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Seite erstellt/geändert am: 10.11.2002

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Es gibt gewisse Dinge, die im Allgemeinen nur im Rahmen des Glaubens betrachtet werden. Die Menschen glauben daran oder sie glauben nicht daran und streiten sich auch gerne darum, wer Recht hat. Innerhalb ihrer (Un-)Glaubensgrenze haben solche Leute auch gelegentlich sogenannte "Zweifel", also ein Gedanke, der den (Un-)Glaubensinhalt in Frage stellt. Dieser Gedanke wird meist als unangenehm empfunden und so schnell wie möglich - meistens durch nicht besonders kräftige Argumente - von der Oberfläche des Geistes verdrängt. Da brauchen wir uns gar nichts vormachen: Einen Gläubigen trifft der Anflug von Rationalismus genauso empfindlich wie einen Rationalisten, der allen Ernstes plötzlich den Gedanken empfindet, dass es gewisse Dinge vielleicht doch gibt... Man könnte meinen, in einem (Un-)Glauben zu leben, sei diesen Leuten besonders wichtig. Dabei ist es doch so einfach, den ganzen Glaubenskram über den Haufen zu kicken und ganz einfach die Tatsachen anzusehen und die Glaubensinhalte anhand der nüchternen Realität zu betrachten um sie zu veri- oder zu falsifizieren.

Schicksal

Die einen glauben also an ein Schicksal. Die anderen haben dabei in etwa eine Vorstellung von einem großen Buch, in dem für jeden Einzelnen jedes einzelne Geschehnis aufgeschrieben steht und betrachten aus dieser Vorstellung heraus das Schicksal für eine Ausgeburt grenzenlosen, unvorstellbaren Schwachsinns (was es ja so gesehen auch wäre). Auf Details der daraus entstehenden Streitigkeiten und der darin verwendeten, teilweise hanebüchenen Argumente möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen.

Ich glaube auch an das Schicksal: Mit den Neigungen und Vorlieben, die ich habe, "kann" ich immer nur bestimmte Sachen machen, weil mir die anderen Sachen nicht gefallen und ich nicht einseh, warum ich etwas tun soll, was mir nicht gefällt (unter Vorbehalt natürlich). Da sich also meine Handlungen auf ein gewisses Tätigkeitsfeld reduzieren, reduziert sich auch die Anzahl an Arten der Dinge, die mir passieren. Gewisse Dinge passieren mir ja schon gar nicht, weil ich entsprechende Handlungen nicht vornehme. Man sieht: Hiermit ist ziemlich fest vorgeschrieben, was mir passiert, auch wenn es noch immer ein breites Spektrum ist. Dieser Teil des Schicksals liegt in meiner Hand, ist aber durch meine Charaktereigenschaften ziemlich fest vorgeschrieben. Ich müsste Dinge tun, die für mich vollkommen untypisch sind und mir überhaupt nicht entsprechen, um das fest vorgeschriebene Schicksal, das mein eigener Charakter schreibt, abzuändern. Wer aber tut schon Dinge, die ihm vollkommen zuwider sind?

Über das Schicksal, das mein eigener Charakter für mich schreibt, gibt es auch noch das Schicksal, das andere Leute mittels ihres Charakters für mich schreiben. Ich bin ja nicht alleine auf der Welt und andere Leute wirken auf mich ein. Selbstverständlich wirken sie auf eine Weise auf mich ein, die ihnen ihre Neigungen und Vorlieben diktieren. Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass die Handlungen anderer Leute an mir allesamt reiner Zufall sind. Wenn man nämlich diese Handlungen näher betrachtet, wird man finden, dass die handelnden Personen gar nicht anders handeln konnten, weil das ihrem Charakter, ihren Plänen und Zielen nicht entsprochen hätte. Also reduziert sich hier das breite Spektrum der Dinge, die mir passieren um den Faktor, den mir andere Leute zu passieren zulassen und es erweitert sich auch gleichsam um die Dinge, die mir nie passiert wären, würden diese anderen Leute es nicht für mich passieren lassen.

Darüberhinaus gibt es noch den Schicksalsfaktor, der in der Natur der Dinge liegt: Ein Felsbrocken hat im Allgemeinen eine höchst lange Lebensdauer, aber auch diese ist begrenzt. Da sie wirklich lang ist, fällt uns die Vorstellung schwer, aber es entspricht nun mal den Tatsachen, dass die Lebensdauer eines Felsbrockens unter den natürlichen und insbesondere klimatischen Bedingungen, denen er ausgesetzt ist, theoretisch exakt berechenbar ist. Genau am Tag x wird er brechen, auseinanderfallen und seine Teile dem physikalischen Gesetz des freien Falls entsprechen und sich vom Berg gen Tal befördern. Am Tag x war Sonntag, so dass Herr Y seine regelmäßigen sonntäglichen Spaziergang in den Bergen unternahm. Es ist berechenbar, völlig klar und damit unausweichlich, dass er dieses Mal leider von einem Felsbrocken erschlagen wurde.

Ich nenne das Determination, andere nennen es Schicksal. Wie auch immer: Das Ding ist berechenbar und nach allen Gesetzen der Logik zumindest bis zu einem gewissen Grad wirklich existent. Man darf bloß nicht ins Glauben verfallen, wenn man Tatsachen finden will.



Erstveröffentlichung: 10.11.2002

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