Suppe auch nur zu versuchen.

Herr Werner ging zu Frau Niko, um sich nach der Ursache zu erkundigen. Sie gestand ihm offen, dass sie bisher nicht an die Besessenheit geglaubt und deshalb einen Esslöffel voll Weihwasser in die Suppe getan habe, um die Kinder zu prüfen. Nun sei sie überzeugt, dass es kein Schwindel sei.

Ähnliche Szenen ereigneten sich, wenn man die Knaben mit einem Kreuz, Rosenkranz oder einem anderen geweihten Gegenstand berührte. Jedesmal zeigten die Besessenen dasselbe Entsetzen, dasselbe Grauen, dasselbe Schimpfen, dieselbe Raserei. Sie bewiesen damit die ganz erstaunliche Kraft und Wirksamkeit der Sakramentalien, die für den Christen eine hervorragende Waffe gegen die Angriffe und Versuchungen des bösen Feindes sind.

Theobalds Befreiung

Anfangs September 1869 wurde der älteste Knabe in das Waisenhaus St. Karl in Schiltigheim überführt. Seine unglückliche Mutter begleitete ihn. In der Anstalt fand auf Befehl des hochwürdigsten Herrn Bischof durch Generalvikar Rapp, Superior Stumpf und Pater Eicher, Rektor der Straßburger Jesuiten, eine neue und gründliche Untersuchung statt. Außerdem wurde der Knabe vom Hausgeistlichen der Anstalt, Herrn Hauser, und dem Kaplan Schrantzer aufs Genaueste beobachtet.

Schon das Äußere des Knaben war auffallend. Er war sehr hager und bleich, wie ein Kind, das zu schnell gewachsen ist. In seinen großen schwarzen Augen lag etwas Unstetes und Unsicheres, seine Züge schienen ermüdet wie nach einer langen Krankheit. Er war völlig taub. Meistens war er ruhig und vertrieb sich die Zeit mit Spielen und Spazierengehen auf dem Hofe. Er unterhielt sich mit den Besuchern in tadellosem Französisch, antwortete auch in lateinischer Sprache, fing aber niemals in dieser Sprache zu reden an. Nur von der Kapelle wollte er nichts wissen. Mochte man ihm auch die Augen verbinden und ihn kreuz und quer durch die Gänge führen, sobald er in die Nähe der Kapelle kam, sträubte er sich mit aller Gewalt und war nicht mehr weiter zu bringen. Dabei heulte er wie ein Hund. Brachte man ihn mit Gewalt hinein, dann ließ er sich hinfallen wie ein Klotz; sein Gesicht war grässlich entstellt. Besprengte man ihn mit Weihwasser, krümmte er sich wie ein getretener Wurm. Er wurde erst wieder ruhig, wenn man ihn zur Kapelle hinaus gebracht hatte.

Am Samstag, den 3. Oktober, stand ein Fuhrwerk im Hofe der Waisenanstalt. Der Herr Superior, die Generaloberin und der Pater Exorzist sollten in Straßburg abgeholt werden. Es war schon alles zur Abfahrt bereit, da übergab Kaplan Schrantzer dem Kutscher eine geweihte Benediktermedaille. Theobald war in einer anderen Ecke des Hofes und konnte die Übergabe der Medaille auf keinen Fall bemerken, da ein Gebäude die Sicht versperrte. Um zwei Uhr kamen die Herren an und unternahmen alsbald den Exorzismus. Der Knabe wurde mit Gewalt in die Kapelle gebracht und von Herrn Schrantzer, Hauser und dem Gärtner Andre festgehalten. Er stand auf einem Teppich vor der Kommunionbank, das Gesicht gegen das Tabernakel gewendet. Es war krebsrot wie das eines Fieberkranken. Aus dem Munde floss dicker Schaum bis zur Erde. Der Besessene drehte und wand sich, als säße er auf einem glühenden Rost. Immer wieder drehte er sich um gegen die Tür. Jedesmal, wenn man seine Brust mit dem Kruzifix berührte, wölbte sich diese und blähte sich auf wie ein Ballon.

Nun begannen die Zeremonien der Beschwörung. Pater Souquat, der vom Bischof mit der schwierigen Aufgabe betraut war, zögerte anfangs; er glaubte nicht recht an die Besessenheit, da er bisher mit dem Knaben kaum in Berührung gekommen war. "Pack dich los!" schrie der Teufel, "scher dich fort, du Dreckler!" in Gegenwart von fünf Geistlichen (Erzpriester Spitz, Herr Stumpf, Regens des Priesterseminars, Professor Rosse, der Anstaltsgeistliche Hauser und Kaplan Schrantzer), sechs Schwestern und der Mutter des Knaben fing P. Souquat mit der Allerheiligen-Litanei an. Bei den Worten: "Heilige Maria, bitt für uns!" schrie der Teufel furchterich: "Hinaus aus dem Saustall, Stinker! Ich Will nicht!"

So rief er immer wieder, wenn der Name eines großen Heiligen genannt wurde, besonders als man betete: "Alle heiligen Engel und Erzengel, bittet für uns!" Als der Pater zur Anrufung kam: "Vor den Nachstellungen des Teufels, erlöse uns, o Herr!" bebte der Besessene und zitterte am ganzen Leibe, schrie entsetzlich und drehte und wand sich so heftig, dass man ihn kaum halten konnte.

Nach dem Beten der Litanei stand der Pater vor ihm und verrichtete die im Rituale vorgeschriebenen Gebete, während der Besessene immerfort schrie: "Stinker, hinaus aus dem Schweinestall!" Beim Gloria Patri rief er: "Ich will nicht!" d.h. dem Vater, Sohn und Heiligen Geist die Ehre geben. Vor der Lesung des Johannes Evangeliums zeichnete der Pater das kleine Kreuz auf Stirne, Mund und Brust des Besessenen, der wie ein Hund heulte und nach der Hand des Paters schnappte, um ihn zu beißen. Da sagte P. Souquat auf Deutsch: "Du Geist der Finsternis, zertretene Schlange, als Priester des Herrn befehle ich dir im Namen Gottes: Sage mir, wer du bist!" Der Teufel rief: "Das geht dich einen Dreck an, du Stinker, ich sage es, wem ich will!" Darauf erwiderte der Pater: "Das ist eben deine stolze Haltung und Rede, die du vor dem allmächtigen Gott hieltst, als er dich aus dem Himmel schleuderte. Aber ich befehle dir: Weiche von hier, Satan, aus dieser Kirche, du gehörst nicht in das Haus Gottes, du gehörst in dir Finsternis der Höllel" Da sagte der Teufel: "Ich will nicht, die Zeit ist noch nicht da!"

Nach dreistündigem Gebet und von der Anstrengung ganz von Schweiß durchnässt, hielt der Pater inne und entfernte sich, um ein andermal die Arbeit fortzusetzen. Theobald wurde aus der Kapelle gebracht und beruhigte sich alsbald.

In derselben Nacht sagte er zu Kaplan Schrantzer: "He, du hast gut getan, ihm ein Blechle" (Medaille) "zu geben" - "Wem denn?" - "Ei, dem Kutscher!" - "Wie weißt du das? Was hättest du sonst getan?" -"Ich hätte den Wagen mit den Insassen umgeworfen, ich galoppierte neben den Pferden mit." - "Gelt, wir haben dich gestern tüchtig gequält! Kennst du den, der dich gesegnet hat?" - "O ja, er hat schon ein. mal einen unserer Herren vertrieben" - Tatsächlich hatte P. Souquat früher schon einmal in Deutschland den Teufel aus einem Hause verjagt. Diese Tatsache konnte der Kleine jedoch nur auf übernatürliche Weise wissen.

Dieses Zwiegespräch bewirkte, dass P. Souquat nunmehr von der Besessenheit Theobalds vollständig überzeugt wurde. Am folgenden Tag, nachmittags um 2 Uhr, kamen die Herren abermals aus der Stadt und der Pater begann aufs Neue den Exorzismus. Diesmal wurde Theobald in eine Zwangsjacke gesteckt und auf einen roten Sessel gebunden. Der Teufel aber tobte ärger denn je. Er hob den Sessel mitsamt dem Knaben in die Höhe und schleuderte die wachhaltenden Herren bald links, bald rechts. Dabei brüllte und schäumte er schrecklich.

Als nach ungefähr zwei Stunden Litanei und liturgische Gebete zu Ende waren, erhob sich der Pater und redete den Besessenen an: "Jetzt, unreiner Geist, ist deine Zeit da! Ich befehle dir im Namen der katholischen Kirche, im Namen Gottes und in meinem Namen als Priester des Herrn, dass du mir sagst, wie viel ihr seid," Wieder kam dieselbe Antwort wie am vorhergehenden Tage: "Das geht dich einen Dreck an, Stinker!" - Der Pater erwiderte: "Das ist eben deine stolze Rede, die du fuhrst und die in der Hölle geführt wird! Du gehörst also in den Abgrund der Finsternis und nicht ins Licht. Fahre hin in die Hölle, unreiner Satan!" - "Ich will nicht hinein, ich will an einen anderen Ort"' - "Nun, Satan, beschwör ich dich, dass du mir sagst, wieviele ihr seid!" - "Wir sind nur zwei!" - "Wie heißest du?" - "Orobas." - "Und der andere?" - "Ypes!" - "Also, ihr unreinen Geister, ich befehle euch, weichet aus dem Hause Gottes. Darin habt ihr nichts zu schaffen! Geister des Verderbens, weichet von hier, ich befehle es euch im Namen des Allerheiligsten Sakramentes!" - "Ich will nicht, Stinker, du hast keine Gewalt, meine Zeit ist noch nicht da!"

Der Geistliche zitterte und schwitzte; er war tief ergriffen. Die Zuschauer aber waren nicht weniger beeindruckt und entsetzt. Trotzdem begann der Priester aufs Neue den Kampf mit dem Teufel aufzunehmen. Er nahm ein Kruzifix, hielt es ihm vor das Gesicht und sprach: "Du elender Satan, du getraust dich nicht einmal, dieses Bild anzuschauen, du wendest das Gesicht ab, um es nicht zu sehen, und trotzest dem Priester. Ich befehle dir, weiche von hier und fahre in die Hölle, welche für dich bestimmt ist!"

Der Teufel schrie: "Ich will aber nicht, es ist nicht gut dort!" - "Hättest du Gott gehorcht. Aber dein Stolz hat dich ins Unglück gestürzt. Du bist ein Geist der Finsternis. Weiche also vom Lichte und fahre in die Finsternis, die für dich bereitet ist!" - Wiederum schrie der Satan: "Meine Zeit ist noch nicht da, ich gehe nicht!"

Darauf nahm der Pater eine vom heiligen Vater geweihte Kerze und sprach: "Du stolzer Satan, ich stelle dir diese Kerze auf den Kopf, um dir den Weg in die Hölle zu zeigen. Dieses Licht ist das Licht der katholischen Kirche und du bist ein Geist der Finsternis. Also fahre in die Hölle und bleibe bei deinen Genossen, zu denen du gehörst!" - Der Teufel antwortete: "Ich bleibe hier. Wo ich jetzt bin, ist es gut, aber in der Hölle ist es nicht gut!"

Schließlich nahm der Pater eine Muttergottes Statue zur Hand und sprach: "Siehst du da die heilige Jungfrau Maria? Diese muss dir den Kopf nochmals zertreten. Sie muss dich nochmals zeichnen und dir den Namen Jesus und Maria auf die Brust schreiben, auf dass es dich ewig brenne. Also du willst nicht weichen! Ich habe es dir befohlen im Namen Jesu, im Namen der katholischen Kirche, im Namen des heiligen Vaters, des Papstes, im Namen des allerheiligsten Sakramentes. Du hörst nicht auf die Stimme des Priesters. Nun aber, Satan, befiehlt es dir die heilige Gottesmutter. Sie zwingt dich, von hier auszufahren. Also, unreiner Geist, weiche vor dem Angesichte der unbefleckten Empfängnis. Sie befiehlt dir zu weichen!" Unterdessen beteten alle das Gedenke. Da schrie der Teufel heftiger denn je mit tiefer Bassstimme: "Jetzt muss ich weichen!" Noch einmal drehte und wand er sich wie eine zertretene Schlange. Da hörte man im Körper Theobalds ein leises Krachen; der Knabe streckte sich und fiel wie tot hin. Der Teufel war ausgefahren. Es war ein fürchterlicher Anblick für die Zuschauer. Vor einem Augenblick noch die größte Wut, das zornerfüllte Gesicht, die trotzigen Antworten, und nun lag der Junge wohl eine Stunde da wie im Schlaf. Er war befreit. Er reagierte nicht mehr auf Weihwasser und Kruzifix und ließ sich ruhig in sein Zimmer tragen. Dort erwachte er nach einer Weile, rieb sich die Augen und sah verwundert auf die vielen ihm unbekannten Personen, die ihn umgaben. "Kennst du mich?" fragte ihn Herr Schrantzer. - "Nein, ich kenne Sie nicht!" erwiderte Theobald.

Ein Freudenschrei entrang sich der Brust der überglücklichen Mutter. Ihr Theobald hörte wieder und war befreit vom höllischen Geist. Nun dankten alle Gott, der seiner, heiligen Kirche solche Macht aber die Hölle gegeben.

Hocherfreut kehrte die Mutter mit dem Sohn nach Illfurt zurück in der festen Hoffnung, bald auch Josef erlöst zu sehen. Ihre Erwartung sollte am 27. desselben Monats noch in Erfüllung gehen.

Auch Josef wird befreit

Nach Hause zurückgekehrt war Theobald munter und guter Dinge. Er hatte aber von allem, was bisher geschehen war, nicht die geringste Ahnung. Er kannte nicht einmal Herrn Pfarrer Brey mehr und erinnerte sich nicht, jemals das neue Rathaus gesehen zu haben. Für seinen Bruder Josef hatte er von Straßburg einige Medaillen mitgebracht, die er ihm anbot. Dieser aber warf sie zu Boden und rief: "Behalte das für dich, ich will nichts davon!" Da fragte Theobald verwundert seine Mutter: "Mutter, ist Josef närrisch geworden?" Man hütete sich wohlweislich, die wahre Ursache von Josefs Verhalten anzugeben.

Am Mittwoch abend rief der Besessene plötzlich: "Meine zwei Kameraden (die Teufel von Theobald) sind Angstmeier; jetzt bin ich der Meister und der Stärkste; ich gehe vor sechs Jahren von da nicht weg, ich habe keine Angst vor den Pfaffen!" Herr Tresch fragte ihn: "Bist du denn so mächtig?" - "Jawohl," erwiderte er, "hier, wo ich mich eingerichtet habe, gefällt es mir. Ich ziehe in ein Nest und verlasse es, wann es mir beliebt!"

Mittlerweile hatte Herr Pfarrer Brey den Bischof um Vollmacht gebeten, den Exorzismus vorzunehmen; denn der Zustand des bedauernswerten Knaben verschlimmerte sich jeden Tag, während Theobald täglich Schule und Kirche besuchte und seither auch schon zur Beichte gegangen war. Er war wieder der frühere Bub. Von den letzten vier Jahren wusste er allerdings gar nichts mehr; es war, als hätte er die ganze Zeit geschlafen. Endlich kam die bischöfliche Vollmacht in Illfurt an, und der Pfarrherr beschloss, die Zeremonie der Beschwörung am 27. Oktober vorzunehmen.

In aller Frühe dieses Tages brachte man den Knaben in die Friedhofkapelle Burnkirch, die eine kleine Viertelstunde vom Dorf entfernt liegt. Um einen Volksauflauf zu vermeiden, hatte man die Sache verheimlicht. Nur wenige Zeugen waren geladen worden: Professor Lachemann, die Herren Spies und Martinot aus Schlettstadt, Bürgermeister Tresch und die Eltern Josefs. Auch der Lehrer war erschienen und der Stationsvorsteher von Illfurt, sowie Schwester Hilaria, die Vorsteherin der Mädchenschule.

Als um 6 Uhr die heilige Messe begann, fing der Besessene an, mit den Füßen zu lärmen und sich nach allen Seiten zu drehen, so dass man ihm Hände und Füße fesseln musste. Doch beim Staffelgebet strampelte er sich die Füße frei und schleuderte den Riemen mit einem Tritt bis zu den Füßen des zelebrierenden Priesters. Herr Martinot band ihn auf seinen Schoß. Darauf bellte er wie ein junger Hund, grunzte, wie ein Schwein und stieß mit heiserer Stimme unverständliche Laute aus. Nur vom Sanktus bis zum Ende der heiligen Messe war er still, was alle Anwesenden sehr wunderte.

Als der Priester die heiligen Gewänder abgelegt hatte, kniete er, nur mit Chorhemd und violetter Stola bekleidet, am Fuße des Altares nieder und begann die für den Exorzismus vorgeschriebenen Gebete: zuerst die Allerheiligen-Litanei und einige Beschwörungsformeln. Darauf trat er zum Besessenen und befahl ihm zu sagen, wie viele Teufel da seien. "Das brauchst du nicht zu wissen!" antwortete der Teufel. Auf erneuten Befehl antwortete der Kleine trocken: "Ypes!" Das war der Name des bösen Geistes, der in seinem Bruder gehaust hatte.

Während der Lesung des Johanneaevangeliums fing der Besessene an, den Pfarrer mit Schimpfworten zu überhäufen und rief : "Ich gehe nicht fort!" Drei Stunden nacheinander bemühte sich der Exorzist um den Knaben. Bald legte er ihm Reliquien auf den Kopf, bald hielt er ihm die geweihte Osterkerze zwischen die Arme; dann besprengte er ihn wieder mit Weihwasser und wandte die kräftigsten Beschwörungsformeln an. Immer wieder schrie der Teufel: "Ich gehe nicht fort! Ich will nicht!"

Die Anwesenden fingen an sich zu entmutigen. Doch der bereits todmüde Seelsorger ermunterte sie immer wieder, auszuhalten und den Rosenkranz zu beten. Herr Tresch, der den Knaben lange Zeit hindurch gehalten hatte, übergab ihn Herrn Lachemann, worauf der Besessene rief: "Bist du auch da, du Plattnase?"

Jetzt kam der Pfarrer vom Altar zurück, an dessen Stufen er eine Weile innig gebetet und eine Novene versprochen hatte. Zum Knaben gewendet sprach er: "Ich beschwöre dich im Namen der unbefleckten Jungfrau Maria, dieses Kind zu verlassen." - Wütend antwortete der Teufel: "Warum muss jetzt dieser auch mit der großen Dame kommen! Jetzt muss ich fort." - Auf diese Worte hin erfasste eine unbeschreibliche Erregung alle Anwesenden, die nun überzeugt waren, dass die Stunde der Befreiung gekommen sei.

Nochmals wiederholt der Pfarrer dieselbe Beschwörung. "Ich muss fort," schrie der Teufel wiederum, "ich will in eine Schweineherde fahren!" - "In die Hölle!" rief der Pfarrer. Ein drittes Mal ertönte die Beschwörungsformel und wiederum bat der böse Geist: "Ich will in eine Gänseherde fahren!" - "In die Hölle!" lautete die Antwort. - "Ich kenne den Weg dorthin nicht, ich will in eine Schafherde fahrenl" Und ein letztes Mal erscholl der kategorische Befehl: "In die Hölle!"

Nach dem Ruf: "Jetzt bin ich gezwungen fortzuziehen!" streckte sich der Knabe, wand sich hin und her, blähte die Backen auf und machte eine letzte krampfhafte Bewegung. Darauf wurde er still und unbeweglich. Als man ihm die Fesseln abnahm, sanken die Arme herab, und der Kopf fiel nach hinten. Nach einer Weile hob er die Arme und streckte sich wie einer, der vom Schlaf erwacht. Darauf öffnete er die während der ganzen Zeremonie geschlossenen Augen und war ganz verwundert, sich in einer Kirche zu sehen, in einer für ihn völlig fremden Umgebung. Schon zu Beginn der Zeremonie hatte der Teufel erklärt: "Wenn man mich zwingt fortzuziehen, werde ich zum Zeichen meines Wegganges einige Gegenstände zerreißen." Er hielt Wort. Nach der Befreiung fand man den Rosenkranz, den man Josef umgehängt hatte, in Stücke zerrissen, ebenso die Schnur des Kreuzleins an seinem Hals. Da der Knabe gefesselt war, konnte er unmöglich diese Gegenstände selbst zerreißen.

Alle Anwesenden waren erschüttert. Dankbaren Herzens beteten sie das Te Deum, die Muttergottes-Litanei, das Salve Regina und andere Gebete, die vielfach vom Schluchzen unterbrochen wurden. Pfarrer Brey musste selbst mehrmals innehalten. Tränen des Dankes und der Rührung erstickten seine Stimme. Wie freudig war die Rückkehr ins Elternhaus! Wie bewunderten alle, nah und fern, die Macht der Himmelskönigin, die auch hier wieder einmal den höllischen Drachen überwunden hatte!

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute ... besonders Orobas, Ypes und Solalethiel.



Erstveröffentlichung: 18.12.2003

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