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| Seite erstellt/geändert am: 14.09.2002 | ||||
1. Wie bist du auf die Idee gekommen, dich zu ritzen? Ich meine, so etwas
fällt einem ja nicht "von selber" ein (oder?):
2. Warum ausgerechnet RITZT du dich - und tust nicht irgendwas anderes,
z.B. dich schlagen, dich sonst wie quälen z.B. indem du extra zu kleine
Schuhe anziehst, um den Schmerz beim Laufen den ganzen Tag zu fühlen, oder
dergleichen. Warum ausgerechnet ritzen?
hmm ich muss sagen, das ich das ritzen nicht als quälend empfinde. in dem
moment wo ich zur rasierklinge griff, fand ich den seelischen schmerz durch
die depression wesentlich schlimmer und wollte eigentlich nur etwas womit
ich es betäuben konnte. ein anderer grund war der: es ging mir ja körperlich
nicht schlecht und mein verstand sagte mir: alles in ordnung - alles in
butter. aber meine seele schmerzte (tut mir leid - mir fehlen einfach die
worte dieses gefühl angemessen zu beschreiben) und so fügte ich mir
körperliche wunden zu, um mir damit mehr oder weniger selbst zu beweisen das
es mir tatsächlich schlecht geht. drittens habe ich es auch damit versucht
mir den kopf an die wand zu schlagen, aber das machte zuviel krach und zog
zuviel aufmerksamkeit und nervige fragen nach sich. wohingegen das ritzen
recht unauffällig praktizierbar ist. viertens und letztens mochte ich
einfach das gefühl des blutes, das mir den arm herunterlief... ich denke
keiner dieser gründe kann für sich bestehen, aber das gemisch aus diesen
gründen liess mich dann doch immer wieder zur rasierklinge greifen.
3. Wie alt warst du, als du es das erste Mal getan hast? Wie lang machst
du es schon bzw. wie alt bist du jetzt?
hmm also wie oben erwähnt war ich circa dreizehn als ich damit anfing. in
gut einer woche werde ich einundzwanzig, allerdings bin ich seit etwa einem
jahr auf "entzug". ich habe meine rasierklingen versteckt. hatte in der
zwischenzeit zwar oft genug das bedürfniss danach zu greifen - habe aber bis
jetzt erfolgreich durchgehalten...
4. Wie sieht das aus mit den Narben? ...
die narben.... nun ja, man sieht sie halt. ich trage natürlich auch kurz-arm
shirts bei denen man sie dann sieht. aber ich geb nicht an damit, nach dem
motto : "seht mal was ich mir selbst antue, seid ihr jetzt alle
schockiert?!?!" oder "helft mir doch, seht ihr die narben denn nicht!?!?!"
natürlich hab ich mir schon mal gedanken darüber gemacht, ob ich die narben
einmal nicht mehr haben möchte bzw wie mein arm wohl aussehen würde wenn er
noch "jungfräulich" wäre. aber das sind nur gedanken und illusionen. fakt
ist, ich habe es getan (und in dem moment wo ich es tue, denk ich absolut
nicht daran wie das wohl später mal aussieht!!!!) und das kann ich nicht
mehr ändern. die narben sind nun mal da. ich sehe auch nicht ein, weshalb
ich mich schämen sollte, oder mich als etwas minderwertiges ansehen sollte.
die narben gehören zu mir und sind ein teil von mir, teil von meiner
entwicklung zu dem menschen der ich jetzt bin und sie werden mich mein
ganzes leben begleiten, aber schämen muss ich mich nicht für sie! und
peinlich sind sie mir erst recht nicht! wenn mich jemand darauf anspricht
mit dem ich nicht darüber reden möchte, weil es zu persönlich ist, dann
setze ich meine unschuldsmiene auf und frage "welche narben?" bzw "mein arm?
was ist damit?" bis jetzt ist mir noch niemand begegnet der daraufhin noch
nachgebohrt hätte. auch bei einstellungsgesprächen (waren jeweils zugegeben
nur für nebenjobs also nicht soo wichtig) hat mich noch niemand nach den
narben gefragt.
...Kann es sein, dass du durch
den Schmerz, den du dir selbst beibringst, deine Aggressionen als Kräfte
wecken möchtest, um dich gegen andere wehren zu können oder irgend so etwas?
nein, aggressionen wecke ich damit bestimmt nicht. ich bin (seltsamerweise
situations bedingt) auch sehr schmerzempfindlich. aber ich muss gestehen,
das schneiden an sich empfinde ich gar nicht als schmerzhaft und ich habe
wirklich tief geschnitten. am meisten hat es eigentlich erst im
heilungsprozess wehgetan oder wenn jemand der es nicht wusste, weil sie
durch pullover nicht sichtbar war, auf die noch offene wunde gefasst hat.
ausserdem bringe ich mir den schmerz nicht wirklich selber bei, denn ich
habe bereits den schmerz (seelisch) und suche lediglich ein ventil dafür.
6. Wie ist das? Ich meine, ich selber habe das noch nie gemacht und kann mir das auch überhaupt nicht vorstellen.
tja.. also erst einmal liegt der auslöser in meiner stimmung, in meinen
gefühlen. alle gefühle die du aufgezählt hast (Frust, Traurigkeit, Wut,
Einsamkeit, Leere) haben alle mindestens einmal zu einer "ritz-session" bei
mir geführt. meist wenn die gefühle so stark wurden, das ich nicht wusste
wie ich sie bewältigen sollte. allerdings war es meist nicht nur ein gefühl
sondern eben ein misch-masch aus mehreren, wenn nicht sogar allen. in dem
moment kann ich auch selbst nicht einmal mehr klar den grund benennen,
weshalb mir die seele so schmerzt. was wohl der grund ist warum direkte
problem lösung nicht in frage kommt. denn wie sollte ich eine einsamkeit
bekämpfen, die am stärksten ist wenn viele menschen um mich herum sind,
einfach weil ich mich mit niemandem wirklich verbunden fühle? wie soll ich
ein gefühl der inneren leere bekämpfen? wenn nicht einmal mein hund (der
mein ein & alles ist) mich noch aufzuheitern vermag, sondern eher heulkrämpf
auslöst, weil ich das gefühl habe ich bin nicht gut genug als herrchen für
ihn bzw ich würde das vertrauen das er in mich als sein herrchen setzt
enttäuschen. wie soll ich den frust bekämpfen, der sich einstellt wenn ich
merke das ich nicht glücklich bin, obwohl mein leben genau so ist wie ich es
mir vorstelle und ich theoretisch zufrieden sein sollte? wie soll ich die
wut und die ohnmachtsgefühle bekämpfen, wenn ich weiss, egal was ich tue
nichts wird sich ändern, die welt dreht sich einfach weiter - das macht mich
wahnsinnig aggressiv und zugleich habe ich nichts gegen das ich diese
aggression lenken kann, ausser mir selbst... je nachdem welches dieser
gefühle der tatsächliche auslöser ist, weil es einfach überhand nimmt,
entsprechend unterschiedlich ist die art meiner ritzerei. wenn die
aggressive tendenz überwiegt, dann schneide ich einmal schnell und tief -
meist ist danach das bedürfnis vorbei. wenn es eher aus einer depressiven
stimmung heraus geschieht (bei weitem der häufigste auslöser, wenn ich so
darüber nachdenke) dann waren es meist mehrere langsame tiefe schnitte.
einige male habe ich auch einen schnitt zweimal ausgeführt, weil meiner
meinung nach das blut nicht genug floss und ich den schnitt vertieft habe um
den von mir gewünschten effekt zu erzielen. etliche male hab ich so tief
geschnitten das es theoretisch hätte genäht werden müssen, aber ich bin
damit nie zum arzt gegangen. wozu auch, die wunden sind auch so geheilt.
wenn das blut dann meinen arm hinunterfloss und ich ihm zusehen konnte, wie
es sich seinen weg bahnte, fühlte ich mich erleichtert. meist schlief ich
danach müde ein, als ob meine seele gearbeitet hätte und nun sich von der
anstrengung erhölen müsste, und fühlte mich immer befriedigt bzw befreit...
7. Danach: Fühlst du dich besser oder erst recht beschissen?
also direkt danach habe ich mich (s.o.) immer besser gefühlt. wie lange
dieses befreite gefühl anhielt, war dann wiederum von meiner stimmung
abhängig.
8. Noch mehr danach: Hast du Angst, dass es jemand merkt? Wie machst du
das gegenüber deinen Eltern, ...
angst das es jemand merkt - anfangs hatte ich die schon. meine mutter hat es
als erste mitgekriegt. ich habe ein sehr gutes verhältnis zu meiner mutter
und jedenmal den schmerz in ihren augen zu sehen wenn sie eine neue wunde
bemerkte, tat mir schon weh, hat mich allerdings nie abgehalten. mein vater
denkt eh das ich ne schraube locker hab und das war für ihn nur noch ein
beweis dafür. er hatte mir angedroht mich in die klapsmühle zu stecken. das
hat mich allerdings nicht davon abgehalten mich weiterhin zu ritzen, ich
habe es nur möglichst versteckt getan bzw im laufe der zeit als er aus
seiner drohung nie ernst wurde, war es mir dann egal ob er es sah oder
nicht. in dem moment wo ich mich schnitt, dachte ich eh nicht daran, ich
wollte nur dieses befreite gefühl haben. und als es vorbei war, dachte ich
mir: nun gut - es ist geschehen. du kannst es nicht rückgängig machen, du
kannst nur noch damit leben. und es wurde mir tatsächlich egal. wenn jemand
entsetzt reagierte, dachte ich mir nichts dabei, schliesslich ist es mein
körper und meine sache was ich damit mache. einen aussenstehenden geht es
nichts an (dessen entsetzen interessiert mich auch nicht) und jemand der mir
nahesteht akzeptiert mich so wie ich bin - mit narben oder ohne! ich
verheimliche sie nicht, zeige sie aber auch nicht her - ich lebe einfach
damit, als wäre an meinem arm nichts besonderes.
9. Bringst du das Ganze mit "Religion" in Verbindung? Das heißt, bringst
du hier in gewisser Weise irgendwie ein "Blutopfer" dar, oder meinst du,
weil du gewisse religiöse Tendenzen verfolgst (insbesondere Satanismus), sei
das erwünscht/gut/richtig/förderlich für deinen "religiösen Weg", dich zu
ritzen?
also ich habe es in keinster weise jemals mit religion in verbindung
gebracht. zu dem zeitpunkt als ich damit anfing, hörte ich zwar bereits
black/death metal (halt das was ich von meinem bruder klauen konnte ;c) die
ritzerei entwickelte sich auch über die freundin meines bruders, die mich
ebenfalls auf meinem weg in die metal gefilde begleitet hat bzw meine
führerin war was neue bands anging etc. allerdings habe ich, für mich
persönlich, die ritzerei weder mit der musik noch mit meiner
lebenseinstellung in verbindung gebracht, sondern sie wie erwähnt, lediglich
als ventil für meine gefühle benutzt. ich habe letztes jahr, während meines
ersten jahres an der uni ein mädchen kennengelernt, die sich ebenfalls
selbst verletzt. sie ist ein ganz normales mädel (hört techno etc) und hat
weder mit satanismus noch mit der gothik oder metal szene irgendwas am hut.
10. Bist du eigentlich in einer Therapie, bzw. hast du zu dem Thema schon
mal einen Psychologen aufgesucht oder bist du in Behandlung (gewesen)? Hat
dir das was gebracht?
nein - ich habe noch nie einen therapeuten aufgesucht, da ich nicht glaube
das diese einem helfen können. ich bin der meinung das man sich nur selbst
helfen kann, vor allem im seelischen bereich. da gilt bei mir das motto:
hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner! denn einerseits bin ich so oder so
ziemlich schüchtern (ja ja glaubt mir wie immer niemand :cP und hab da so
meine probleme mein innerstes nach aussen zu kehren vor einem wildfremden
menschen. ausserdem ist meine mutter seit einigen jahren in psychologischer
betreuung auf grund ihrer depressionen, ebenso ihre schwester (hmm hab ich
meine veranlagung wohl doch aus der ecke der familie.....) allerdings konnte
ich noch in keinster weise feststellen das es ihnen in irgendeiner form
besser geht. daher seh ich das ganze als reine zeitverschwendung an.....
hmm... also ich hoffe das ganze ist mehr oder weniger nachvollziehbar. ich habe einfach drauflos geschrieben, in der hoffnung das was sinnvolles dabei rauskommt.
Die Mailadresse der Autorin ist mir bekannt. Wer ihr etwas schreiben möchte, kann mir eine Mail schicken, ich leite diese dann (ungelesen) an sie weiter. Bitte gib im Betreff "121rit10" an.
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