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Seite erstellt/geändert am: 30.10.2002

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...halb- bis gar-kein-wissen unterjubelt, um zu demonstrieren, wie unendlich weit und gescheit man selber ist * schüttel - grausel*,
ähm.
DOCH!
Klar zeig ich, wie weit ich bin.
Klar schreib ich eigentlich für mich, les meine Mails nachher alle noch 20 x durch und bewundere mich, was ich alles Tolles geschrieben hab.

Vielleicht ist ein nennenswerter Unterschied der, dass ich meine Sprüche nicht irgendwo nur gelesen habe, sondern dass es vielfach einfach Schlussfolgerungen sind, die ich für mich so aus meinen Erlebnissen und Selbst-Erleben gezogen habe.

...so lange im kreis, bis der schrott tot war - hmm - auch ne überlegung - vielleicht hat gott mich gerade in die wüste geschickt !?
Also ich verstehe glaub ich nur allzu gut, was du da ansprichst, weil es mir sehr ähnlich geht. Dazu möchte ich gleich von vorne herein sagen, dass ich die Lösung weiß, aber selber auch nicht den Mut habe, das durchzuziehen. Ich sollte deswegen also den Mund halten. Ich sag sie aber trotzdem:

Die Lösung ist ganz einfach! Zumindest kann man sie aufs Simpelste reduzieren: Es gibt 2 Welten (wahrscheinlich gibt's natürlich mehrere, aber ich konzentriere mich nun mal nur auf diese 2). Eigentlich sind es ja "nur" Perspektiven, aber aus den Perspektiven bilden sich eben ganze Welten, daher nenne ich es "Welt".

Die Lösung *tätäretäää, Fanfare*:
Das eine ist die Welt der Leistung, das andere die Welt des Menschseins.

Ich weiß nun nicht, ob es in anderen Kulturen auch so schlimm ist, aber wir Europäer oder Westliche oder 1.-Welt-Leute oder Industrieländerbewohner oder wie auch immer, trifft das besonders stark. Schon als kleine Kinder werden wir auf ein Leistungsleben vorbereitet. Ich war noch nicht mal in der Schule, da erzählte mir mein Papa auch schon, dass ich mal Lehrerin werden würde, wenn ich groß bin und einen Doktor heiraten soll. Dergleichen sagte er mir öfter. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass er auch mal sagte, dass ich diesen Doktor oder Mann oder wen auch immer, eigentlich auch mal LIEBHABEN soll. Natürlich wurde ich extra NICHT Lehrerin und als ich flügge wurde, suchte ich mir zum Entsetzen meines Papas nur beruflich-soziale Taugenichtse, Hippies, Gammler und Kerle, die nix gelernt hatten ;-). Wenn einer schon bloß sagte, dass er Student war, hatte ich schon gar kein Interesse mehr an ihm. Besonders toll fand ich dagegen Männer, die schon mal im Knast waren etc.. Naja, kleine Trotzphase, höhö ... ;-)

Wurscht, ich will ja da jetzt nicht von meinen Affären erzählen *süffisant ggg*....

Auf alle Fälle schwebt in unserer deutschen Luft das Leistungssyndrom wie ein Dämon rum; könnt zumindest gut verstehen, wenn es Christen als Dämon sähen. Es ist in dem Sinn aber keiner, denn auch Satan hat mit dem Syndrom sein Problem, siehe: ich :-(

Schon früh lernt das Kind, dass ihm die Mutter Liebe für Leistung verkauft. Auch meinen Mütter oft selber, dass sie dem Kind etwas Gutes tun, wenn sie dafür sorgen, dass es bei Leistungen seinen Mann steht. Das fängt doch schon an bei dem Stolz, den ne Mutter hat, wenn der kleine Depp sein erstes Wort sagt, sein zweites und sein drittes, am besten sollte er dann gleich zählen lernen und das Alphabet schon beherrschen.... ;-(

Wieviel Mütter wissen eigentlich, wann ihr Baby sie das erste Mal angelächelt hat?

Diese ganzen Kinder-Väter-Mütter-Geschichten überträgt man natürlich erst mal in die Religion. Mit der Gottheit hat man ja da so nen Macker, vor dem man nun lieb Kind sein möchte und man hat das nun einmal drin und praktiziert sofort diese aus der Kindheit angelernten Verhaltensmuster. Dazu gehört: ich muss der treue Jünger sein! Ich muss meine Treue beweisen, muss Märtyrer sein! Dann kann ich ganz stolz sein und hab für Gott was ganz Tolles geleistet. Ich muss mit Stärke bei der Sache bleiben und wie ein Soldat ums Vaterland kämpfen! Mein Glaube ist also nicht ein Späßchen, was mir Spaß und Freude macht, sondern in erster Linie ein Bereich, den ich gegen die Sünde verteidigen muss, die andauernd lauert; ich muss aufpassen, dass ich nicht abfalle, muss arbeiten, dass ich bei der Stange bleibe. Wenn ich lasch werde und merk, dass ich eigentlich grad keinen rechten Bock mehr auf Glaube und Religion habe, dann muss ich mir selber in den Arsch treten und mich am Riemen reißen und jetzt erst recht meine Leistung beweisen, die ich für Gott bringe! Naja, und so weiter...

Kurz und bündige Weisheit: Alles falsch. Ganz andere Baustelle!

Und wieder vergleich ich das so gern mit M-W-Beziehungen (auch wenn deine grad nichts Gescheites zu sein scheint und du vielleicht grad recht beziehungsverdrossen bist): Siehs als eine Beziehung oder eine Freundschaft, nicht als diese Vater-Hierarchie. Wenn du mit Gott eine Vater-Beziehung lebst, wirst du von dieser Leistungs-Schiene wohl nie runterkommen, darum leb die Freundschafts-Beziehung; wofür gibt's denn bei euch Jesus, hä? :-)

Allemal ist die Sache mit seinem Gott eine Sache des Herzens oder der Liebe oder wie auch immer: Du musst dich nach deinem Herzen entscheiden, also dafür, wonach dir jetzt so richtig ist, wo du ein Bedürfnis danach hast, wonach du Freude hast, was du wirklich willst. Alles andere hat keinen Zopf.

Jetzt blendet da natürlich gleich wieder die Leistungswelt rein und dreht den Spieß um: Du musst dein Herz und deinen Willen nach Gott ausrichten, buh! Nee! Musst du NICHT! Dein Herz geht nämlich seinen eigenen Weg und die Liebe, die man hat, kann man nicht erzwingen. Sie ist wie ein Pflänzchen und das wächst nun mal oder es wächst nicht. Wie es halt soll. Was aber auf alle Fälle Scheiße ist, ist, wenn du das Teil aus dem Boden ziehen willst, damit es größer wird: dann wächsts bestimmt nicht, sondern dann geht's ein.

Das Zauberwort heißt: los lassen!
Du musst dich also, willst du auf einen grünen Zweig kommen, der Führung deines Herzens überlassen. Und wenn sich dein Herz nun mal den weltlichen Sachen zuwendet, dann gib dich dem hin.

Merke: Du kannst immer nur lenken, ob du einen Willen auslebst oder nicht, du kannst aber nicht lenken, diesen Willen zu HABEN. Was also wollte Gott von dir verlangen?

Ich denke, das ist das Ding mit dem faulen Baum: ein fauler Baum hat immer faule Früchte - oder an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, usw. Aus einem faulen Baum wird nun mal nix Gescheites und wenn sich gleich der Baum auf den Kopf stellt.

Pech, wenn du nun ein fauler Baum sein solltest :-( nur: es nützt dir ja nix - wenn du faul bist, dann BIST dus. Du kannst es eh nur verstecken, davon wird's aber nicht besser, es stinkt nur im Untergrund.

Es ist daher das Beste, nach seinem Inneren und wahren Wünschen und Willen zu leben. Zu Deutsch: tob dich aus! Mach, was du willst! Gib dir, worauf du Bock hast! ...und selbst wenn es nun mal (deiner Meinung nach) von Gott fort führt. Wenn dir in deinem Herzen bestimmt ist, dass du fort sollst, kannst dus nicht ändern.

Klar ist das furchtbar, weil du hast ja ein Ziel (Himmelreich) und dieses Ziel, was dir natürlich das Höchste auf der Welt wert ist, musst du eigens um es zu erreichen liegen lassen und "dem Schicksal" überlassen, quasi vor die Wölfe schmeißen auf gut Glück auslosen, wird's was oder nicht, mal sehen, hühühü. Das ist etwas, was gerade ich überaus grausam empfinde und es daher einfach nicht tue. Ich will lieber sterben als das Ruder aus der Hand geben. Ich kann es nicht ertragen, die Dinge einfach so laufen zu lassen, schon gar nicht, wenn sie mir so wichtig sind, wie Religion. Ich weiß sogar, dass ich KEIN fauler Baum bin, ich WEISS, ich müsste nur los lassen und mich treiben lassen, was immer ich auch tue, der Weg zu Satan zurück ist mir bestimmt. Aber ich krieg das Kotzen und Grausen, wenn ich nur dran denk, mich einer nicht-ich-igen Führung zu überlassen (selbst wenn ich genau weiß, dass sie zu meinem Ziel führt, ich brings nicht fertig. Es ist eine Vergewaltigung meiner ganzen Person.)... es ist mir eine der schlimmsten Foltern. Allein für diesen Umstand wollte ich alle Götter kreuzigen und hasse dieses beschissene Göttervolk von Grund auf dafür. Wie eingangs gesagt. ich klugscheiße hier nur, habs aber selber noch nicht auf die Reihe gekriegt und sollte daher das Maul halten.

chaim - lebe! lebe dein leben. (werd ich nie vergessen) *schaurig schön grusel*
ja, scheußlich :-(
Drum fluche ich gern dem, der mir dieses Leben gegeben hat, weil ich hasse es und es bedeutet mir Leid.

...sogenannte götzendienst gemeint, also alles, was nach mehr verlangt (rauchen, trinken, sex, fernsehen, viel kohle verdienen (um des geldes willen - auf dem tripp war ich damals)).
Neenee, rauchen trinken... das sind DEINE Interpretationen, die du von der Prüderie, die sie im Mittelalter als Christentum verkauften, übernommen hast.

Es heißt "die Trunkenbolde sind dem Herrn ein Gräuel". Das heißt allerdings nicht, dass du dir nicht mal so ab und zu so richtig die Kanne geben kannst. Selbst Jesus hat gesoffen, oder meinst du, er hat auf der Hochzeitsfeier für die anderen Wein gemacht und für sich selber ein Glas Mineralwasser, oder was?

Ein Trunkenbold ist dagegen was anderes: Schau mal auf den Bahnhof zu den Pennern, die besoffen in der Pampa rumliegen. Da siehst du auch gleich das Gräuel, da braucht man nämlich nicht "der Herr" zu sein, da reicht auch ein ganz normaler menschlicher Blick, was das Gräuel ist und was ok ist. Das ist ganz offensichtlich. Also lass dir nicht aus lauter Geilheit auf strenge Moral, der du leistungsstark mit starken, eisernen Willen, hohoo, entsprechen kannst irgendwelche falschen, überzogenen Bindungen anlegen, die dich nur abwürgen, weil du "den Versuchungen" am Ende doch erliegst.

Keep cool, nimms lockerer - Gott hat dich als Mensch erschaffen und du darfst auch Mensch sein, also seis!

Das Verhältnis Gott-Mensch ist keine Sache von Leistung, von Gesetz oder von Einhalterei, sondern eine Sache von Liebe und Beziehung, zumindest von Seiten Gottes. Es ist daher völlig überflüssig, noch von deiner Seite aus ein Band zu Gott herstellen zu wollen; traust du dem Band nicht, das Gott zu dir geknüpft hast? Siehste: DAS wird dir seitens der Götter als Selbstherrlichkeit und Arroganz ausgelegt! Du meinst damit nämlich, dass es deine tolle Leistung braucht, und du dich selbst schöpfen oder gut machen könntest. Das ist vermessen! ICH bin so vermessen. Wenn ich den Kram nicht selber machen kann, dann leide ich nicht, dass er gemacht wird! Ich will meine Angelegenheit selber regeln. Ich habe keine Freude an irgendeinem Ergebnis, wenn ich es nicht selbst gemacht habe und stolz auf mich sein kann. Ich lebe um den Stolz auf mich! Ich fluche sogar dem Werk Satans, nur weil ich es nicht selber tun durfte. Am liebsten würd ich mich zerstören, um zu zerstören, was er getan hat und es mir damit vorenthalten hat zu tun, so dass mir der Ruhm und der Erfolg abgeht. Naja. Da sitz ich nun und fluche. Ich werd mir wohl Zähne knirschend die Seele aus dem Leib fluchen, aber ich kann mich auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln, es wird sich nichts an all dem ändern.

Naja.

Auf alle Fälle, was wollt ich sagen: mach, was du willst! Bau Scheiße oder auch nicht, geh Irrwege, lass dich ein mit Sex, Film und Fernsehen oder sonst was, was du willst und halte dich nicht zurück. Wenn dir bestimmt ist, dass du Gott finden sollst, findest du ihn vielleicht grad eben im schlimmsten Pornofilm...? Wenn dir nicht bestimmt ist, dass du Gott findest, dann kannst du machen, was du willst, es wird nix, weil du den Segen Gottes dann eben nicht hast.

Drum kann ich eigentlich auch nur sagen: lebe.
Wahrscheinlich ist wohl die größte Sünde, wenn man sich selbst vom Leben zurückhält. Vielleicht nimmt dir Gott dann eines Tages den Inhalt des Lebens, das du von ihm hast, und gibt es einem anderen, der sein Leben frisch und frei ausgelebt hat mit allen Höhen und Tiefen. Oder meinst du, der Knecht, der 10.000 Goldstücke gemacht hat aus den 1000, die ihm sein Herr hinterließ als er ging, meinst, der Knecht hat sich nicht auch mal verspekuliert gehabt und einen Verlust gemacht, so zwischendrin? Auch hier: das Blödste ist, es gar nicht erst zu riskieren und das Potenzial einfach nur zu hüten aus lauter Angst, es könnte was verloren gehen. Komischer Weise macht in der Knechte-Geschichte nicht einer von den Knechten einen Verlust! (oh, das gibt mir jetzt aber wirklich zu denken...!)

das ist echt zum irrewerden. da such ich und such ich...
richtig. Und mich nervt das auch. Nun gut, das Gesuche hab ich nun schon lang aufgegeben. Dann hab ich halt nix *verbittert*. Ich mag dann aber auch das nicht, was man mir nun zu schenken versucht, verflucht sei das, ich brauch keine Almosen! Ich kann das einfach nicht ab, ich krieg da meinen Hass.

Fortsetzung: Brief 9



Erstveröffentlichung: 30.10.2002

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