über mich

Alltägliches

Blog

aktueller Blog

o2 can do

Bauernfängerei

Neue Akropolis

Piercing

Polizisten-Paranoia

Kohlsuppe

Spinnereien

Cyber-Krieger

Heimwerker

Rechthaberei

Dinkelkissen

Seite geändert am: 18.02.2010

Rafa's Homepage

Bis zum September 2008 war ich im Nutzerwechsel-Team. Dann aber gab's eine Umstrukturierung und ich kam (leider, leider) ins Billingteam. Also nichts gegen das Team, aber mit dem Thema "Rechnungsbeschwerden" würde ich überhaupt nicht klar kommen, das wusste ich von Anfang an. Ich bin viel zu sensibel für Beschwerden, ich kann mich da nicht abgrenzen, zu sehr steh ich auf der Seite des Menschen.

Weiterer Hintergrund ist der, dass ich mich auf keinen Fall so jemanden anrufen traue (hätte ich aber dann müssen). Ich war noch nie derjenige, der "gern telefonierte" und für mich sind bereits sog. "Kuschelcalls" eine Mutprobe. Auch privat vermeide ich Telefonate, wo ich nur kann und erledige meinen Kram lieber persönlich.

 
Selbst wenn der Kunde eine Gutschrift erhielt, aber diese überteuerten Rechnungen (nicht selten im 4-stelligen Bereich!) waren mir einfach echt zu heiß, ich regte mich selber dabei viel zu arg auf, weil ich mich mit dem Kunden identifizierte - ich regte mich sogar schon auf, wenn ich den Kollegen nur dabei zuhörte, mit was für einem Gesülze die oft die Kunden abschmetterten. Oft ging ich raus, mir einen Kaffee holen, weil ich's einfach nicht mehr mit anhören konnte. Mir war das so peinlich, weil ich gehörte ja irgendwie mit zu diesem Haufen. Kein Wort könnte ich am Telefon rausbringen, das wusste ich. Ich schämte mich vor dem Kunden viel zu sehr für die überhöhten Rechnungen und all die Umstände.

Zuerst hatte ich ja von dem ganzen Thema noch keinerlei Ahnung, so dass man mich an die Billingbeschwerden auch gar nicht ran ließ, aber dann kam im Oktober 2008 ein neuer, engagierter Teamleiter, der der Meinung war, alle sollen alles können - und auch machen.

Zuerst bat ich ihn ganz anständig, dass ich doch bitte was anderes machen dürfte als dieses Billing-Zeug und erklärte ihm meine Probleme damit, auch das mit meiner Telefonangst, aber seine Antwort war nur: "Na, da werden wir ja mal sehen, was wir noch aus dir rauskitzeln können!" Da blieb mir nichts anderes übrig und ich besorgte mir ein Attest über meine soziale Phobie, aber auch das half nichts. Es wurde eine lange, qualvolle Geschichte, die damit endete, dass ich nun die Firma verließ.

Ich habe die ganze Zeit über so eine Art Tagebuch geführt. Am besten kommt der ganze Ablauf wohl rüber, wenn ich das einfach so online stelle:

13.01.2009

Heute hatte ich ein "One to One" mit meinem Chef. Da kann man auch nicht "Besprechung" dazu sagen oder "Personalgespräch", sondern das heißt jetzt "One to One". Kasperletheater, echt! Er macht gerade mit jedem "One to One", weil er uns mal alle einzeln kennenlernen will.

Eigentlich hatte ich den Termin zum "One to One" schon letztes Jahr. Natürlich habe ich ewig drüber nachgedacht, was ich in dem "One to One" sag und was ich sag, wenn er DAS sagt oder was ich sag, wenn er DIES sagt und überhaupt... Da meldete sich mein Chef ausgerechnet an dem Tag, wo ich das "One to One" haben sollte, krank. Er war dann 1 Woche krank, danach kamen die Feiertage, dann hatte er noch Urlaub und seit gestern ist er wieder da. Heute holte er also das "One to One" nach.

Natürlich habe ich immer noch drüber nachgedacht, was ich sag, wenn er sagt und überhaupt... aber doch nicht mehr ganz so.

Ganz zu Anfang des Gesprächs sagte er, mit kurzer Handbewegung zu meinen Klamotten, darüber sähe er nun einfach mal weg, blablabla... Was heißt hier "darüber sehe ich weg..."? Hey, das bin ich!

Zuerst hab ich versucht, ihn halt einfach abzulenken mit Fragen nach seiner Person und hab mir gedacht, vielleicht labert er ja bis die Stunde vom "One to One" rum ist, dann brauch ICH nix sagen. Ich fragte also - weil ich ihn für einen Karrieretyp einschätzte - nach seinem beruflichen Werdegang und tatsächlich fing er auch gleich an zu labern und zu labern... aber es interessiert mich ja nicht wirklich und mir ging das auf die Nerven, was er mir erzählte. Ich konnte mich dann schon gar nicht mehr drauf konzentrieren, weil's mir eigentlich völlig wurscht ist, wo der mal vor 10 Jahren seine Lehre gemacht hat und blablabla. Da gaggerte ich einfach dazwischen und schon waren wir bei "meinem" Thema, das ich ja eigentlich vermeiden wollte. Naja, da hab ich alles gesagt, also dass ich beim Anrufen schüchtern bin, Schiss hab, mich das stresst und dass ich die Kunden so gut versteh und deshalb neulich sogar einer Kundin jeden Monat einen 20er für ihre Grundgebühr mit der Post geschickt hab, weil die HartzIV ist und 4 Kinder hat und so. Also ich bin halt nicht der Typ zum Rechnungsreklamationen-bearbeiten.

Da hat er zwar zwischendrin ein bisschen dumm und hilflos geschaut, aber dann gemeint, er verstehe sich in seiner Teamleiterrolle als Dienstleister des Teams und der Mitarbeiter (hey, Leute, gebt euch das mal! Der Chef ist ein DIENSTLEISTER der Mitarbeiter - ist das nicht total verdrehte Welt oder bin ich bloß zu alt?). Als solcher werde er natürlich versuchen, die Dinge so zu organisieren, dass das Team das Beste leistet. Ich meinte darauf nur, dass ich jetzt noch ungefähr 10 Jahre hin hab bis zur Rente und das nur einfach noch hinter mich kriegen will, das werd ich doch wohl noch schaffen, was.

Auf alle Fälle meinte er am Ende, ich sei ein offener Mensch und dass er das gut findet (das heißt wahrscheinlich in Wirklichkeit: "Es interessiert mich nicht, was du sagst, halt doch endlich die Klappe!"). Dass ich diesen Krempel bearbeiten muss, wird kommen, das kann er nicht ändern, weil alle einfacheren Arbeiten werden sowieso demnächst abgegeben. Aber irgendwie wird sich wohl ne Lösung finden... Da war mir klar, dass mir nur noch ein Teamwechsel übrig bleibt.

16.01.2009

Ja, also gestern sollte ich wieder mal Rabattrecherche machen. Den ganzen Tag musste ich die anderen mit Fragen belästigen. Ich kapier das echt nicht, habe mit dem ganzen Rechnungssystem doch nie was zu tun gehabt. Keiner hat sich da mal hergesetzt und mir das ordentlich gelernt. Nirgendwo ist eine vernünftige Arbeitsanweisung, jeder, den man fragt, wird bei seiner Arbeit gestört und ist genervt, das merk ich doch. Das ist mir dann wieder peinlich und drum trau ich mich nicht fragen.

Aber der Chef hat gesagt, aus sowas hält er sich raus, das müssen wir unter uns regeln, er schaut dann quasi nur auf die Ausgangszahlen. Ja, toll!

Heut früh kam ich ins Büro, da hat sich die A. krank gemeldet, die die Reaktivierungen macht. Jetzt wurde ICH wieder zu Reaktivierungen eingeteilt. Ich hab heut gleich einen Rekordausgang an Reaktivierungen hingeblättert, wow, hab mich echt übertroffen.

Den Teamleiter von meinem alten Team habe ich auch in der Teeküche getroffen. Da hab ich ihn gleich gefragt, ob ich nicht wieder zu ihm könnte um Nutzerwechsel zu machen. Das wär klasse!

26.01.2009

Als ich heute in die Arbeit kam, war die A. die ganze Woche krank gemeldet. Also "muss" (darf) ich an ihrer Stelle wieder Reaktivierungen machen. Für diese Woche brauch ich mir also mal keine Gedanken machen.

Irgendwann des Abends stand mein Chef hinter mir und meinte, ich soll mitkommen ins Besprechungszimmer, er müsste sich mit mir unterhalten. Weil's so spontan war und ich gar keine Gelegenheit hatte, mich aufzuregen, war ich auch ganz cool und ging mit. Er war ziemlich sauer, weil ich "hinter seinem Rücken" einen anderen Teamleiter um einen Teamwechsel gebeten hätte. "Was heißt hier hinter deinem Rücken?" sagte ich "ich hab es dir doch gesagt, dass ich mit der Situation in keinster Weise klar komme." Darum hab ich in der Teeküche den Teamleiter von den Nutzerwechslern im Vorbeigehen gefragt, ob ich nicht wieder Nutzerwechsel machen könnte und in sein Team wechseln könnte.

Mein Chef meinte, er fände das nicht fair, dass ich die Flucht reinhau. "Natürlich mach ich das, was dachtest du denn? Ich bin verzweifelt und versuche mit allen Mitteln meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Ich war auch schon beim Betriebsrat, d.h. beim Kollegen P. und hab mich dort erkundigt", meinte ich. "Was hat der denn gesagt?" fragte mein Chef erschrocken. "Der hat gesagt, dass ich vom Psychiater ein Attest einholen könnte, aber das habe ich vorerst nicht vor", meinte ich, "weil vielleicht gibt es ja noch eine einfachere Lösung". Da meinte mein Chef, ich soll mal die internen Stellenausschreibungen durchschaun und mich ggf. bei Activation bewerben. "Au ja", meinte ich gleich, "da ginge ich gern sofort hin!"

(Später erfuhr ich dann von Kollegen, denen es ähnlich wie mir ging, dass ihnen genau dieser Spruch von ihren Teamleitern ebenfalls aufgefahren wurde: "Ja, da bleibt nur noch Activation." Normalerweise graust sich nämlich jeder vor der Arbeit bei Activation, weil sie einfach stumpfsinnig ist.)

Wir vereinbarten, dass ich in Zukunft jegliche Aktion mit ihm zusammen unternehme und im Weiteren nicht "hinter seinem Rücken" in der Teeküche andere Teamleiter bequatsche. Also da frag ich mich nun echt auch wieder: Ist denn da wirklich was dabei, mei??

29.01.2009

Ich habe also tatsächlich gestern Abend, als alle gegangen waren und die beiden Kollegen, die noch mit mir Spätschicht hatten, in der Pause waren, mir aus der Rabattrecherche einen ultraleichten Fall rausgesucht und den angerufen. Es war ein Kunde, der wollte Schülerkonditionen und hatte aber keinen Schülerausweis mitgeschickt. Ich rief den also an um ihm zu sagen, er sollte den Ausweis nachschicken. Es war schrecklich: Ich redete vor lauter Aufregung schon so schnell, dass ich mich selber gar nicht verstand. Ich ließ Silben, ganze Worte oder Satzteile beim Reden weg, weil sie mir einfach nicht mehr einfielen, so unter Strom stand ich. Da sagte der Kunde, er hat keinen Schülerausweis, nur eine Schulbescheinigung, und die hätte er uns schon reingeschickt und hat leider keine zweite. Mit der Antwort hatte ich nicht gerechnet und war völlig vor dem Kopf gestoßen. Ich konnte vor Stress einfach nicht mehr denken und wusste nicht, was ich jetzt sagen/tun sollte. Ich presste einfach nur noch "ok, dann tschüß" raus, legte auf und flennte erst mal ne Viertelstunde um den ganzen Stress wieder aus mir rauszukriegen. Was ich nun mit dem Kunden machen sollte, fiel mir beim besten Willen nicht mehr ein, denn ich konnte grad nicht mal mehr meinen Namen buchstabieren, so fertig war ich. Weil mir nichts einfiel, ich ihn aber fertig-machen musste, richtete ich ihm halt einfach Schülerkonditionen ein OHNE amtlichen Nachweis, keine Ahnung, ob zu Recht oder sonst was. Noch 2 Stunden nachher hatte ich Schweißausbrüche.

Nee, also so gehts nicht mehr weiter. Ich komm mit dem Telefonieren nicht klar, das IST definitiv so (war es schon immer, mal mehr mal weniger), ich werde damit nie auf Dauer klar kommen und die Anforderungen der Firma KANN ich einfach nicht erfüllen. Auf alle Fälle beschloss ich, nun wirklich einen Therapeuten aufzusuchen.

Ich ließ mir 4 Therapeutinnen in der Gegend aus dem Branchenbuch. Heute früh stand ich also eher auf und ging zu der 1. Praxis. Da war aber ein derartig unsympathischer Mann drin, der mich auch noch so blöd anredete, dass ich gleich wieder ging. Die 2. Praxis war geschlossen. Die 3. hatte ein Schild davor: "Nur nach telefonischer Vereinbarung". Weil keiner aufs Klingeln aufdrückte, rief ich halt notgedrungen an. Es war ein AB dran, der mir erzählte, dass die tel. Sprechstunde und Terminvereinbarung nur Dienstag von 13 bis 14 Uhr ist. Heute war Mittwoch. Die 4. Praxis hatte auch ein Schild dran, dass man vorher telefonisch Termine vereinbaren musste. Das würde jetzt mein letztes Telefonat für heute gewesen sein, mir reichte es, ich war schon wieder total aufgewühlt! Ich erreichte sogar die Therapeutin selber, aber die verklickerte mir, dass so ne soziale Phobie wie ich sie habe was Längeres ist und sie frühestens in einem halben Jahr (!) die nächsten Termine für solche Therapien frei hat.

Weils dann schon spät war, ging ich in die Arbeit und schrieb dem Betriebsrat P. meinen Telefonier-Alptraum von gestern. Ich mailte dem P. auch, dass mir mein Chef vorgeworfen hätte, "hinter seinem Rücken" zu anderen Teamleitern fliehen zu wollen, etc.. P. schickte mir eine Antwort, dass ich mich jederzeit weiterhin an ihn wenden könnte und er mich voll unterstützt, dass des Chefs Formulierung mit "hinter dem Rücken" nicht berechtigt gewesen sei und einfach nicht geht und außerdem schickte er mir noch die Mailadresse von der Betriebsärztin. Da schrieb ich gleich ne Mail hin, um einen Termin zu vereinbaren: Ich sei gerade auf der Suche nach einem Therapieplatz gegen meine soziale Phobie und bräuchte nun ein Attest, das mich vor dem Telefonieren bewahrt bis ich einen solchen Platz gefunden habe. Hoffentlich schreibt mir die Betriebsärztin die Antwort per Mail zurück und ruft nicht an!

30.01.2009

Heute kam ne Mail ans ganze Team: die A. ist länger krank. Jetzt bin ich mal wieder mit Reaktivierungen beschäftigt, meine Güte, bin ich froh!

Die Betriebsärztin hat sich per Mail gemeldet: Ich werde gleich morgen hingehen und einen Termin für ein Gespräch vereinbaren und sie wird mich dann an entsprechende Psychotherapeuten weiter verweisen.

Der Betriebsrat P. geht jetzt 1 Woche in Urlaub. Aber er hat meinen Fall schon an die Betriebsrätin S. weitergeleitet, die sich in seiner Abwesenheit drum kümmert, wenn was ist.

03.02.2009

Ich war gestern bei der Betriebsärztin. Die wird nun einen Schrieb an meinen Chef verfassen, wozu ich sie von der Schweigepflicht entbunden habe. Den Schrieb wollte sie sich aber erst ordentlich überlegen, um ihn richtig zu formulieren.

Außerdem habe ich 3 Therapeuten zur Auswahl gekriegt und soll mich dort melden, um eine "konfrontative Verhaltenstherapie" zu machen. Hab heute angerufen, aber keinen persönlich erreicht.

Der Chef ist seit gestern auch schon wieder krank. Der war doch erst kurz nach Weihnachten krank? Naja, ist auch nur n Mensch, hat vielleicht auch Stress?

11.02.2009

Die Betriebsärztin hat mir das Attest ausgestellt. Donnerstag vor ner Woche bekam ich es per Mail und habe es gleich an meinen Chef weitergeleitet. Da damit meine größte Sorge vorerst erledigt war, habe ich auch gleich Urlaub beantragt und in derselben Mail den Chef gefragt, wann IHM und dem TEAM es denn mit dem Urlaub am besten in den Kram passt, um ihm entgegen zu kommen. Das Resultat: Er schaute mich nicht mehr an. Der war richtig stinksauer, voll beleidigt und hatte den echten Treffer abgekriegt, er wirkte dann auch allgemein richtig gestresst. Erst Anfang dieser Woche hatte er sich so weit beruhigt, dass er mir wenigstens per Mail antworten konnte und mir meinen Urlaub festsetzte auf den 9.3. bis 23.03..

Er setzte mir dann den Termin für das Zielerreichungsgespräch auf den 12.02..

Ich habe heute auch eine Einladung vom Abteilungsleiter erhalten für den 13.02. zu einem "personal dialog". Ich war total schockiert! Das konnte nichts Gutes bedeuten! Ich war bald so aufgelöst, dass ich wirklich nicht mehr arbeiten konnte vor Angst und Aufregung und ging zum Specialist. Der begleitete mich zur Sekretärin vom Abteilungsleiter und zu zweit beruhigten sie mich wieder halbwegs.

12.02.2009

Heute war das PD beim Chef wegen der Zielerreichung. Der BR P. war auch wieder da und ging mit.

Im PD kam dann erst die Bewertung für die Leistungen von 2008, da habe ich 102 %. In den Zielen für 2009 stand natürlich das mit dem Telefonieren drin und ich sagte, dass ich das nicht unterschreibe, weil ich das nicht liefern kann und was ich nicht halten kann, unterschreibe ich auch nicht.

13.02.2009

Seit ich die Einladung zu dem heutigen Gespräch mit dem Abteilungsleiter bekommen habe, konnte ich kaum mehr schlafen.

Das Gespräch heute lief drauf raus, dass ich nun zwar dieses Attest habe, aber es angeblich im ganzen Haus nicht mehr 1 Stelle gäbe, wo man nicht telefonieren bräuchte und sie daher keine Verwendung mehr für mich hätten. Auch Reaktivierungen könnte ich weiters nicht machen, weil das nicht unser Kernthema ist und outgesourced wird (wirklich? Wie sich später rausstellte, war das eine glatte Lüge! Noch ein halbes Jahr später waren Reaktivierungen immer noch nicht outgesourced).

Der Abteilungsleiter begann, mir einen Auflösungsvertrag vorzuschlagen und palaverte los von irgendwelchen Prozenten pro Jahr Betriebszugehörigkeit, so dass ich dann auf xxx Euro Abfindung käme, wovon ich ja mal ein Jahr Auszeit nehmen könnte, um mich wieder zu sammeln.

Ja freilich! "Ein Jahr Auszeit"! Von was träumen die denn in der Nacht? Dass ich mit meinen 47 Jahren halt mal "ein Jahr Auszeit" mach und dann von heut auf morgen einen neuen Job kriege? Wollen die mich verarschen?

Als ich sagte, dass das für mich nicht in Frage käme, fing er weiter zu palavern an, er könne mir nicht garantieren, ob er diese hohe Summe noch in 3 Wochen versprechen könnte, da müsste er vielleicht 3% abziehen, blablabla... Oh ich hasse diese Businessgeier, die meinen, mit ein bisschen Geld könnte man die Welt verändern. "Das ist keine Frage des Preises, sondern für mich generell keine Option, selbst wenn du noch mal ne 0 (!) an die Summe dranhängst" meinte ich. Kommt für mich wirklich keinesfalls in Frage und ich glaube, ich konnte ziemlich gut deutlich machen, dass ich hier bis zum letzten um meinen Arbeitsplatz kämpfe (also richtig Stress und Schwierigkeiten mache).

Zu einer Einigung konnten wir also nicht kommen, also beließen wirs dabei. P. und ich sollten einen Spaziergang machen, meinte mein Chef und ein bisschen Luft schnappen gehen. P. und ich gingen also vor in den Beck und tranken nen Kaffee. Dabei meinte P.: Sie können mich nicht kündigen, schon allein weil ich ja September letzten Jahres Betriebsratsnachrückerin war. Der erweiterte Kündigungsschutz geht noch bis September 2009. Ich denke, bis dort hin werde ich die nächste Gelegenheit finden, wieder an einer Betriebsratssitzung teilzunehmen.

P. meinte auch, er schätzt das alles als ein Einschüchterungsversuch ein: Die Chefs wollten mich einfach bedrohen, also es gäb keine andere Stelle im ganzen Haus und so. Was sagte mein Chef noch? ...ja, höchstens ein Standortwechsel (worauf ich dann gleich sagte: ja, sofort, wo soll ich hin?)

P. und ich saßen lange im Cafe. Es war fast 11 geworden. "Wir sollten langsam nun aber echt gehen" meinte P., so gingen wir zurück. Als wir aus dem Lift kamen, sahen wir grad noch meinen Chef ums Eck laufen. "Der Chef!" meinte P. "die haben sich also auch noch besprochen - bis jetzt!" Aha, also haben der Chef und der Abteilungsleiter sich ebenfalls gut ne Stunde über der Lage die Köpfe zerbrochen. Scheint für die auch nicht so einfach zu sein...

Ich ging wieder ganz normal an die Arbeit. Da kam der Chef, nahm auch gleich P., ging mit mir kurz raus und meinte voll freundlich, lieb und besorgt, wenn es mir jetzt nicht gut sei, könnte ich fei heim gehen, gell. "Nö, mir gehts eigentlich ganz gut" meinte ich "kann mich auch gut konzentrieren, kann absolut arbeiten". Ich machte also noch 102% Reaktivierungen und ging ganz normal nach Feierabend heim mit "schönes Wochenende noch!"

16.02.2009

Heute war ich am Gewerkschaftshaus und bin der Gewerkschaft beigetreten. Nach 3-monatiger Mitgliedschaft ist man da arbeitsrechtsschutzversichert und ich denke, das werde ich wohl brauchen.

23.02.2009

Boar, langsam bin ich wirklich am Ende mit den Nerven. Also das wollt ich ja eigentlich vermeiden, hatte nicht gedacht, dass die wirklich so stur sind und echt bis zum letzten mit Gewalt drauf bestehen.

Am letzten Donnerstag hatte ich ein Gespräch mit dem Chef, dem Abteilungsleiter, der Personaldisponentin, dem Betriebsratsvorsitzenden und der Betriebsärztin. Das Gespräch war für mich die Hölle. Von DEM Stress bin ich überhaupt nicht mehr runter gekommen. Sie haben mich jedenfalls so derartig ins Eck geredet - also nicht aggressiv, aber halt so schleimig, softi - bis ich damit einverstanden war, dass mein Chef ne Liste macht mit allen Tätigkeiten, die ich bei den RG-Reklas bearbeiten muss. Die Liste wurde 3 Seiten lang. Ich hab bloß die erste halbe Seite überflogen und mir ist völlig klar, dass das alles genau das ist, was ich eigentlich gerade nicht packe und warum ich ja diesen Terz hier veranstalte.

Außerdem fragten die Chefs die Betriebsärztin, wie denn die Prognose aussieht bei meiner Telefon-Phobie. Die Ärztin meinte, innerhalb eines halben Jahres könnte das behandelt sein. Das ist natürlich Unsinn, denn allein die Suche nach einem Therapeuten dauert ja schon ewig und hat sich einer gefunden, muss man ja schon mindestens ein halbes Jahr warten, um überhaupt einen Therapieplatz zu kriegen! Aber die Ärztin erklärte mir später, sie hätte nicht mehr Zeit verlangen dürfen, sonst gibt's da nämlich rechtlich ne Klausel, nach der die Firma dem Mitarbeiter wegen der Krankheit kündigen kann, weil der gesundheitliche Leistungsausfall für die Firma nicht mehr tragbar sei.

Die Firma hat eine sog. "betriebliche Fürsorgepflicht". Die Chefs legten das jetzt so aus, dass sie mir dieses halbe Jahr Zeit geben, um eine Therapie zu machen, aber danach muss ich die anderen in vollem Leistungsumfang eingeholt haben. Dass ich das schaff, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, unmöglich! Selbst angenommen, ich hätte heute schon einen Therapieplatz gefunden und finge mit der Therapie an, ist es völlig utopisch, dass ich in einem halben Jahr das ganze Billing-Thema lerne und solche Eskalationstelefonate fertig bringe. Ich komm mir vor wie die Goldmarie, die Stroh zu Gold spinnen soll. Das wiederum darf ich aber nicht sagen, sondern ich muss so tun, als ließe ich mich jetzt da drauf ein. Mit dem Konflikt komm ich überhaupt nicht mehr klar, ich dreh völlig am Rad.

Am Freitag hatte ich meinen freien Tag. Am Samstag musste ich arbeiten, konnte aber in der Nacht nach einer Panikattacke nur 1,5 Stunden schlafen. In der Arbeit am Samstag schaffte ich grad mal 2/3 von dem, was ich sonst schaff. Der Sonntag hat mir auch nicht viel Erholung gebracht. Heute hätte ich Spätschicht. Früh um 8 ging ich gleich zum Hausarzt und ließ mich krank schreiben. Diagnose: F41.0G (Angst- und Panikstörung)

Dann hab ich meinen Chef angerufen um mich krank zu melden, der war wieder stocksauer. Später werde ich nun eine Mail aufsetzen an den Betriebsratsvorsitzenden (weil per Mail mit Distanz zu den Personen hab ich eindeutig die bessere Position) und werde mitteilen, dass ich mir die Rechnungsreklamationen lt. dieser Liste ganz eindeutig NICHT zutrau und bitte hiermit um einen Teamwechsel in ein Team mit weniger komplizierten und weniger konfliktträchtigen Aufgaben, damit ich mich ganz auf das (therapeutische) Erlernen des Telefonierens konzentrieren kann.

24.02.2009

Warum bin ich jetzt zwischen die Mühlen geraten? Ich finde es eigentlich gar nicht sooo schlimm, was ich will und frag mich, warum die das so rauf-eskalieren?

Der BR P. meinte, es sei ungeheuer gefährlich für die, weil wenn ich durchkomm, finde ich jede Menge Nachahmer und dann haben die echt ein Problem, wenn keiner mehr telefonieren will und die halbe Abteilung durchdreht. Es haben sich zwar erst 3 andere mit demselben Problem beim BR gemeldet, aber ich bin die erste, also die, die am weitesten gekommen ist - der Präzedenzfall, sozusagen. Deswegen sind die bei mir besonders scharf.

Chef und Abteilungsleiter haben nämlich nun schon gemerkt, dass ich die Personal Dialogs unheimlich belastend empfinde und machen daher nun jede Woche ein neues PD. Ich hab vor dem PD am Donnerstag so Schiss, ich kann kaum mehr schlafen, dass ich zum Arzt gegangen bin und mich krank schreiben ließ: Diagnose Panikattacken und Angststörungen. Mein Chef ist jetzt s-t-o-c-k-s-a-u-e-r.

Von zuhaus aus sitz ich nun hier vor dem heimeligen PC und maile mit dem BR und mache den Krimskrams mit einem Medium, mit dem ICH klar komm, nämlich distanziert. Ich denke seit heute, dass ich auch durch komm, weil ich vom BR P. vorhin ne Mail gekriegt habe, dass ich den Wechsel in ein anderes Team bei der Personaldisponentin schriftlich beantragen soll. Außerdem kann ich auch beantragen, dass die Gespräche mit den Chefs GANZ wegfallen und nur noch ich und die Personaldisponentin allein miteinander reden - was um 100% entspannter wird.

10.03.2009

Ich bin nach der Woche krank wieder rein gegangen und habe die 4 Tage bis zum Urlaub noch durchgerissen. Da haben sie mir das Personalgespräch natürlich gleich nachholen lassen. Ich habe gesagt, dass ich mir Rechnungsreklamationen also generell NICHT vorstellen kann, schon aus ethischen Gründen nicht und dann halt aus Telefoniergründen sowieso nicht. Abfindung lehne ich auch generell ab. Ich wünsche einen Teamwechsel in ein anderes Team, wo man nicht telefonieren muss, z.B. Activation. Die Personaltante hat dann gesagt, wie ich mir das vorstelle, wenn ich keinen Platz in einem anderen Team fände und ich sagte, das stell ich mir überhaupt nicht vor, dann weiß ich halt einfach auch nicht. Gehen ist jedenfalls für mich keine Lösung, peng. Da meinte sie vor allen Anwesenden, also auch Betriebsrat und vor der Betriebsärztin, dass ihr dann nur der "schmutzige Weg" bliebe. Keine Ahnung, was das bedeutet (wahrscheinlich alles miteinander: Mobbing, Kündigung, Arbeitsgericht, blabla), aber ich meinte, ich habe ja keine Wahl und müsste dann eben den schmutzigen Weg gehen. Da einigten wir uns nun erst mal darauf, dass ich mich bei Activation vorstelle.

Das habe ich heute - trotz Urlaub - gemacht, aber die haben grad "keinen Bedarf": Bestimmt war das abgesprochen! Dafür bin ich nun während meines Urlaubs extra früh aufgestanden und da rein geradelt? Das hätt ich mir sparen können.

Nach meinem Urlaub habe ich nun gleich am Montag, 1. Tag, das nächste Personalgespräch. Keine Ahnung, was ich jetzt noch sagen soll. Ich kann nur noch sagen, dass mir nun auch nichts mehr einfällt, was aber für mich natürlich kein Grund ist zu gehen, peng, fertig.

Unterdessen war ich gestern beim Hausarzt: Der hat ein EKG gemacht und gemeint, körperlich und herzkreislaufmäßig wär alles ok bei mir. Der Hausarzt hat mir auch eine Überweisung zum Psychiater ausgestellt wegen akuter, beruflicher Belastungssituation. Da hab ich nun heut gleich angerufen und am 19. einen Termin. Eine Therapeutin habe ich nun auch gefunden, gestern: in 6-8 Wochen ist dort ein Termin frei zur konfrontativen Verhaltenstherapie wegen Telefonangst und sozialer Phobie.

19.03.2009

Meine 2. und letzte Urlaubswoche neigt sich dem Ende zu. Am Montag habe bzw. hätte ich gleich das nächste Personalgespräch.

Allerdings hatte ich heute morgen einen Termin bei einem Nervenarzt und Psychiater und der hat mich gleich mal die nächsten 2 Wochen krank geschrieben wegen F32.9 (depressive Episode). Drauf hin habe ich gleich meinen Chef angerufen, ihn davon informiert und das Gespräch abgesagt. Der Chef verlangte zwar, dass ich trotz meiner Krankheit den Termin wahrnehme, aber das habe ich abgelehnt.

Zwischenzeitlich habe ich mich auch bei der Gewerkschaft erkundigt: Ich habe bereits jetzt Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und bin ab 1.5. über die Gewerkschaft rechtsschutzversichert. Das find ich klasse! Na, die 4 Wochen sollt ich doch noch ohne Rechtsstreit aushalten, was? Insbesondere deswegen, weil der Arzt gesagt hat, ich soll 3 Wochen in eine Klinik nach Bad Neustadt, das wird jetzt beantragt.

BTW: Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, rechtzeitig der Gewerkschaft beizutreten! Ich zahlte da nun monatlich ca. 16 € und hatte wirklich eine ganz tolle Unterstützung!

Hier gehts auf die Homepage der IG BCE und
hier kann man online Mitglied werden

06.04.2009

Jetzt war ich mal grad in der Arbeit...

Ich war ja jetzt bis einschl. 04.04. krank geschrieben und ging also heute wieder in die Arbeit. Heut Nacht konnt ich ziemlich schlecht schlafen, weil ich mir dachte, die drücken mir heut bestimmt gleich wieder ein Gespräch rein. Für den 29.04. hab ich eine Einweisung für 3 Wochen zur Kur und bis dort hin muss ich mich noch irgendwie durchschlagen ohne die Kündigung zu kriegen, weil danach greift dann der Gewerkschafts-Rechtsschutz und ich kann klagen, was das Zeug hält. Es wunderte mich eigentlich, dass mein Chef nicht schon letzte Woche ne Einladung zur Besprechung an mein Privat-Mail geschickt hatte. 3 Wecker hab ich mir gestellt, damit ich heut jaaa nicht verschlaf. Hat auch geklappt, bin rein, werf meinen PC an, hol mir nen Tee, kam wieder rein, waren die Kollegen mittlerweile auch da und fragten alle, warum ich heut schon da bin... ich habe doch URLAUB. Schau ich rein in den Schichtplan: Tatsächlich! Ich habe irgendwann für die Osterwoche Urlaub beantragt und auch genehmigt bekommen! Wusst ich gar nimmer, so fertig und durcheinander bin ich schon! Hab ich gleich meine Tasche gepackt und bin wieder heim.

21.04.2009

Letzte Woche habe ich also wieder zu arbeiten angefangen nach Urlaub und Krankheit. Ich hatte das Glück, dass mein Chef in Urlaub war.

Da schrieb ich gleich mal eine Mail an den Teamleiter von Nutzerwechsel und fragte, ob nicht in seinem Team ein Platz für mich sei, dass ich wieder Nutzerwechsel machen könnte. Obwohl der Teamleiter den ganzen Tag am Platz war, kam seine Antwort erst am nächsten Tag: Warum ich das denn wollte? Ich antwortete, dass ich Nutzerwechsel wenigstens kann und dann vor dem Telefonieren nicht so sehr Angst hätte, weil ich ja wenigstens schon mal fachlich wüsste, was ich zum Kunden am Telefon sagen soll. Wieder ließ er sich einen Tag Zeit und antwortete mir dann, er verstünde meine Argumentation nicht, ich könnt mich doch in Billing auch einarbeiten. Da gab ich es auf, weil ganz deutlich sprach der sich erst mit dem Abteilungsleiter ab und das waren ganz fiese, ausgeklügelte Antworten: Sie wollten mir keine Chance lassen und mir alle Lösungen meines Problems verbauen.

Mein Chef kam erst gestern wieder vom Urlaub. Er hängte eine Lätschn bis zum Boden, keine Spur Freundlichkeit, aber auch nicht zu den anderen, also er muss ziemlich im Stress sein. Heute hab ich ihn beobachtet. Da saß er auch vor seinem PC und hat richtig verbissen reingeschaut, die Stirn in Falten gelegt. Also ich glaub, der hat ziemliche Scheiße an der Backe. Die A. ist krank und so mach ich gerade Reaktivierungen. Von den ganzen Dialing- und Anruf-Rotations-Listen bin ich ausgelassen, das machen 4 Kollegen, aber nicht ich.

Nun hab ich heute eine Einladung zum nächsten, großen MA-Gespräch gekriegt. Punkt 20 Uhr hat sie mein Chef verschickt, genau zum Feierabend. Hat er gehofft, dass ich sie nicht mehr kriege und erst morgen lese? Oder wollte er nur vermeiden, dass ich heute wieder auf ihn zukomm und ihn deswegen zusülz und frage? Wollte er vermeiden, dass die Kollegen mitkriegen, wie sehr mich das alles belastet? Auf jeden Fall: Die Betriebsärztin ist bei dem nächsten Gespräch NICHT mehr dabei. Also gibts wohl keine medizinischen und therapeutischen Sachen mehr zu klären.

30.04.2009

Obwohl ich mich seit Wochen und Monaten um einen Teamwechsel bemühte, wurden am Dienstag 2 Leute aus meinem Team in ein anderes versetzt, einer davon auch noch in das Nutzerwechsel-Team, wo ich hin wollte!

Also das Gespräch am Dienstag war richtig hart. Die Lösung, die ich erhofft hatte, gabs aber nicht.

Da die Chefs im Gespräch erst mal nichts Besonderes hatten, fing ICH an. Zuerst fragte ich mal, warum die beiden Leute in ein anderes Team versetzt wurden und ich nicht. Da sagte der Personaldisponent eiskalt: "Wir wollen das nicht." Ja, das weiß ich schon, dass ihr "nicht wollt"!

Mein Chef meinte noch, ich sollte halt mal alle 4 Wochen ins Intranet schaun, vielleicht stünde was ausgeschrieben in nem anderen Team? Was? Alle 4 Wochen soll ich "mal ins Intranet schaun", ob zufällig was drin steht? Also unter "Stellensuche" verstehe ich was anderes und außerdem wissen die doch auch, dass da momentan nur 4 interne Stellen für Werksstudenten ausgeschrieben sind.

Also verklickerte ich ihnen gleich, dass ich in eine Klinik gehen werde auf eine Therapie. Die Krankenkasse hat ihr Ok noch nicht gegeben, aber die nächsten Tage sollte es sich eigentlich entscheiden und wenn sie die Kosten übernehmen, dann kann es sehr schnell gehen, dass ich fort bin. "Eigentlich war das schon für morgen geplant" gaggerte der Betriebsrat zwischenrein. Da hat's den Abteilungsleiter richtig gerissen, da konnt er sein Pokerface für einen Moment nicht mehr glatt halten. Der Personaldisponent fragte mich, wie es denn ist, wenn die Kasse es NICHT übernimmt. Was weiß denn ich, was dann ist, wenn alle Problemlösungen, die ich vorschlage, NICHT klappen? Was sind denn das für blöde Fragen, was dann ist, was dann ist...? Weiß ich doch nicht!

Dann gings noch um die Zielerreichungsvereinbarung, ZLE: In diesem ZLE stehen die Ziele fürs ganze Team drin und natürlich steht auch das Billingzeug drin und das Telefonieren. Das KANN ich aber nicht und darum unterschreib ich das nicht. Die Chefs meinten, das sind ja auch Ziele und am Anfang kann das keiner, er soll es ja als Ziel erreichen. Aber ich beharrte drauf, dass ich das nicht unterschreib, fertig. Ich weiß nämlich, dass ich nach dem Arbeitsrecht das ZLE verweigern darf, dann werde ich halt bloß vom Bonussystem ausgeschlossen und müsst auf den jährlichen Bonus verzichten, aber das wär's mir doch wert, Mensch! Für die paar Knetscher den ganzen Stress und die Hetze loshaben?! Ein Traum! Da machten sie ein riesiges Theater drum, redeten mich richtig kreuzfeuermäßig ins Eck und der Betriebsrat sagte dann dazwischen, er möchte nun schlichten und wie es denn mit einem Zusatz in dem ZLE wäre, wo drin steht, dass ich das erst NACH der Therapie erreichen müssen sollte. Wir einigten uns, dass ich das dann unterschreib.

Aber kaum waren wir draußen, sagte ich zum Betriebsrat, dass ich mir's bloß nicht mehr sagen hab traun, aber: Ich unterschreibe das NICHT, sondern ich geh erst mal zu einem Rechtsberater und lass mich beraten, welche Konsequenzen diese Unterschrift für mich haben kann. VOR der Klinik mach ich das aber nicht mehr, weil ich's zeitlich nicht mehr schaff.

Gestern rief die Krankenkasse an: Sie übernehmen die Kosten. JUHUU!!!! Ja und heute rief der Psychiater an: Ich kann schon ab Montag in die Klinik.

Gleich tippte ich eine Mail an meinen Chef, dass ich nun schon am Montag gehen müsste.

Da setzte sich mein Chef hin - er hatte noch ungefähr ne Stunde Zeit - und verfasste den Zusatz zu dem ZLE. Ich habe um 14 Uhr Feierabend. Um 13:30 kam er und sagte, ich soll das unterschreiben. Da sagte ich, ich unterschreib heut gar nichts mehr, weil ich bin schon wieder so konfus wegen der Klinik, kann mich auf nichts konzentrieren und hab einfach keinen Kopf mehr um noch irgendwas zu unterschreiben.

Er war stocksauer. Um 13:54 (!) bekam ich eine Mail mit CC an den Abteilungsleiter und den Personaldisponenten, dass er zur Kenntnis nähme, dass ich entgegen unserer Absprache die Abnahme des ZLEs jetzt doch verweigere. Gerade erst merke ich: Er war SO sauer, dass er sich in den beiden Zeilen gleich zweimal vertippte und 1 Interpunktionsfehler machte!

Ich antwortete prompt, 13:57: "ich verweigere das nur heute, weil ich mich in meinem momentanen gesundheitlichen Zustand nicht fähig fühle, Entscheidungen zu treffen: Ich bin schon wieder total durcheinander, weil ich grad durchdenke, was ich alles für die Klinik einpacken muss und um was ich mich noch kümmern muss usw.. Ich werde mich um das PD nach meiner Rückkehr von der Klinik kümmern."

Da war's 14 Uhr, ich fuhr den PC runter und tschüß! Fort war ich.

Ich radelte zum Arzt, holte die Unterlagen, dann weiter zum Bahnhof, kaufte mir ein Zugticket mit Fahrradreservierung, weil ich will mein Fahrrad mitnehmen.

Das wird bestimmt Hardcore. Lustig ist das bestimmt nicht. Und wie es nachher weiter geht, weiß ich auch nicht.

21.05.2009 (in der Klinik)

In der Gruppensitzung sagte ein Mitpatient zu mir: "Lass doch die Firma sein! Du klammerst dich da sinnlos fest! Vielleicht klopft dir der Herrgott schon seit längerer Zeit auf den Rücken und will dich da raus schubsen, damit du deine Erfüllung findest." Er hat vielleicht ganz Recht?! ...wenn man "Herrgott" durch "Satan" ersetzt. Wir haben meine finanzielle Lage durchgerechnet und festgestellt, dass es mit Arbeitslosengeld und Ersparnissen eigentlich gar nicht so schlimm ausschaut, wenn ich ein paar Abstriche mache.

Ich habe mich daher entschlossen, zu gehen. Es stimmt: Ich halte das einfach nicht mehr aus und wenn ich dort wieder rein muss, bin ich spätestens nach 4 Wochen wieder hier in der Klinik. Bevor sie mich in absehbarer Zeit dann sowieso kündigen, gehe ich lieber gleich und nehm die Abfindung noch mit. Den Gefallen wie mein Kollege, der vor mir die Billingbeschwerden bearbeitet hat und sich letztes Jahr an Pfingsten umgebracht hat, tue ich denen nicht. Mit sowas billigem, wie einer "ach so schwer betroffenen" Beileidsbekundung und Traueranzeige lass ich die nicht davon kommen!

Auf jeden Fall hab ich vorgestern erfahren, dass mein Aufenthalt hier bis 26.06. kostenmäßig von der Krankenkasse genehmigt ist und so lange werde ich auch bleiben.

10.06.2009

Heute war Visite. Frau Dr. N. eröffnete mir, dass ich nun am 23.06.2009 entlassen werden soll, also in knapp 14 Tagen. Die Entlassung geschieht mit folgenden "Empfehlungen" der Klinik an meine Ärzte zuhause: 1. weiterhin soll ich krank geschrieben werden 2. danach soll eine stufenweise Eingliederung ins Arbeitsleben stattfinden, also erst mal so ein paar Stündchen arbeiten und dann langsam mit der Zeit steigern. Das muss aber erst mit der Firma abgesprochen werden. Na, ICH sprech das garantiert nicht ab! Wenn, dann überlass ich das dem Arzt.

Dann hab ich gefragt, was ich denn eigentlich habe, weil mein Chef wird mich bestimmt fragen, wie es denn nun steht. "Tja", meinte Dr. N. "Sie sind mit Depressionen hier eingeliefert worden und das ist auch weiterhin der Befund." Na, da wird sich aber mein Chef freuen. Und von wegen "telefonieren lernen/können"...

Kaum war Dr. N. aus meinem Zimmer, rief ich gleich bei meinem Psychiater an und ließ mir einen Termin geben, um mich krank schreiben zu lassen. Gleich am nächsten Tag nach meiner Rückkehr bin ich also dort und krieg meinen gelben Schein. Ich hoffe doch gleich für 2 Wochen, nicht bloß für eine.

Im Anschluss an das Telefonat schrieb ich gleich eine Mail an die Gewerkschaft, um mir einen Termin zur Beratung geben zu lassen. Der Termin ist am 29.06.. Na ich hoffe doch, ich bin da noch krank geschrieben, aber ich denke schon.

Ja, nun läuft es eigentlich bestens, und besser könnte es für die momentane Situation gar nicht laufen. Ich habe also noch 2 Wochen hier Aufenthalt, danach 2 Wochen krank geschrieben, danach Stündchenarbeit... ich glaub, meine Chefs sind einfach nur noch heiiilfroh, wenn sie mich los haben und drum hat die Gewerkschaft dann wohl auch gar keine große Mühe, die Firma von meinen gewünschten Forderungen zu überzeugen. Insofern kann ich nun mal die nächste Zeit chillig angehen lassen.

02.07.2009

Also ich bin - wie geplant - gleich am 24.06. zum Psychiater und wurde 2 Wochen krank geschrieben, also bis 8.7. Der sagte aber schon: "Ich kann Sie nicht ewig krank schreiben."

Am letzten Montag bin ich also jedenfalls auf die Gewerkschaft. Ich hab mir wieder vorgestellt, ich latsch da hin, der ruft in der Firma an, die sagen vielleicht gleich zu und fertig ist die Sache. Aber natürlich stellte ich mir das wieder zu einfach vor. Der Gewerkschaftssekretär bekam erst am Mittwoch, also gestern, in der Firma einen Termin und musste dort die Lage auch erst mal mit dem Betriebsratsvorsitzenden absprechen. Ende der Woche wollte er mich wieder anrufen.

Damit ich auch weiterhin krank geschrieben werden kann, brauchte ich ein Attest vom Psychiater, das ich dann dem Hausarzt vorlegen kann. Also ging ich zum Psychiater und beantragte das Attest. Das kostete schon wieder 20 Euro, aber iss wurscht.

Jetzt hab ich auch grad den Gewerkschaftssekretär angerufen. Der meinte, er hat nun mal die Verhandlungen eingeleitet und zwar hat er beantragt, dass mir ein "leidensgerechter Arbeitsplatz" zur Verfügung gestellt wird - also einer OHNE Telefon und OHNE Konflikte - oder dass sich die Abfindungssumme am Projekt "Restart2000" orientiert (damals gab's 50-60.000 €, hab ich gehört!). Wow, also das wär ja ein Hammer!

Jetzt weiß ich wieder nicht, was ich tun soll: Soll ich wieder rein, wenn sie mir tatsächlich einen "leidensgerechten Arbeitsplatz" zur Verfügung stellen? Hey, mir ist das alles echt zu viel!

Na erst mal kann ich mich dann am nächsten Mittwoch, falls mich der Psychiater nicht mehr krank schreibt, vom Hausarzt krank schreiben lassen. Ja und wenn der mich AUCH nicht krank schreibt? Ich seh schon, ich muss da wieder rein!

03.07.2009

Heute hat der Gewerkschaftssekretär angerufen: Nächsten Freitag hat er nun ein Meeting mit dem Personaldisponenten und da verhandeln sie dann rum. Ich bin heilfroh, dass der das für mich übernimmt, weil ich selber tät bei der Verhandlung ja echt voll abkacken. Das ist schon ein anderer Auftritt, wenn dort so ein Profi von der Gewerkschaft die Verhandlung führt, der sich auch mit dem ganzen Arbeitsrecht auskennt und vor allem sowas nicht zum 1. Mal macht, so wie ich.

Unterdessen sah ich zu, mich weiterhin krank schreiben zu lassen. Weil der Psychiater aber schon sagte, dass er mich nicht ewig krank schreiben könnte, habe ich nun heute bei einem praktischen Arzt angerufen, der mir für solche Fälle empfohlen worden ist. Zufällig fand ich, dass dieser Arzt auch noch Psychotherapeut ist! Prima. Also rief ich an und fragte nach ner Psychotherapie. Ich habe jetzt am nächsten Montag gleich nen Termin. Nachdem ich wegen ner Krankschreibung fragte, sagte mir gleich das Mädel am Telefon, das sei gar kein Problem. Ich glaube, bei dem bin ich richtig aufgehoben. Nun lass ich mich also am Montag gleich wieder krank schreiben und warte bis Freitag, was der Gewerkschaftssekretär mir dann zu berichten hat...

08.07.2009

Vorgestern war ich bei dem Krankschreiberarzt, den mir Joachim empfohlen hat. Aber der schrieb mich nicht krank! Er meinte, ich müsste lernen, mich durchzusetzen und soll mich vom Psychiater krank schreiben lassen. Arschloch! Und WIE soll ich das machen? Das hat er natürlich nicht dazu gesagt.

Nun war ich also heute beim Psychiater und konnte nur noch so viel durchsetzen, dass der mich bis einschließlich Montag krank geschrieben hat. Er meinte, er sieht keinen Grund, warum bei der Verhandlung am Freitag kein Ende des Arbeitsverhältnisses herauskommen sollte und insofern ist eine weitere Krankschreibung ja dann überflüssig. Na, der ist gut! Und wenn bei der Verhandlung noch KEIN Ergebnis erzielt wird?? Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich so schnell über den Preis nicht einig werden und locker eine zweite oder auch dritte Verhandlung irgendwann ansetzen. Und ich???

Ja, Scheiße. Also rief ich mal meinen Chef an und flötete sonnig süß ins Telefon, dass ich ja nur bis heute krank geschrieben war, jetzt zwar noch eine weitere Krankschreibung bis einschl. Montag habe, aber ab Dienstag dann voraussichtlich wieder komme. Mein Chef war ganz zuckersüß freundlich (??) und meinte, er wollte mir schon ne Mail schreiben, dass ich morgen Spätschicht habe, aber da ich ja jetzt noch die paar Tage krank bin, hab ich nächste Woche Frühschicht und schön, dass ich angerufen habe und überhaupt, hihi haha. "Ja ganz meinerseits, hat mich maßlos gefreut, hihihi hahaha"

Jetzt wart ich mal voller Spannung ab, was am Freitag rauskommt. Wenn ich tatsächlich wieder rein muss, um die Forderungen vom Gewerkschaftssekretär anschaulich zu untermalen, na, das kann ja dann heiter werden!

10.07.2009

Aaaah, jetzt ist der Scheiß eeendlich beendet!! Es geht jetzt nur noch um die Formalitäten.... also der Gewerkschaftssekretär war jetzt heute morgen in der Firma zur Verhandlung mit dem Personaldisponenten, hat mich gleich anschließend vorhin angerufen wie es ausgegangen ist und mir folgendes mitgeteilt: Sie haben meinen Forderungen zugestimmt und er konnte sogar noch heraus holen, dass... ***zensiert, da streng geheim, Firmengeheimnis und Kasperle, blablabla***. Boar, ist das klasse! Ich mach gleich nen Sekt auf! Huaa, ein Hoch auf die Gewerkschaft, juhu!! *tanz hüpf*

Das war der beste Schachzug in dieser ganzen bösen Geschichte, dass ich mich auf die Gewerkschaft verlassen habe und auf niemand anders. Von diversen Betriebsräten hätt ich mir nämlich auch mehr erwartet, aber mittlerweile habe ich erfahren, dass die sich ja nur als "Mittler" verstehen, um zwischen dem Mitarbeiter und der Firmenleitung Kompromisse zu finden. Mit der Gewerkschaft hatte ich nun aber eine Stütze, die wirklich hinter MIR gestanden war, echt auch meine Belange und Interessen vertreten hat und mir wirklich sehr geholfen hat. Nochmal vielen Dank an die IG-BCEler, falls ihr das hier mal zu lesen kriegt!

Nachtrag

Mittlerweile habe ich nun erfahren, dass ich nicht die einzige bin, die in der letzten Zeit gegangen worden ist. Zwei andere Kolleginnen, ebenfalls langjährige Mitarbeiterinnen, durften vor mir schon die Koffer packen. Eine wollte nur ihre Schichten verlegen, weil das für ihren Nebenjob notwendig war, aber darauf ließ man sich nicht ein, sondern setzte sie lieber vor die Tür. Die andere hat angeblich was verbrochen, aber keiner weiß, was. Von weiteren zwei Kollegen weiß ich, dass sie momentan sehr ähnliche Probleme haben wie ich vormals und meiner Erfahrung gemäß nicht mehr weit zur Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses haben.

Mutmaßungen wurden laut, dass die alten, langjährigen Mitarbeiter einfach zu teuer sind, weil ein Zeitarbeiter - meistens Anfang 20, jung und fit, flexibel und frei schikanierbar - kostet entschieden weniger, ist oft Jahre lang motivierbar, wenn man ihm nur eine Festanstellung verspricht und ist auch jederzeit an die Luft zu setzen, wenn die Nase nicht mehr passt. Naja, ich gebe zu: Klasse Konzept! Wäre ICH eine rücksichtslose Firma, der es um nichts anderes als um Profit geht und die über Leichen geht, ohne mit der Wimper zu zucken, würde ich es nicht anders machen.

Nachtrag II

27.01.2010: Im Oktober meldete sich der Personaldisponent, weil er mit dieser Seite hier nicht einverstanden war. Ich nahm diese Seite daher eine Weile vom Netz. Aber nun - nach genügend zeitlichem Abstand - setze ich sie wieder online. Vielleicht hilft es ja einem Kollegen, der in einer ähnlichen Lage ist und hier gleich mal erfährt, woher hinter all dem freundlichen und schleimigen Gesose von Chefs und Disponenten der Wind wirklich weht.



Erstveröffentlichung: 10.09.2009

RAFA's satanic site
© 2009 by RAFA