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Braille

Seite erstellt/geändert am: 29.12.2004

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Es geht darum, wie ein Mensch schreibt. Man geht davon aus, dass es von der Persönlichkeit geprägt wird, was man in der Schule gelernt hat.

Bei der Graphologie zu berücksichtigen ist auch das Alter: Alte Leute wurden in der Schule getrimmt.

Ebenso der Beruf: Leute, die viel handschriftlich schreiben, schreiben natürlich anders als welche, die sich ab und zu nur handschriftliche Notizen machen.

Was man schreibt, ist man selbst. Die Schreibspur ist eine Körperbewegung. Wenn man eine Schrift sieht, kann man intuitiv das Bild des Schreibers vor sich aufbauen. Man muss die Schrift einfach nur anschauen und auf sich wirken lassen.

Wie jemand schreibt, so ist er.

Es gibt aggressive Leute: Die haben Säbel-artige Linien in ihrer Schreibspur, etwa sowas:

Es kann sein, dass er von sich aus aggressiv ist oder dass er sich angegriffen fühlt.

Der Aggressive nimmt auch seinen Stift nicht in die Hand, sondern in die Faust. Wenn er - zu früheren Zeiten - einen Punkt auf der mechanischen Schreibmaschine getippt hat, dann war ein Loch im Papier. Kraft ist Aggression.

Wer sich zurück zieht macht einen waagrechten Strich am Ende. Es ist ein Schutzkreis, den man um sich rum zieht. Beim e oder beim r gibt's solche Striche:

Wer die Last der Welt auf den Schultern hat, dem wird alles schwer. Es drückt ihm die Schultern runter:

Arkaden:

Die ganzen Bögen, das sind die Schultern. Man nennt die Bögen "Arkaden". Wir beißen halt die Zähne zusammen und dann wird das schon. Seine Schrift schaut auch sehr ordentlich aus. Das Motto ist "durchhalten!". Er zieht den Kopf ein, hat auch ein steifes Handgelenk: er schreibt sehr senkrecht, die Handflächen sieht man nicht. Er verbirgt etwas. er bemüht sich, dass es wenigstens funktioniert, wenn es schon nicht schön ist. Eigentlich wollen solche Leute ihre Sachen ganz anders machen, aber das macht man ja nicht. Solche Schreiber sind stur und ordentlich.

Girlanden:

Man bewegt die Hand viel mehr. Mit ein bisschen Fantasie kann man die Handfläche sehen. Er ist ein Schlamper, aber lockerer drauf. Es kommt drauf an, wie der Mensch dort sitzt und das sieht man an der Schrift.

Manche Leute haben ganz große Schriften. Er braucht viel Platz, Raum - es ist die Geste: Wo soll es aufhören? greift er auf den Nachbarn über? Er sagt: "alles meins!" Keine Bescheidenheit, alles meins.

Manche Leute haben ganz spitze Schriften. Sie sind auch sehr eng. Sie verspannen sich überall. So eng und spitz kann man nur schreiben, wenn man die Ellenbogen ganz stark an den Körper zieht. Er ist verklemmt und macht sich klein, hat einen reduzierten Umweltkontakt.

Früher hat man bei Einstellungsgesprächen den Menschen was schreiben lassen. Daraus schloss man auf seinen Charakter.

Schreibgeschwindigkeit

Manche malen regelrecht, andere sind flott. Wie schnell man etwas schreibt ist ein Hinweis darauf, wie der Schreiber sein Ziel erreichen möchte. Er soll mal seine Adresse aufschreiben. Warum er so schnell oder langsam schreibt, wissen wir nicht: Es kann alles mögliche sein.

Der Patient soll auf Wachstäfelchen einfach nur Striche mache.

Der Druck ist gleichmäßig.
Es sind die kleinen Dicken, die sind geerdet.
Die machen das halt einfach.

Der Druck ist in der Mitte sehr hoch.
Er kann nicht mit dünnen Bleistiften schreiben, weil sie abbrechen.
Er ist ein Athletiker, der Muskeldruck ist höher.

Wenn er mit Füller schreibt, sieht es nach was aus!
Es sind die Leptosomen, die langen Dünnen, die nach oben wollen.

So wie das Schriftbild ist, ist auch der Patient.

Wer viel schreibt und wenn man genervt ist, schreibt man evtl. auch ein bisschen nach links. Vielleicht hat er nur n schlechten Tag. Wer aber immer links-Betonung hat, ist nicht grad ein Gesellschaftslöwe.

Was man geschrieben hat, kann man in 3 Rubriken einteilen:

Die Betonung ist hier nur auf die Länge bezogen, nicht auf das Volumen.

Eine Oberlängenbetonung geht mit dem Geistigen einher. Durchgeknallte Esoteriker, Psychiater, Menschen mit hohen Idealen haben Oberlängenbetonung. Solche Leute machen sich auch oft was vor. Es könne auch wahnsinnige Machthungrige sein. Abstrakte Ansprüche, die nicht unbedingt ins Reale gebracht werden sollen. Das Abstrakte, Ideale, Leute, die die Welt verbessern möchten. Es kommt aber auch immer auf die Situation an, in der er geschrieben hat.

Die Betonung sollte schon mind. das 1,5-fache sein, um als auffällig zu gelten.

Wenn die Mittellänge betont ist, heißt das: Er bemüht sich um Realität. Er ist bemüht um Klarheit des Bewusstseins, wenn die Mittelzone das Dominante ist. Es bedeutet: Stimmungen, die man weiß. Er rennt da hin, was er kriegt - also es ist schon was Realistisches.

Unterzone: Bodenständigkeit, Materialistisches. Es sind die Wurzeln. Er ist unflexibel, geerdet. Es kann auch materielles Interesse bedeuten: Geld ist für ihn ein Thema. Es muss nicht heißen, dass er es hat, vielleicht hat er sogar Schulden, aber es ist für ihn ein Thema. Das, was er hat, das hat er.

Es hat auch mit Trieb, Sinnesfreude und Sexualität zu tun. Den sind die archetypischen Informationen, die in der Unterlängenbetonung stecken.

Triebhafte sind nicht Triebtäter! Es kann z.B. ein Triebhafter auch ein Alkoholiker sein. Es heißt nur, dass Trieb für ihn ein Thema ist.

Wenn alle 3 Zonen halbwegs ausgeglichen sind, dann ist der Mensch ganz gut zufrieden. Er empfindet sich innerlich nicht als veränderungsbedürftig.

Wenn einer betont ist, hat er eine Spannung - und ein Problem damit - wie er das dann auslebt, ist verschieden, aber es ist für ihn ein Thema. Auf welchen Ebenen ist die Spannung in diesem Menschen?

Wenn einer nach außen will, dann hat er eine sehr schräge Schrift. Jetzt gibt es welche, die gehen auf den anderen zu, aber jetzt merkt der den und *schwupps* schon geht er zurück. Das sind dann so rückläufige Kringel in der Schrift, z.B.:

Linkslastige Schrift bedeutet: Wenn es ein Theoretiker ist, dann passt das! Er ist ein Analytiker.

Schnörksel heißen: Rückzieher machen! Dazu gehören auch i-Kringel statt Punkte. Das deutet auf leichte, soziale Unsicherheiten hin.

Er zieht flüssig nach links

Schnörksel - Schulterbewegung, es ist nicht flüssig.

Er bremst sich (mehr). Rückwärtsbewegungen bremsen. Ist es auffällig? Wieviel ist davon drin? Alles, was zu viel ist, ist ein Hinweis (auffällig).

Man könnte auch vielleicht rauskriegen, wie weit echt sich der Neurotiker zeigt oder nicht. Er verstellt sich ja oft. Entspricht das, was er erzählt, auch seiner Schrift? Schriften ändern sich nämlich und wenn er ein Problem hat, sollte man das an der Schrift sehen.

Der Patient sollte beim Schreiben sitzen. Er sollte das Papier nicht festhalten müssen.

Schreibzeug

Mit einer Feder schreibt man bewusster. Man bringt die Persönlichkeit nach außen.

Kugelschreiber: Die Tinte spotzt oft ein bisschen, also ist schlechter zu verwerten, weil der Schreiber sich schon automatisch deswegen verkrampft.

Bleistift wäre sehr gut, aber wer schreibt schon mit Bleistift?

Faserschreiber: Sie wurde für technische Zeichner und Architekten erfunden. Man macht immer einen gleichmäßigen und durchgezogenen Strich. Man hat dadurch überhaupt keinen Charakter drin! Es sieht aus, als wär es mit der Schablone gezeichnet.

Kraft wird gezeigt, die vielleicht gar nicht da ist? Es ist auf jeden Fall vorgetäuscht bzw. soll vorgetäuscht werden.

Man soll daher dem Patient einen Bleistift reichen zum Aufschreiben der Adresse.

Jugendliche in der Pubertät schreiben gern in verschiedene Tintenfarben. Sie probieren sich halt aus.

Wenn man eine Schrift nach macht, kann man das nur, wenn man sich in die Persönlichkeit des Schreibers versetzt.

Hr. Klages hat sich mit Graphologie beschäftigt. Sein Buch ist alt und sehr holprig geschrieben. Klages war Arzt. Er postulierte 4 Schriftarten, die er nach Gehirnsektoren benannte:

Pallidumschrift

Sie ist gekennzeichnet durch unzureichende, willkürliche Hemmung. Es sind Temperamentsbolzen. Dem Schreiber fällt was ein, dann fällt ihm was anderes ein... eine volle Sauklaue, man kann es grad noch lesen. Er möchte gelesen werden. Das, wo die Action ist. Das Gehirnteil schiebt was an. Er ist mal so, mal so, ordentlich, flatterhaft. Er ist kein Buchhalter. Er ist kreativ, hat Ideen, es ist Schmackes dahinter, er ist ein Chaot. Wenn er sehr extrem ist, ist er vielleicht Maniker. Er hat 1000 Ideen. ER hat immer was vor, hat oft Eile.

Striatumschrift

Es hemmt das Pallidum. Es ist eine gehemmte Schrift, total klein, eine schlechte Schrift. Der Schreiber ist unsicher. Sein Motto: Man muss es nicht mal ordentlich mache, sondern man darf nur nicht auffallen. Er ist gehemmt, sperrt sich selber ein, ist sehr zurückhaltend.

Cortexschrift

Es kommt aus der Kognition. Er lebt und schreibt nach Regeln, hat eine geregelte Schrift. Eine Schrift ist eine Mitteilung, man sollte sie vor allem lesen können. Sie ist formal, gesteuert, er ist ein Schönschreiber. Er möchte die Dinge eben geregelt haben. Er hat eine Formel, die heißt "ordentlich" und er empfindet sich auch so . Ob er es IST, ist die andere Frage! Er kann schon ein Schlamper sein, aber er bemüht sich, Ordnung in die Dinge zu bringen.

Wenn die Mittellänge betont ist: Es ist ich-betont und er bemüht sich um Tatsachen.

Subcorticale Schrift - Hirnstamm

Es ist eine rhythmische und ausgewogene Schrift, die Schwingung ist besser und einheitlicher, koordinierter. Da steht das Thema "Harmonie" an. Vielleicht hat er Harmonie, oder er will sie haben. Aber es ist sein Thema. Wenn die Buchstaben enger beieinander stehen, ist es ein bescheidener Mensch.

Der Strich unter der Lupe: Je klarer und je fester der Strich ist, um so klarer ist der Charakter. Es heißt klar - nicht gut! Deswegen das mit den Faserschreibern (Vortäuschung). Wenn der Strich fein ist, fast gepunktet, nicht stark aufdrückt, das ist ein Netter, bestimmt keine Führungspersönlichkeit.

Wie sind die Kräfte des Patienten gelagert? Es gilt das Raumbild und die Zonenbetonung: Wo schreibt der Mensch auf diesem Blatt Papier? Besonders schön kommt das auf Postkarten hervor, da reicht der Platz nicht. Wo patzt er den Rest gar hin? In diese Richtung geht es (es gilt das Raumschema nach Grunwald, siehe Baumtest). Das hat damit zu tun, wie er den Adressaten einschätzt. Es geht um das Sozialverhalten, wie sich der Mensch innerhalb der Gemeinschaft bewegt: soziale Reife heißt es bei Klages.

Große Anfangsbuchstaben

Alle Großbetonungen sind auffällig. Die richtigen Angeber machen nur Großbuchstaben. Wenn einer Architekt ist, ist das was anderes: Er ist es so gewöhnt, muss in seinem Job so schreiben, er hat es so gelernt. Aber ansonsten ist er ein Angeber. Er schreibt nicht viel, aber was er schreibt, hält er für echt wichtig!

Großbuchstaben sind keine fließende Schrift.

Wortabstand

Der Abstand zwischen 2 Wörtern beträgt 1 Buchstabenlänge. Man sollte ein n zwischen 2 Wörter rein bringen. Ansonsten ist es ein engerer oder weiterer Wortabstand: Das hat mit dem Raumgreifenden zu tun. Wenn man in der Schule 4 Seiten Aufsatz schreiben musste, hat man das gemacht.

Dem Schreiber fällt also nichts ein, aber er muss den Raum füllen.

Verbundenheit der Buchstaben

Wieviel Buchstaben hängen aufeinander? 3-4 Buchstaben sollten aneinander hängen, dann sollte ein kleiner Absatz sein. Es zeigt die Verbundenheit der Mitmenschen. Wer hohe Verbundenheit hat, fügt alles zusammen. Er kann die Gedanken der anderen gut zusammen führen, kann gut systemisch das Ganzheitliche überblicken.

Sind die Buchstaben alle etwas isoliert, ist der Mensch auch isoliert. Er analysiert immer die anderen und hält sich selber lieber raus.

Die Verbundenheit ändert sich meistens nicht: Eines Menschen Schrift von früher ist meistens genauso verbunden wie seine heutige.

Man kann mit der Graphologie darstellen:

Das allgemeine Verhalten des Patient und wie er reagiert
Welche Arten geistiger Fähigkeiten sind am ehesten ausgeprägt?
Disziplin
Ich-Bewusstsein
Minderwertigkeitsgefühle
Stimmungen: An den anderen hingelehnt oder eher von ihm weg - gedehnt? Emotionale Stimmungen kann man abschätzen

Wenn die Schrift wesentlich anders ist als das, was der Patient erzählt, dann sollte man als Therapeut aufhorchen.

Versteifung - plötzliche Richtungswechsel. Man fühlt sich eigentlich so (in seiner Schrift) ganz wohl, da erschrickt man: "Oh das kann ich ja nicht machen!" und dann schreibt man in die andere Richtung.


Waagrechte Striche bedeuten ein Grenze. Bis hier her und nicht weiter!

Die Unterschrift gibt das rüber, wie der Mensch gesehen werden will - nicht wie er ist.



Erstveröffentlichung: 29.12.2004

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