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Seite geändert am: 15.10.2003

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Pubertäre Entwicklungsaufgaben

1) Körperbewusstsein
Wer sich hässlich findet, hat die pubertäre Entwicklungsaufgabe Körperbewusstsein nicht gelöst.

2) Ausgestaltung der Geschlechterrollen
Man muss für sich eine Idee haben, was Männlein oder Weiblein ist.
Bin ich Männlein oder Weiblein?
Was passt zu meinem Geschlecht?
Wie weit soll-darf-will-muss eine Frau Nägel in die Wand schlagen und Autos reparieren?
Heutzutage gibt es sehr viele Chancen, aber damit auch sehr viel Verunsicherung. Keiner weiß mehr, wo es lang geht; niemand gibt einem vor, was Sache ist.
In der Pubertät ist man schon sowieso besonders verunsichert.
Bei der Frau ist es einfacher, denn wenn sie eher männlich ist und alles managed, gilt sie als super, selbstständig und toll. Daher kann sie noch eher alles mögliche mal ausprobieren. Der Mann dagegen gilt gleich als Weichei und Warmduscher, wenn er sich zu smart verhält.

Rolf Oerter und Leo Montada:
Mit 50 hat man das dann begriffen, ob man n Männchen oder n Weibchen ist.

3) Erwachsensein bedeutet: Unabhängigkeit von den Eltern
Raus aus der Kinderrolle, mit den Eltern gleichberechtigt sein. Das heißt nicht, sich über oder unter den Eltern zu fühlen, sondern auf gleicher Höhe! Es zeigt sich schön, wenn man die Eltern mit ihrem Vornamen anredet.
Bei kleinen Kindern ist es nicht gut, wenn sie die Eltern mit ihren Vornamen anreden sollen. Ein kleines Kind braucht in Mama und Papa Leitfiguren, zu denen es aufschaut und bei denen es sich beschützt fühlt. Die Erwachsenen sollten aber kein Problem damit haben, ihre Eltern mit Vornamen anzureden. Die Benennung wirkt wahre Wunder! Die Anrede ist sehr wichtig für das Verständnis und für die Position im Gegenüber.

Die Pubertierenden sind eh völlig durch den Wind und hauen mit Gewalt in alle Normen.

Die Eltern können aber auch nicht loslassen. Die Eltern sollten nämlich das Kind auch irgendwie blöd finden und rausschmeißen - so ist es jedenfalls im Tierreich: Da kommt die Phase, wo die Mutter das Junge davon jagt, weil sie es einfach bescheuert findet.

Erst wenn die Trennung von den Eltern wirklich vollzogen ist, kann man mit 30 oder 40 wieder mit den Eltern klar kommen (muss aber nicht). Man sollte mit ihnen dann ganz normal umgehen können.

90,2 % unserer Patienten werden genau das nicht geschafft haben und haben zu ihren Neurosen und Problemen auch bei der erfolgreich abgeschlossenen Pubertät ein Defizit.

Die Eltern erwarten irgendwie, dass ein Kind sein Leben für sie gibt, so wie sie ihm das Leben ja auch geschenkt haben, d.h. das Kind sollte die alternden Eltern pflegen. Die Gesellschaft erwartet das auch. Ein Kind, das sich den alternden Eltern zur Pflege verpflichtet fühlt und diese durchführt, hat die Trennung aber nicht vollzogen. Von der Natur ist das also so eigentlich nicht gedacht.

4) Berufliche Karriere
Was will ich denn?
Der Beruf sollte etwas sein, wo man dahinter steht. Es sollte eine Berufung sein. (Heute ist Theorie-Abend und in der Praxis sieht das natürlich alles oft recht anders aus)

5) Familie gründen
Hier sollte man einen Standpunkt haben: Wie stellt man sich eine Ehe vor? Wie kann man mit einem Ehepartner umgehen? Will ich Kinder oder nicht und wie auch immer, warum will ich sie oder auch nicht?

Wir bauen als Erwachsene eine eigene Ethik auf. Eine eigene Bewertungsinstanz muss entwickelt werden: Was ist für mich richtig, was finde ich für mich falsch?

Es sind also sehr hohe Anforderungen an einen Pubertierenden, die hier bewältigt werden sollten.

Coping

Das Lösen von Entwicklungsaufgaben, das Probleme lösen heißt "Coping".
Coping-Strategie bedeutet: Wie gehe ich mit Problemen um?
Eine Coping-Strategie kommt erstmals sichtbar in der Pubertät zum Vorschein. Der Jugendliche probiert es aus, bis er seine persönliche Coping-Strategie findet. Bisher war er ein Kind und rannte zu Mama, wenn er ein Problem hatte.

Es gehört dazu, dass der Pubertierende und seine Methoden von Erwachsenen nicht für voll genommen werden. Der Jugendliche ist damit psychisch an die Luft gesetzt und macht unabhängig von den Erwachsenen seine eigenen Erfahrungen.

Wie schätze ich die Situation ein?
In der Schule gehen die Noten runter. Dem Pubertierenden ist das evtl. egal. Welche Handlungsmöglichkeiten sieht der Jugendliche? Stellt er sich das leicht vor? Klappt es nicht, wie er es sich vorstellt? Erfolgt eine Neubewertung der Situation aufgrund von Misserfolgen, dann hat er etwas gelernt!

Psychologie: Wie weit ist ein Mensch mit seiner Coping-Strategie? Daran erkennt man das "psychologische Alter".

Coping-Strategien gehen auch schief! In der Pubertät ist die Suizidalität sehr hoch! Bei Mädchen ist sie höher als bei Jungs. Hauptursache:

- Liebeskummer.
- Elternhaus: die Kinder haben keinen Halt. Wenn die Anpassung an die Familie schon als Baby nicht geklappt hat, tut das Kind meist nichts, aber als Pubertierender hauts dann die Sicherung durch und der Jugendliche bringt sich um. Suizidgefahr ist groß, wenn viele Punkte zusammen kommen und der Jugendliche keine Lösung sieht und bei den Eltern keinen Rückhalt findet (oder bei der Tante, dem großen Bruder - auf alle Fälle einem Älteren)
- Schulprobleme
- das Gefühl "keiner ist da, der mir helfen kann"

Je mehr sich der Jugendliche mit dem Thema Suizid, Tod, Grab, Leben nach dem Tod etc. beschäftigt, desto geringer ist die Gefahr, dass er sich wirklich umbringt. Jugendliche machen sich meistens viel Gedanken darum: Was ist nach dem Tod?

In der Therapie muss man die Patienten reden lassen. Die Jugendlichen reden normalerweise von ganz alleine. So finden sie ihre Coping-Strategien.

Hauptentwicklungsaufgabe in der Pubertät: Wissen, was ich will!

Der Pubertierende spürt, dass er eine große Entwicklungsaufgabe zu lösen hat und ist extrem verunsichert. Er nimmt sich ein Thema nach dem anderen vor, jedes Thema einzeln. Wenn er dagegen 30 Jahre lang an einem Thema bleibt, stimmt was nicht.

Der Jugendliche muss seine eigene Identität entwickeln:
Für wen halte ich mich selbst?

Welche Fähigkeiten habe ich? Was kann ich, was kann ich nicht?

Man sollte eine Idee haben: Wie entwickle ich mich mit meinen Fähigkeiten in die Zukunft?

Die affektive Komponente gehört dazu:
- Selbstwertgefühl
- Minderwertigkeitsgefühl
- Selbstsicherheit, Selbstvertrauen

Zwischen Männlein und Weiblein gibt es folgende Unterschiede:

Frauen sind unsicherer. Sie machen das, was man immer sagt, sie sind braver, angepasster, formbarer. Sie sind meistens besser in der Schule, kämpfen nicht gar so gegen ihre Eltern. Sie sind intriganter, sozialer. Sie kennen gesellschaftliche Regeln besser, sie wissen, wo es lang geht und was "man" tut und was nicht.

Männer haben die größere Klappe. Sie überschätzen sich leicht.

Dementsprechend wählen sie ihre Berufe:

Frauen ergreifen gern Assistenzberufe
Männer meinen, sie können alles. Dann können sie es halt doch nicht, darum gibt es unter Männern mehr Studienabbrecher. (Huaa: Ich bin ein Mann! Ich habe es schon immer gewusst! )

Die meisten Jugendlichen fühlen sich prinzipiell eigentlich wohl, haben aber depressive Phasen. Bei den Frauen sind die Depressionsphasen ausgeprägter, sie fühlen sich meistens hässlich. In der Pubertät kommt das so langsam raus, bis 35 sollte es sich relativiert haben.

Identifikationsdiffusion

Die Frauen definieren sich häufig über ihren Mann.
Entweder findet frau die Identität und weiß, wo es lang geht, oder nicht: Identitätsdiffusion. Frau lässt sich sagen, wie man fühlt, was man tut. Nach 50 Jahren Ehe - oops - da stirbt der Mann... und die Frau stirbt mit.

Die meisten Jugendlichen haben anfangs eine überzogene Identität.

1) Phase: Er identifiziert sich mit seinem Vater. Er empfindet als ein Kompliment, wenn jemand sagt "du bist wie dein Vater!" Der Jugendliche versteht sich auch mit seinen Eltern. Die Eltern sind das Vorbild, insbesondere Familienrollenvorbild (es kann auch ein Onkel sein).

2) Rollenidentität
Die Eltern suchen einen Job für den Jugendlichen. Sie sind die Berufsrollenvorbilder. Der Jugendliche probiert das aus. Nach einer Weile muckt er auf:

3) ich-Identifikation: Ich mach, was ICH will!!
Nun kann der Jugendliche das Elterliche ablehnen und seinen eigenen Weg finden.

Diese Rollen braucht man, sonst kann die Pubertät nicht erfolgreich zum Abschluss gebracht werden.

Der leitende Siemensianer, der sehr stark Rollen spielt (Chef) und die Rolle auch noch bis nach Hause spielt und sie nicht mal zuhaus ablegen kann, hat in Wahrheit wenig Coping-Strategien!

Die Jugendlichen sind eine Minderheit: In der Gesellschaft gibt es eine Menge Erwachsene und ein Haufen Kinder, aber die Jugendlichen sind eine Randgruppe. Die ganze Welt bricht für den Jugendlichen zusammen und alles scheint über ihn herzufallen, weil er alles hinterfragt und sehr unsicher ist.

Innerhalb eines halben Jahres muss alles neu gestaltet werden: Der kindliche Freundeskreis wird abgelegt, die Kinderfreunde werden verlassen und ein neuer Freundeskreis wird aufgebaut. Es geschieht eine Umbewertung der sozialen Umwelt. Alles, was bisher war, taugt jetzt auf einmal nicht mehr. Alles, was bisher schön war, findet man jetzt auf einmal blöd. Man sollte während der Pubertät in der Schule irgendwann auch mal nen 6er geschrieben haben, weil sonst übernimmt man kindliche Muster ins Leben mit.

Was der Jugendliche hat, will er nicht und was er möchte, kriegt er nicht. Je größer vorher die Liebe zu einer Person oder Sache war, desto blöder muss er es jetzt finden.

Das ist alles aber nur Hormonsache! Der Jugendliche muss lernen, neue Bindungen zu knüpfen. Tauschwerte: keine kindlichen Zuneigungen mehr.

Kindliche Unsicherheit - nichts ist mehr, wie es war - es muss eine Subkultur (Trotz) aufgebaut werden: "Das will ich ja alles überhaupt nicht!" Der Jugendliche trotzt gegen die Erwachsenengesellschaft und tut alles, um eben nicht in die Erwachsenenkultur reinzukommen. Er trägt verflickte Jeans, damit sich der Vater entnervt geniert: "Mit dir geh ich nie wieder essen in ein feines Restaurant!!!" Die Jugendlichen wollen und brauchen, dass Eltern einen Wutanfall kriegen.

Desweiteren haben Jugendliche eine eigene Sprache: Es muss eine Subkultur sein. Es muss eine Abgrenzung zu den Eltern da sein.

- Protest
- Abgrenzung
- Neubeginn

Musik

Starke Rhythmik, immer laut! Die Eltern sollen sich aufregen: "Was hörst du für eine Affenmusik, was für ein Lärm!"

In der Musik ist eine Perseveration:
- immer dasselbe
- laut
- monoton

Diese Rhythmik zieht die Angst weg, sie beruhigt. Sie entspricht dem beruhigenden, geborgenheitsgebenden, vorgeburtlichen Herzschlag der Mutter! Laute Musik wird von der Haut empfunden.

Der Kontakt zu Gleichaltrigen wird gesucht. Die Clique nennt man "Peergruppe". Es sind Gleichgesellte, Jugendgruppen, Leute, die zu dieser Subkultur gehören. Peergruppen zeichnen sich aus durch einen festen Kern (Hardcore) und ein paar außen rum (Poser). Von denen fühlt man sich verstanden. Der einzelne Jugendliche macht mit denen dann alles mit, weil ein enormer Gruppenzwang besteht. Wenn er sich die falsche Peergruppe ausgesucht hat, in der Einbrüche verübt werden, Drogen genommen werden...

Jugendliche brauchen die Peergruppe zur Ablösung von den Eltern. Sie besprechen darin Sachen, die sie nie mit den Eltern besprechen würden.

Jugendliche, die viel Zeit haben, sind öfters und länger in der Peergruppe und entwickeln sich daher besser. Wer weniger Zeit hat, sich in der Peergruppe aufzuhalten, schafft den Absprung von den Eltern schlechter.

Es wäre super, hätte man mehrere Peergruppen, da man mehrere Rollen einnehmen kann. Der Aufenthalt in den Peergruppen ist eine Prägephase, die fürs ganze Leben bleibt und meist nie mehr verlassen wird. Noch im Altersheim hängen die Menschen an anderen Alten aus der selben Peergruppe. Meist behält man alles bei, was man in der Peergruppe richtig und gut gefunden hat (z.B. politische Gesinnung etc. ).

Die Peergruppen behält man ca. 2 Jahre bei.

Die Peergruppe hat natürlich auch Einfluss auf die Schulleistungen. Es gibt nämlich welche, die verweigern jede Leistung. Das Ziel der Peergruppe ist
- Leistung
- Gebiete der Leistung
- Lebensstil
Dies prägt die Peergruppe.

In der Pubertät ist eine Therapie von außen gar nicht so schwer: Man muss nur was anstecken, der Rest läuft von alleine.

Job und Beruf

Der Mensch sollte ein Selbstkonzept haben, in das der Job passt und wofür der Job förderlich ist. Nach der Statistik sind Menschen, die mit ihrem Job zufrieden sind, gesünder, stabiler.

Job vs Freizeit als Ausgleich haut nicht hin, weil man im Job einfach zu viel Zeit verbringt. Wer interessante Jobs hat, bei dem ist auch in der Freizeit mehr los. Stumpfsinnige Arbeit verblödet mit der Zeit.

Der Jugendliche sollte einen Job machen und Kohle verdienen. Wenn er dann ein paar Jahre geackert hat, weiß er auch, was er will. Aber das ist natürlich Theorie, weil heute muss man ja froh sein, wenn man überhaupt einen Job hat.

Ein Jugendlicher, der mit 16 oder 18 schon in die Arbeitsphase eintritt, hatte nur extrem kurze Zeit der Pubertät: 1/2 Jahr Zeit für Randale. Studenten, die bis 30 randalieren können, haben für ihre Entwicklung viel größere Chancen. Sie können ja viel mehr ausprobieren. Wesentliche Themen können viel besser und intensiver angesprochen werden.

Es ist total wichtig, einen Reibepunkt in den Eltern zu haben. Wenn ein Elternteil stirbt, ist das für den Jugendlichen sehr prägend.

Es besteht eine Diskrepanz zwischen biologischer, sozialer und psychischer Reife.

Eine Hochschulausbildung ist natürlich besser, da sie lang ist und eine bessere Problemstruktur ausgebaut werden kann, da man mehr Zeit hat, Themen anzusprechen.

Wer die Pubertät hinter sich hat (frühestens mit 18), kann auch wieder mit den Eltern klar kommen.

Um 35 gibt es dann einen Knackpunkt: Man macht die Dinge nicht mehr planlos ohne nachzudenken, sondern fragt sich "was mach ich hier eigentlich?" Mit 35 kommt deswegen so eine psychosoziale Krise (Midthirty-Blues).

Die Pubertät schiebt an, man fängt an zu rennen und mit ca. 35 taucht überhaupt mal die Fragestellung auf, man überdenkt alles noch einmal und es kommen diverse Zweifel auf. Man stellt fest:
oh, ich bin ja verheiratet!
Was - diesem blöden Kerl hab ich die besten Jahre meines Lebens geopfert?!

Wie eng darf eine Partnerschaft sein, um sich nicht selber darin zu verlieren? Erlaubt die Partnerschaft ein gesundes Ich-Bewusstsein?

Man stellt fest: Männlein und Weiblein lösen Probleme unterschiedlich. Der Mann geht den Problemen eher aus dem Weg. Männer gehen besonders in ländlicher Region dann ein wenig ins Wirtshaus, sie bescheißen sich aus der Ehe raus.

Bei Beleuchtung des bisherigen Lebensweges fühlt sich eine Frau eher verantwortlich für die Beziehung.

Männlein und Weiblein haben unterschiedliche Problemlösungsstrategien: Die Frau muss lernen, sich nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Der Mann muss lernen, sein Heil nicht in der Flucht zu suchen. Sie haben eine gemeinsame Krise. Ihre Ehe muss erneuert werden. Viele lassen sich in dieser Phase scheiden. Sie suchen sich einen neuen Partner und fangen mit dem wieder ganz von vorne an - nämlich in der Pubertät, auf pubertärer Stufe!

Entwicklungsaufgabe Mitte 30:
Die Frau muss Abgrenzung üben, der Mann die Konfrontation mit Problemen.

Die Partnerwahl: Der erste Partner ist eher einer, der gleich ist wie man selber. Gleich und gleich gesellt sich gern. Die Gleichheit sucht man zur Selbstbestätigung. Das hält bis der Verstand einsetzt und dann überlegt man sich die Unterschiede, denn die gibt es ja auch. Andauernd das Gleiche ist ja auch nichts: "Wir haben gedacht... wir sehen das auch so... wir meinen" Die Gleichheitsphase ist irgendwann überwunden und man sieht die Unterschiede zw. sich und dem Partner.

Zwei unsichere Menschen lernen sich in der Jugend kennen. Sie nehmen zuerst die Gleichheiten und Ähnlichkeiten an sich wahr. Die Bestätigung des Selbst, die man im anderen wahrnimmt, findet man toll - das nennt man dann Verliebtheit. Man lernt sich mitzuteilen, weil man sich so ähnlich ist. Es kommt zu einer engen Beziehung und Rollenübernahme (sie ergänzen sich beide). Sie hat blonde Haare, ist hübsch und wird zur Hausfrau und Mutter. Er ist der Fels in der Brandung, so stark, und erledigt die Außenpolitik. Sie passen toll zusammen.

Man orientiert sich beim Rollenverhalten an den Eltern. Der Mann ist wie sein Vater.

Das Rollenverhalten vertieft sich: die Hausfrau wird immer blonder, der Mann immer stärker und versierter. So lang die Rollen konkordant sind und sich schön ergänzen, ist alles in bester Harmonie.

Aber nun stellt einer mit 35 fest, dass Unterschiede bestehen und sie müssen ihr Rollenverhalten ändern und dann krachts. Dem anderen wird die Schuld gegeben für die eigene Krise. Das ist natürlich höchst kontraproduktiv.

Was braucht man einen Partner, der so ist wie man selbst? Man kann doch den Kerl einfach so lassen wie er halt ist! Wenn einer selbstständig genug ist, muss man doch damit leben können, dass der Partner anders ist als man selber.

Man meint die ganze Zeit, der Partner ist so und so. Nun sieht man aber: Das stimmt ja gar nicht! Der ist ja ne eigenständige Persönlichkeit!" Es kommt zu einer Krise, die eigentlich nur beinhaltet, wie man mit sich selbst klar kommt! Wenn man sich selber gefunden hat und seine 35er-Krise erfolgreich abgeschlossen hat und danach noch immer sieht, dass dieser Partner eigentlich zum Kotzen ist, dann kann man sich scheiden lassen. Ansonsten fällt man zurück und fängt von vorne wieder an, wenn diese Entwicklungsaufgabe nicht erledigt wird.

Man wächst an der Konfrontation.

Die 35-Krise kann auch bei Unverheirateten auftreten. Dort bezieht es sich dann halt auf den Job. An etwas Äußerem wird die Krise festgemacht. Die Ursache ist man aber doch nur selber. Man muss lernen, selbst mit sich klar zu kommen und wissen, was man eigentlich will: Stellung beziehen und Abgrenzung schaffen. Wenn das erledigt ist, ist die Entwicklungsaufgabe abgeschlossen.

Jeder, der in diese Phase kommt, will, dass der Partner die eigenen Probleme löst bzw. versucht, seine Probleme über den Partner zu lösen. Der Mann spielt die Vaterrolle für die Frau und frau merkt das erst mit 35. Die Frau wirft ihm nun vor, dass er ist wie ihr Vater und dass sie sich scheiden lassen will. Sie macht also Schluss, weil er so ist, wie sie vormals wollte, dass er ist! Das ist aber dann IHR Fehler und IHRE Entwicklungsaufgabe.

Wenn man sich auseinander gelebt hat, kann man sich ja scheiden lassen. Ansonsten sollte man das vermeiden und die Entwicklungsaufgabe zusammen mit dem Partner bewältigen.

Im Job gibt es eine ähnliche Entwicklung: Mit 35 merkt man, dass es auch Freizeit gibt! Zuerst rast und rennt man. Ab 35 fragt man sich "wo geht es eigentlich hin?" Die Leute wechseln ihre Arbeit. Entwicklungsbewusstsein.

Jenseits der 40:
Die Midlife Crisis setzt eigentlich eher so mit 50 ein, aber auch schon mal mit 40.
Die biologischen Funktionen werden abgebaut, das Thema "Altern" steht auf dem Plan! Die Periode bleibt zum ersten Mal aus.

Der Mann wird nicht alt. Er wird nur reifer, interessanter *püh*. Er muss sich beweisen und nimmt sich Freundinnen. Da er nicht altert *püh*, geht er auch mit dem Thema "altern" nicht um - wozu schon *püh*?!

Die Jüngeren sind schneller und man solle sie vor lassen. Man bringt weniger Leistung. Man muss lernen, die anderen gewinnen zu lassen, sich überholen zu lassen. Man muss bremsen lernen. Das ist schwerer als hetzen. Endogene Depressionen tauchen auf: Niemand sagt einem, was Altern überhaupt ist!

Ab 45, 50 muss man nicht mehr so schnell rennen. Das Thema ist: andere gewinnen lassen. Die meisten schaffen das nicht oder nur sehr schlecht, sich zurückzulehnen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

In unserer Gesellschaft ist Altern nicht vorgesehen!

In der Biologie ist es so, dass wenn man selber keine Jungen mehr kriegen kann, dass man die Jungen von den anderen hütet, den anderen bei der Aufzucht der Jungtiere hilft. Delfine bilden regelrechte Kindergärten: Die alten Weibchen scharen die ganzen Jungtiere um sich und die Mütter können auch mal davon schwimmen und jagen.

Die Entwicklungsaufgabe ist also das Altern: langsamer machen, ruhiger werden.

Deswegen verblödet man doch nicht und wird davon auch nicht krank!

Ältere - ab 50, 60, 70 - sind nicht mehr so flexibel und passen sich auch nicht mehr an und dazu haben sie doch eigentlich auch ein Recht! Das müssen sie ja auch nicht (mehr)! Sie haben's ja bis hier her geschafft und das reicht doch...

Intelligenzabbau im Alter ist biologisch nicht begründbar. Nur, wenn man alles verdrängt und wenn die Entwicklungsaufgaben nicht gelöst wurden, dann hat man ne ganze Menge Sachen zu verdrängen! Irgendwann macht man gar nichts mehr als nur noch vor dem Fernseher zu hocken und damit alles zu verdrängen. Man setzt sich mit nichts mehr auseinander und verdrängt alles nur noch und daran verblödet man dann, denn da bleibt man dann echt stehen!



Erstveröffentlichung: 15.10.2003

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